Bunte Buchstaben auf dem Boden bilden das Wort Salam, dahinter steht eine Tür offen.
Begegnungen beim Tag der offenen Moschee in Bonn

Schritte aufeinander zu

Der Prophet Mohammed besuchte einen Mann, der für die Gebetswaschung mehr Wasser als nötig benutzte. Er fragte: "Was soll diese Verschwendung?" Als sich der Mann wunderte, dass man auch bei der Gebetswaschung verschwenderisch sein könnte, antwortete der Prophet: "Ja, hüte dich vor der Verschwendung, selbst wenn du an einem Fluss stehst."

Bonn - 04.10.2013

Die Szene aus den Schriftsammlungen des Gelehrten Ibni Madscha steht auch für das Thema, das der Zentralrat der Muslime in Deutschland für den diesjährigen Tag der offenen Moschee gewählt hatte. Es ging um Umweltschutz, und der hat im Koran eine durchaus prominente Stellung. Davon überzeugten sich gestern in ganz Deutschland Menschen, die am Tag der deutschen Einheit die Gelegenheit nutzten, sich den islamischen Mitmenschen anzunähern.

So auch in der Moschee der türkischen Ditib-Gemeinde in Bonn. Die ist kürzlich erst umgezogen und baut gerade ein neues Gebetshaus, und so wurde den Besuchern in einem provisorischen Gebetsraum anhand der fünf Säulen des Islam vermittelt, wie die Muslime glauben und ihre Religion leben. Für die Kinder, die dabei waren, war einiges Neues dabei. "Ich wusste zum Beispiel nicht, dass die in eine bestimmte Richtung beten", sagte Andrea, zehn Jahre alt, nach der Führung. Ihr Bruder Lucas (11) war überrascht von der Gastfreundlichkeit, mit der die Familie empfangen worden war.

Besucher zwischen Ständen vor der Moschee der türkischen Ditib-Gemeinde in Bonn.

Besucher zwischen Ständen vor der Moschee der türkischen Ditib-Gemeinde in Bonn.

Nicht jeder kann nach Mekka pilgern

Aber auch ihre Eltern erfuhren noch Dinge, die sie nicht wussten. "Dass jedes Land ein bestimmtes Kontingent an Menschen hat, die jedes Jahr nach Mekka pilgern können, war mir neu", sagte Mutter Dagmar Eisenbach. Mehmed Aksar vom Vorstand des Bonner Ditib-Vereins und der vor zwei Wochen erst zur Gemeinde gekommene Imam Muhsim Saylan hatten zuvor erklärt, dass die Pilger, die die Hadsch antreten wollen, oft mehrere Jahre darauf warten müssten, bevor sie nach Mekka reisen dürften – wenn sie es sich denn leisten können: "Man darf das nur mit eigenem Geld machen", so Aksar. Das koste rund 2.500 Euro, und das Geld dürfe man sich weder leihen noch über einen Kredit beziehen.

Vor der Moschee hatte der Verein "Tabiat" seinen Stand aufgebaut. Die türkische Vokabel bedeutet übersetzt "Natur", und die Umweltinitiative ist ein Projekt der Fachstelle für interkulturelle Bildung und Beratung in Bonn. Man geht dorthin, wo die Leute sind: Neben der Ditib-Moschee ist das zum Beispiel der türkische Sportverein Bouspor in Bonn, mit dem man zusammenarbeitet.

Aufeinander zugehen bedeutet, dass jeder einen Schritt macht.

Zitat: Eric Eisenbach, Besucher beim Tag der offenen Moschee

Dafür hat man in einem ersten Schritt acht Frauen und zwei Männer zu Umweltberatern ausgebildet. "Sie geben ihr Know-How an private Haushalte weiter", sagte Projektleiter Faik Salgar. Welche Chemikalien sind giftig, was ist der Unterschied zwischen biologisch abbaubaren und anderen Putzmitteln, wo kann man Strom oder Wasser sparen und so weiter: Auf diese Weise erreiche man die Menschen. Für den Verein war das Umweltmotto des Tages der offenen Moschee ein dankbares.

Familie sitzt auf Teppich in Moschee

Familie Eisenbach (von links Dagmar, Andrea, Lucas, Eric) beim Tag der offenen Moschee in Bonn.

Für die Besucher war das Thema zwar interessant, aber die meisten kamen jedoch eher, um sich ein grundsätzliches Bild zu machen. "Man weiß zu wenig darüber", meinte Dagmar Eisenbach. Dabei sei der Islam ein wichtiger Bestandteil der Welt. "Alle reden von Integration", meinte ihr Mann Eric. "Aber aufeinander zugehen bedeutet, dass jeder einen Schritt macht."

Islamisten und Muslime nicht in einem Topf werfen

Die Al-Muhjirin-Moschee hatte deshalb darauf verzichtet, das Thema Umweltschutz in den Vordergrund zu stellen. Man wollte sich in der neu gebauten Moschee der Bonner Bevölkerung präsentieren und tat das mit Vorträgen im imposanten Gebetsraum. Einen davon hielt der Rechtswissenschaftler Latif Beg, der unter anderem anschaulich erklärte, was der Koran eigentlich ist. Das Buch, das er in seinen Händen hielt, sei rechtlich gesehen zwar der Koran, sprachlich aber nicht. Er las daraus vor und erklärte dann: "Das, was meine Stimme vermittelt hat, ist der Koran." Indem er den Besuchern das begreiflich machen konnte, hätten sie mehr verstanden als mancher Muslim.

Im Gästebuch fand man Hinweise darauf, was die Besucher individuell mitgenommen hatte. Die einen lobten die leckeren Süßigkeiten, die Gastfreundschaft und den weichen Teppich, ein anderer schrieb: "Es ist schön zu sehen, wie Glaube Menschen glücklich machen kann." Bei solchen Aussagen sei es bedauerlich, dass immer wieder Besucher ganz unbedarft von "Islamisten" sprechen würden, wenn sie Muslime meinten, sagte Raida Chebib, ehrenamtliche Helferin. Eine Folge jahrelanger Berichterstattung nach diversen Terroranschlägen, meinte sie. Das dürfe man begrifflich nicht in einen Topf werfen.

Rund um den Bau der Moschee hatte es mitunter Wirbel gegeben. "Man kann aber nicht immer nur ablehnen und schimpfen", sagte eine Besucherin, die in der Nähe wohnt und sich schon viel früher einen Besuchstag bei den neuen Nachbarn gewünscht hätte. "Man kann gegen alles Bedenken haben, aber man muss sich auch damit befassen."

Von Stefan Knopp

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