Rosenkranz, Rohingya und Rikscha
Franziskus beendet Papstreise nach Myanmar und Bangladesch

Rosenkranz, Rohingya und Rikscha

Nach dem Treffen mit einigen Rohingya besuchte der Papst am Samstag in Bangladesch noch Geistliche, die Jugend und ein Mutter-Teresa-Heim. Dort improvisierte er seine Ansprache an die kleine katholische Herde bevor es zurück nach Rom ging.

Von Agathe Lukassek |  Dhaka - 02.12.2017

Papst Franziskus hat seine 21. Auslandsreise nach Myanmar und Bangladesch beendet. Zum Abschluss traf er am Samstag in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka mit mehreren tausend jungen Leuten zusammen. In seiner Ansprache im katholischen Notre-Dame-College, das auch viele Nichtchristen besuchen, lobte Franziskus den Willen, unabhängig von religiösen Unterschieden ein "Klima der Harmonie zu fördern". Interreligiöser Dialog und gemeinsames Arbeiten für Frieden waren zentrale Themen der einwöchigen Papstreise. In beiden Ländern sind Katholiken eine kleine Minderheit.

In der internationalen Berichterstattung über die Asienreise war am Samstag "finally" das dominierende Wort. Das englische Adverb für "endlich" oder "zum Schluss" bezieht sich auf das vielzitierte "R-Wort", das der Papst bei seinem Besuch in Myanmar und zunächst auch in Bangladesch nicht ausgesprochen hatte: Rohingya. "Endlich" habe Franziskus nun den Begriff Rohingya verwandt, hieß es fast durchgängig.

Bei seinem Besuch in Myanmar hatten die dortigen Machthaber und die katholischen Bischöfe des Landes dem Papst dringend nahegelegt, das Wort Rohingya nicht zu erwähnen und die gewaltsame Vertreibung von rund 600.000 Angehörigen der muslimischen Minderheit nach Bangladesch nur indirekt anzusprechen. Im mehrheitlich buddhistischen Myanmar werden die Rohingya "Bengalen" genannt, weil sie als illegale Einwanderer aus Bangladesch angesehen werden.

Gruß an muslimische Jugendliche

Auf dem Sportplatz der Universität grüßte der Papst auch Andersgläubige: "Es freut mich, dass hier zusammen mit den Katholiken auch viele junge Freunde sind, die Muslime sind oder anderen Religionen angehören", sagte er vor laut Vatikanangaben rund 7.000 Zuhörern. Fast 89 Prozent der Bevölkerung Bangladeschs gehören dem Islam an, der laut Verfassung Staatsreligion ist. Auch anderen Glaubensrichtungen ist demnach die Ausübung ihres Kults "in Frieden und Harmonie" zugesichert. Zudem sagte Franziskus, es sei wichtig, auf Gott zu hören, seinen Willen zu erfüllen und "falschen Glücksversprechungen" und Egoismus zu widerstehen. Er mahnte ebenso zur Achtung älterer Menschen.

In seiner Dankrede sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz von Bangladesch, Kardinal Patrick D'Rozario, der Papst habe durch seinen Besuch dazu ermutigt, sich weiter für ein friedliches Zusammenleben aller einzusetzen. Auch am Donnerstag in Rangun hatte Franziskus seinen Besuch in Myanmar mit einer Jugendbegegnung beendet. Im Herbst 2018 findet im Vatikan eine Weltbischofssynode zum Thema Jugend statt.

Auch in schwierigen Momenten die Freude der Christen bewahren

Am Morgen stand eine Begegnung mit Priestern, Ordensleuten und Bischöfen in der Holy-Rosary-Kirche in Dhakas historischem Zentrum Tejgaon auf dem Programm; auch ein Besuch des Mutter-Teresa-Hauses gleich neben der Kirche. Franziskus hielt eine freie Rede, "damit wir uns nicht langweilen", wie er in der Kirche scherzte. "Ich weiß nicht, ob das (freie Sprechen) besser oder schlechter ist, aber ich verspreche euch, es wird weniger langweilig sein."

Vor den Geistlichen warnte Franziskus vor dem "Terrorismus von Geschwätz" und übler Rede; diese hätten schon viele religiöse Gemeinschaften zerstört. "Bitte beißt auf eure Zungen." Schließlich bat er, auch in schwierigen Momenten die Freude des Christen zu bewahren. Sollte das im Extremfall unmöglich sein, so sollten sie doch friedlich und ernsthaft bleiben, mahnte der Papst.

In der Rosenkranzkirche, einem modernen Rundbau, hat die katholische Kirche von Bengalen ihre Wurzeln. Ende des 16. Jahrhunderts gründeten Portugiesen dort eine Niederlassung, bauten die alte Rosenkranzkirche, die heute direkt neben der neuen steht, und legten einen Friedhof mit weißen Kreuzen und Grabsteinen an, den der Papst auch besuchte.

Am Freitag wurde Franziskus mit einer Fahrradrikscha zu der Begegnung mit den Vertretern der Religionen, der Zivilgesellschaft und 16 Rohingya-Flüchtlingen gefahren. Deutet man den Gesichtsausdruck des Pontifex richtig, dann hat ihm die Erfahrung im Garten der erzbischöflichen Residenz von Dhaka Spaß gemacht. Bei der Begegnung mit den Religionsvertretern und den Rohingya in der Residenz wurde es aber schnell wieder ernst. Als er die Angehörigen der Rohingya traf, den Tränen nahe ihren Erzählungen zuhörte, da tat er das einzige, was er in dieser Sache tun konnte: Ihnen die Bühne überlassen, ihr Leid ins Zentrum rücken. "Die Anwesenheit Gottes heißt heute auch Rohingya", sagte Franziskus und bat für die "Gleichgültigkeit der Welt" um Vergebung.

Heikle Reise

Dass Franziskus zuvor in Myanmar nicht direkt auf die Rohingya-Krise eingegangen sei und in seiner Rede "Respekt gegenüber allen ethnischen Gruppen" gefordert habe, habe die Öffentlichkeit besonders geschätzt, teilten widerum die Bischöfe Myanmars am Samstag mit. Den ersten Papstbesuch in dem überwiegend buddhistischen Land wertete der Sprecher der örtlichen Bischofskonferenz, Pater Mariano Soe Naing, als "historisches Ereignis".

Es sei "sicher die heikelste Reise in der bisherigen Amtszeit des Papstes", sagte Martina Dase von der Hilfsorganisation Save the Children, die auch in den Flüchtlingslagern in Bangladesch aktiv ist. "Auch wenn wir alle hier in Cox's Bazar bis zuletzt gehofft haben, dass der Papst das Megalager der Rohingya-Flüchtlinge mit eigenen Augen sehen können würde - für uns zählt, dass er mit seiner Reise in beide Länder die Aufmerksamkeit der Welt auf diese monströse, hochkomplexe Krise lenkt."

Gegen 23.00 Uhr wird Franziskus in Rom zurückerwartet. Wie üblich soll es während des fast elfstündigen Flugs auch eine sogenannte Fliegende Pressekonferenz geben. (mit Material von KNA und dpa)

Von Agathe Lukassek