Eine Rohingya-Frau sitzt neben ihrem selbstgebauten Zelt im Balukhali-Camp.
Erzbischof von Dhaka sieht armes Land als Vorbild

Rohingya-Flucht: Kardinal lobt Bangladesch

Die Rohingya fliehen zu Tausenden aus Myanmar nach Bangladesch. Kardinal Patrick D'Rozario lobte nun das arme Land für seine humanitäre Reaktion. Bei der Nothilfe warnte er aber vor falschen Motiven.

Dhaka - 22.09.2017

Die Aufnahme der geflüchteten Rohingya in Bangladesch hat Kardinal Patrick D'Rozario, Erzbischof der Hauptstadt-Diözese Dhaka, als vorbildlich gelobt. Das arme Land habe nicht nur die Grenzen für die verfolgte Minderheit aus Myanmar, sondern auch seine Herzen mit Liebe und Anteilnahme geöffnet. "Bangladesch tut, was es kann; in seiner Armut teilt es seinen Reichtum an menschlichen Werten, den Schatz unserer Kultur", sagte D'Rozario in einer Mitteilung, die das katholische Nachrichtenportal "Asianews" veröffentlichte. Die Rohingya, eine muslimische Minderheit in Myanmar, fliehen seit einigen Wochen verstärkt vor Verfolgung und Gewalt durch die mehrheitlich buddhistische Bevölkerung und das Militär in das Nachbarland. Mittlerweile sollen etwa 420.000 Menschen die Grenze überquert haben.

Nahrung, Kleidung, Medizin - und Liebe

Die katholische Kirche und die Caritas in Bangladesch warteten auf die Erlaubnis durch die Regierungsbehörden, die Hilfen in den betroffenen Gebieten für die Flüchtlinge anlaufen zu lassen, so D'Rozario in seiner Erklärung. Dabei gehe es um Nahrung, Wasser, Kleidung und Medizin, aber "vor allem, um Unterstützung mit Liebe und Mitgefühl für unsere Brüder und Schwestern in Not anzubieten." Der Kardinal warnte zugleich davor, andere Motive oder Angelegenheiten als die der humanitären Hilfe in den Vordergrund zu rücken: In dieser Situation müsse die unmittelbare Nächstenliebe die erste Sorge aller Beteiligten sein. "Last uns alle, inklusive der Kirche, ein Feldlazarett sein, das schnellstens auf die dringenden Bedürfnisse reagiert."

Für eine rasche Friedenslösung im Konflikt um die Rohingya hatte sich Anfang September bereits Bischof Alexander Pyone Cho von Pyay ausgesprochen. Auch Papst Franziskus hat wiederholt über die Situation der verfolgten Minderheit gesprochen. Ende November wird er Myanmar und Bangladesch besuchen. (jhe)

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Seine Mission in Myanmar wird politisch ohnehin heikel. Jetzt haben die Bischöfe des Landes Papst Franziskus gebeten, bei seinem Besuch einen speziellen Begriff möglichst zu vermeiden. (Artikel von August 2017)