Sensation: Deutsche Bischöfe gründen Super-Diözese!
Ein satirischer Wochenrückblick von Björn Odendahl

Sensation: Deutsche Bischöfe gründen Super-Diözese!

Die deutschen Bischöfe schreiben Geschichte: Sie machen Schluss mit der kleinteiligen Bistumslandschaft, um so dem Priestermangel den Kampf anzusagen. Was dahintersteckt? Katholisch.de weiß mehr.

Von Björn Odendahl |  Bonn - 19.01.2019

Nach einem Geheimtreffen des Ständigen Rates der Deutschen Bischofskonferenz am Freitag ist es zu einer faustdicken Überraschung gekommen. Bei der Durchsicht der Personalakten aller Diözesen sei aufgefallen, dass Deutschland überhaupt gar keinen Priestermangel habe, teilte ein Sprecher begeistert mit. Man sei bisher lediglich von 13.500 Priestern ausgegangen, weil man nur auf die Seelsorge geblickt habe. Darüber hinaus seien aber aktuell rund 30.000 Geistliche mit dem Zusatzverweis "Bürohengst" in den Generalvikariaten, Bischofshäusern, Hilfswerken, Akademien und Bildungshäusern tätig, heißt es.

"Dass unsere Bistümer solche Papiertiger sind, hat uns selbst überrascht", sagte der Bischof einer großen deutschen Diözese im Gespräch mit katholisch.de. Er will lieber anonym bleiben. Und er ergänzt: "Wir müssen wieder raus zu den Menschen." Schließlich sei Gott auch Mensch und nicht Leitz-Aktenordner geworden. Unter dem eingängigen Motto "Heute ist morgen schon vorgestern: Verwaltung muss dem Nächsten und nicht der Selbsterhaltung dienen" wird sich deshalb eine 700 Mann starke überdiözesane Steuerungsgruppe in den nächsten 15 Jahren der Problematik annehmen. Das Ziel: Bis 2034 sollen die bisher 27 deutschen Bistümer zu einer einzigen Super-Diözese zusammengelegt werden, um die Priester wieder frei für die Seelsorge zu machen.

Intern soll es bereits einen Wettkampf zwischen einigen deutschen Erzbistümern um den Standort der neuen Zentrale geben. Sie liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen, wenn es um die besten Voraussetzungen geht: Ihre Kathedralen? Bieten Platz für Tausende Menschen. Ihre Generalvikariate? Auch. In Görlitz hat man sich dagegen früh aus diesem Wettkampf verabschiedet. Schließlich misst die gesamte Diözese von Bischof Wolfgang Ipolt weniger Quadratmeter als die Hauskapellen so mancher Mitbrüder.

Die Stimmung der Priester in den Diözesen schwankt unterdessen zwischen Freude und Verunsicherung. Anton R. ist aktuell Assistent des Sekretärs des persönlichen Referenten des Bischofsvikars für die Caritas – und damit nur die Nummer 27 in der Thronfolge seines Bistums. Er sei deshalb begeistert, künftig wieder bei den Gläubigen vor Ort herrschen zu können. "Nein, nein, ich meinte dienen", korrigiert er sich schnell. Doch er gibt zu: Vor allem sein Spitzname "Taschenträger-Toni" habe ihn bei seiner Tätigkeit im Generalvikariat gestört.

Und Rudolf K.? Der hat seine katholische Akademie seit 25 Jahren nicht mehr verlassen und soll künftig Firmkatechese machen. Das Lieblingsthema des promovierten Mittfünfzigers: "Warum der Quinoa-Boom für Boliviens Bauern Fluch und Segen zugleich ist – eine ethische Betrachtung aus christlicher Perspektive". Ob er die Jugend damit erreichen wird, weiß er nicht genau. Vorsorglich hat er seine Vortragsreihe in kindgerechte Sprache übersetzen lassen.

Dass es trotz der einstimmigen Entscheidung für das Mega-Bistum derweil weiter zu einem Wettkampf unter den Oberhirten kommt, stört den anonymen Bischof. "Wir Bischöfe müssen das Kathedralturmdenken endlich beenden", fordert er – und gibt bisher nie dagewesene Einblicke in die Debatten seiner Amtsbrüder. Nicht die unterschiedliche Auffassung zu konfessionsverschiedenen Ehepartnern oder zur Sexualmoral habe in den vergangenen Jahren zum Streit unter den Oberhirten geführt. Stattdessen sei es immer nur darum gegangen, wer den größten Dom habe. "Damit muss jetzt Schluss sein!"

Von Björn Odendahl

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