Ein Bauzaun und andere Absperrungen stehen vor der Kirche
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Berlins neuer Erzbischof vermittelt im Streit um Kathedrale

"Schnell mit allen Seiten sprechen"

Das Konzept für die Sanierung der Berliner Sankt-Hedwigs-Kathedrale wurde kontrovers diskutiert. Seit dem Weggang von Kardinal Woelki ruhen die Umbauarbeiten weitgehend. Der neue Erzbischof Koch will nun eine Lösung finden.

Berlin - 17.09.2015

Seit dem Wechsel von Kardinal Rainer Maria Woelki vor einem Jahr nach Köln ruht das Sanierungsprojekt weitgehend. Eine grundsätzliche Entscheidung über den Fortgang muss nun Koch treffen. Kontrovers ist vor allem das vorliegende Architektenkonzept. Es sieht vor, die ungewöhnliche Bodenöffnung in der Mitte der Bischofskirche mit Treppe zur Krypta zu schließen.

Koch bezeichnete das Vorhaben als einen der "brenzligen Punkte" seines künftigen Amtes. "Neben künstlerischen und architektonischen Fragen ist es offensichtlich auch eine Frage der eigenen Identität", erklärte er. Es gebe dabei "deutliche Unterschiede zwischen Ost und West". Vor allem Katholiken aus dem Osten Berlins wollen den bisherigen Innenraum erhalten, den der Architekt Hans Schwippert (1899-1973) vor rund 50 Jahren schuf.

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Der bisherige Bischof von Dresden-Meißen, Heiner Koch, wird neuer Erzbischof von Berlin. Der Abschied aus seiner Diözese fällt ihm nicht leicht, erklärt er im Interview mit katholisch.de-Mitarbeiter Markus Kremser.

Der neue Erzbischof betonte, er habe "viele Fragen" zum bisherigen Kirchenraum. "Zum Beispiel empfinde ich es als fragwürdig, dass im Gottesdienst im liturgischen Raum Prozessionen nur sehr begrenzt möglich sind", erklärte er. Ein weiterer Punkt sei, inwieweit die Kathedrale einladend sei, "um als Passant, auch als Nichtglaubender einfach zu verweilen".

Koch äußerte sich auch zu der bereits eingeleiteten Bistumsreform. In der Kritik steht vor allem der Plan, die derzeit 105 Kirchengemeinden zu rund 30 Großpfarreien zusammenzulegen. Der künftige Erzbischof betonte, es gehe auch in Berlin nicht nur darum, "irgendwelche Strukturen zu verändern", sondern "vor allem um eine neue inhaltliche Positionierung". Im Zentrum müsse die Frage stehen, wie es möglich sei, "Christ und Kirche zu sein in einer großen Stadt oder auf dem Land und wie wir unseren Sendungsauftrag erfüllen, wo immer mehr Menschen sagen, dass es ihnen völlig gleichgültig ist, ob es Gott gibt oder nicht".

Auf die Frage nach möglichen Spielräumen bei Reform sagte Koch, die Verantwortung liege vor allem in der jeweiligen Region. "Ich kann nicht eine Antwort geben, die in Frankfurt an der Oder genauso wie am Kap Arkona gilt, in Charlottenburg wie in Kreuzberg", erklärte er. (KNA)