Hunderte Muslime beten in der Moschee von Rom
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Roms Muslime fasten und beten in der größten Moschee Europas

Ramadan beim Papst

Von Dienstag an wandert das religiöse Zentrum Roms ein paar Flussbiegungen den Tiber aufwärts. Während der Vatikan Sommerpause macht, begeht die muslimische Gemeinde Roms den Fastenmonat Ramadan : mit Gebeten, Vorträgen internationaler Religionsgelehrter, einem Koran-Rezitationswettbewerb für Jugendliche und dem römischen Bürgermeister Ignazio Marino.

Rom - 09.07.2013

All das trägt sich nicht in irgendeinem Hinterhof zu. Roms Muslime rühmen sich, die größte Moschee Europas zu besitzen.

Weithin sichtbar ragt am Park der Villa Ada die Moschee mit ihrer von Betonrippen überspannten Kuppel auf. Paolo Portoghesi entwarf den Komplex in den 70ern, errichtet auf 30.000 Quadratmetern städtischem Baugrund. Unweit focht vor 1.700 Jahren Kaiser Konstantin die erste Schlacht der Geschichte unter christlichem Banner. Heute beten und feiern hier Muslime aus Marokko und Ägypten, Indonesien und Senegal, Pakistan und Albanien. "Die ganze Welt des Islam in einer einzigen Moschee", sagt Abdullah Redouane, Generalsekretär des Islamischen Kulturzentrums.

Glauben durch Vorbild bezeugen

Längst sind Muslime heimisch geworden in der Hauptstadt des Katholizismus. "Man lebt hier gut, Gott sei Dank, als Muslim", sagt der Tunesier Hammadi. Seine Formulierung lässt offen, ob er Gott mehr für das gute Leben oder den rechten Glauben dankt. Hammadi hat seit 30 Jahren Arbeit und Wohnsitz in Rom, inzwischen mit einem Catering-Familienbetrieb. Fester Termin sind für ihn die Gottesdienste. Dann hält er auf dem improvisierten Markt vor der Umzäunung gegrillte Fleischspießchen und hausgemachtes Zuckerwerk feil.

In Innenraum der römischen Moschee
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In Innenraum der römischen Moschee.

Erst wird gebetet, dann verkauft. Hammadi ist ein frommer Mann, und wenn er von "Gläubigen" und "Ungläubigen" spricht, meint er Muslime und Nichtmuslime. Heißt das, dass die katholische Mehrheit Roms in die Irre geht? Hammadi wehrt ab. Nein, erstens gebietet der Koran Respekt vor Christen und Juden, und zweitens haben Muslime den wahren Glauben nur durch ihr Vorbild zu bezeugen. "Der Prophet sagt: Nicht ihr seid es, die bekehren, sondern Gott bekehrt."

Gemeindeleiter Redouane meidet das Thema Bekehrung. "Ich kann nicht einmal sagen, dass jeder seiner Wege geht", sagt er im Blick auf seine christlichen Nachbarn. "Es ist ein gemeinsamer Weg." Früher arbeitete Redouane im marokkanischen Ministerium für Islamangelegenheiten. Seit 15 Jahren lebt er in Rom. Er nennt es "Stadt des Papstes" und sagt: "Ich fühle mich zu Hause."

Begleiterscheinungen der Globalisierung

Redouane betont, dass jährlich Tausende von Nichtmuslimen, vor allem Schulklassen, die Moschee besuchen. "Interreligiöse Beziehungen sind nicht die Ausnahme, sondern Alltag." Tatsache ist aber auch, dass Imam Mohamed Hassan, ein junger Geistlicher von der Kairoer Al-Azhar-Universität, trotz wiederholter Anfragen für ein Gespräch nicht erreichbar ist und Journalistenfragen an Gemeindemitglieder nicht erwünscht sind.

Universale Brüderlichkeit

Seit 1400 Jahren gibt es für die Kirche sehr wechselvolle Erfahrungen in der christlich-islamischen Begegnung. Der Beginn der Auseinandersetzung mit dem Islam stand unter dem Schock der Ausbreitung des arabisch-islamischen Reichs über große, bis dahin christlich geprägte Gebiete. Zum Dossier

Auch Don Marco Gnavi, Islambeauftragter des Bistums, leugnet nicht, dass es hier und da hakt. Im Allgemeinen seien die Beziehungen ausgezeichnet; Schwierigkeiten gebe es etwa mit religionsverbindenden Ehen, vereinzelten Fällen von Extremismus oder der "weniger sichtbaren, aber nicht weniger prägenden Realität" von zwei Dutzend über die Stadt verteilten islamischen Gebetsstätten unterschiedlicher Landsmannschaften und Ausrichtungen. Für ihn sind das Begleiterscheinungen der Globalisierung, die eben gestaltet werden will, nicht zuletzt mit Integrations- und Hilfsangeboten der Kirche.

Aus dem Ramadan eine Tugend gemacht

Einer, der davon profitiert, ist Mustafa aus Marokko. Nach sieben Jahren als Koch in Norditalien ging sein Arbeitgeber pleite. Jetzt sucht er in Rom sein Glück, mit dem Gottvertrauen und der Anspruchslosigkeit eines Mittzwanzigers, der in seinem Leben schon Härteres durchgestanden hat als ein paar Nächte auf der Parkbank.

Im Ramadan hofft Mustafa, beim abendlichen Fastenbrechen in der Moschee durchgefüttert zu werden. Armenspeisung im heiligen Monat ist guter Brauch. Vorerst kommt er zum Beten ins Islamische Kulturzentrum. Der Pförtner dort, gefragt nach sozialen Diensten, hebt nur die Achseln: "In der Stadt gibt's jede Menge Caritas-Stationen, Bruder."

Von Burkhard Jürgens (KNA)