Der Mariendom in Hamburg.
Generalvikar Ansgar Thim weist Vorwürfe zurück

Schulschließungen: Erzbistum reagiert auf Kritik

Politiker und Eltern kritisieren, man sei zu spät über die Schulschließungen in Hamburg informiert worden. Nun reagiert das Erzbistum und weist die Vorwürfe als unwahr zurück.

Hamburg - 24.01.2018

Das Erzbistum Hamburg weist Vorwürfe zurück, die beschlossenen Schulschließungen entbehrten einer fundierten Analyse und seien ohne rechtzeitige Information der Schulbehörde erfolgt. "Die Entscheidung, tiefgreifende Einschnitte im Katholischen Schulsystem vorzunehmen, basiert auf intensiven, äußerst differenzierten Analysen zur wirtschaftlichen Gesamtlage und zu jedem einzelnen Schulstandort", erklärte Generalvikar Ansgar Thim in einer Stellungnahme am Mittwoch. Zudem sei die Hamburger Schulbehörde rechtzeitig in Kenntnis gesetzt worden.

Die Erzdiözese hatte am Freitag bekanntgegeben, bis zu acht ihrer 21 katholischen Schulen in der Hansestadt zu schließen. Begründet wurde die Entscheidung mit der angespannten Haushaltslage des Bistums. In der Hamburger Politik sowie bei Schülern, Eltern und Lehrern war die Entscheidung auf Kritik gestoßen. Einige Hundert von ihnen hatten sich in den vergangenen Tagen zu Demonstrationen vor dem Hamburger Mariendom versammelt. Eltern hatten moniert, erst kurzfristig über die Pläne informiert worden zu sein. Auch der Hamburger Schulsenator Ties Rabe (SPD) sagte, seine Behörde habe erst kurz vor der Bekanntgabe von der Entscheidung erfahren. Scharfe Kritik gab es zudem von der Katholischen Elternschaft Deutschlands

Generalvikar Ansgar Thim.

Dem setzt Generalvikar Thim nun entgegen, dass ein erstes Gespräch mit Rabe zu den Restrukturierungsüberlegungen bereits im Dezember 2016 stattgefunden habe. Der Leiter der Abteilung Schule und Hochschule im Erzbistum Hamburg, Christopher Haep, sei zudem seit Juli 2017 im Gespräch mit Spitzenbeamten der Schulbehörde. Dabei seien die Standortplanungen frühzeitig zur Sprache gekommen. Demnach sei die Aussage von Rabe, die Schulbehörde sei erst kurz vor der Veröffentlichung der Entscheidung über die Schließungspläne informiert worden, "nicht korrekt", so Thim.

Verständnis für Sorgen und Nöte der Schüler und Eltern

Auch zur Information der Eltern nimmt der Generalvikar Stellung: "Wir haben großes Verständnis für die Sorgen und Nöte, die sich bei den Schülern und Eltern aus unseren Beschlüssen ergeben." Deswegen hätte der Abteilungsleiter Schule und Hochschule seit Januar 2017 alle sechs Wochen an den Sitzungen der Gesamtelternvertretung sowie an den Treffen des Sprecherteams teilgenommen, um sie im persönlichen Gespräch auf den jeweils aktuellen Stand der Überlegungen und der weiteren Schritte des Erneuerungsprozesses zu bringen. Klares Ziel sei es gewesen, diesen Informations- und Beratungsprozess bis Ende März 2018 fortzuführen und die Eltern über die baulichen, wirtschaftlichen und systemischen Einschätzungen zu den Standorten eingehend zu informieren. "Aufgrund der in der zweiten Januarwoche vom Erzbistum Hamburg beschlossenen Sofortmaßnahmen, die sich aus der finanziellen Dringlichkeit ergaben, konnten wir diesen Prozess so nicht aufrechterhalten ", erklärt Thim.

Um die Hintergründe dieser Entscheidung zu erläutern und sich den Fragen sowohl der Lehrer, Mitarbeiter als auch der Eltern zu stellen, gehe er gemeinsam mit dem Abteilungsleiter für Schule und Hochschule sowie weiteren Mitarbeitern des Erzbistums derzeit zu mehrstündigen Informationsveranstaltungen in die acht von der Schließung betroffenen Schulen, so Thim. Er kündigte zudem an, dass er weitere entscheidende Veränderungen auch im Generalvikariat vornehmen werde, um der aktuellen finanziellen Notlage entgegenzuwirken. (tmg)