Schavan: Religionsunterricht schützt vor Radikalisierung
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Botschafterin diskutiert bei Veranstaltungsreihe zum 600-Jahr-Jubiläum des Konstanzer Konzils

Schavan: Religionsunterricht schützt vor Radikalisierung

Vatikan-Botschafterin Annette Schavan hat die Bedeutung der Religion betont. Widerspruch erntete sie bei einer Diskussionsrunde in Konstanz vom Vorsitzenden der atheistischen Giordano-Bruno-Stiftung.

Konstanz - 16.11.2016

Die deutsche Botschafterin am Heiligen Stuhl, Annette Schavan, hat sich für den konfessionell gebundenen Religionsunterricht an deutschen Schulen ausgesprochen. "Die gesellschaftliche Verantwortung gegenüber religiöser Bildung ist auch eine Verantwortung gegen Radikalisierung", sagte Schavan am Dienstagabend in Konstanz. Im Religionsunterricht gehe es um die Entdeckung der eigenen Identität und um das Kennenlernen der eigenen und anderer Religionen. "Ich bin fest davon überzeugt, dass es falsch ist, Religion aus den Schulen und Universitäten herauszuhalten", sagte die ehemalige baden-württembergische Kultusministerin.

Der Vorsitzende der atheistischen Giordano-Bruno-Stiftung, Michael Schmidt-Salomon, widersprach Schavan. Schüler dürften nicht "religiös ghettoisiert" werden und müssten stattdessen "gemeinsam überlegen, wie ein Zusammenleben in der Gesellschaft möglich ist". Religion dagegen stärke das Individuum und schwäche das Zusammenleben. "Aus Nächstenliebe kann auch schnell Fremdenhass entstehen, wenn der Nächste nur der ist, der zur eigenen Gruppe gehört", so der Philosoph. Dennoch gehöre auch Religion zur Bildung. "Ohne Religionsgeschichte kann man die Welt nicht verstehen", sagte Schmidt-Salomon. Der Bekenntnisunterricht sei aber der falsche Weg.

Schavan: Christlicher Glaube fördert Freiheit des Menschen

Weiter warnte Schmidt-Salamon vor einem Missbrauch von Religion. "Wir leben in der friedlichsten Zeit und Region, die es je gegeben hat. Und das ist gleichzeitig die am stärksten säkularisierte Region." Religion dagegen bedrohe die offene Gesellschaft, wie Anschläge durch radikale Muslime und christliche Fundamentalisten zeigten. "Ich hätte es leichter, wenn ich an Gott glaube würde, dann würde ich keine Morddrohungen mehr erhalten", so Schmidt-Salomon.

Laut Schavan ist dagegen nicht der Glaube Grund von Radikalisierung, sondern kulturelle und politische Strömungen. Der christliche Glaube fördere keine Gewalt, sondern die Freiheit des Menschen, so Schavan. "Ich würde mich eingeengt fühlen, wenn ich glauben würde, dass nach dem Tod alles aus ist." Nicht an Gott zu glauben sei eine Selbstbegrenzung, die sich nur noch mit dem beschäftige, was offensichtlich sei.

Veranstaltungsreihe zum 600-Jahr-Jubiläum des Konstanzer Konzils

Schavan und Schmidt-Salomon diskutierten bei den "Konstanzer Kontroversen", einer Veranstaltungsreihe zum 600-Jahr-Jubiläum des Konstanzer Konzils. Das Treffen in den Jahren 1414 bis 1418 war eine der wichtigsten politischen und religiösen Versammlungen des Mittelalters. (KNA)