Spanien: Bischöfe geben sexuellen Missbrauch durch Priester zu
Bild: © KNA
Vorsitzender von Bischofskonferenz will Missbrauch "ausrotten"

Spanien: Bischöfe geben sexuellen Missbrauch durch Priester zu

Die Recherche einer Zeitung hatte die Kirche in Bedrängnis gebracht: Bei der Eröffnung ihrer Vollversammlung haben die spanischen Bischöfe nun zugegeben, dass es Missbrauch durch Priester gegeben hat – und zugesichert, ihn "auszurotten".

Madrid - 19.11.2018

Die spanischen Bischöfe haben sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch Priester und andere Geistliche öffentlich zugegeben. "Die Kirche erkennt Missbräuche verschiedener Art offen an und ist fest entschlossen, diese auszurotten", sagte der Vorsitzende der Spanischen Bischofskonferenz (CEE), Erzbischof Ricardo Blázquez, am Montag in Madrid. "Die verschiedenen Arten des Missbrauchs durch einige Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien lösen bei den Opfern, darunter viele junge Menschen, Leiden aus, die ein Leben lang anhalten können", so der Erzbischof von Valladolid bei der Eröffnung der 112. Vollversammlung der Bischofskonferenz.

Auch Reue könne das Leid der Opfer nicht lindern, zitierte Blázquez weiter aus dem im Oktober entstandenen Abschlussdokument der Weltbischofssynode. Er dankte mit Verweis auf das verabschiedete Papier der Jugendsynode den Missbrauchsopfern für ihren "Mut, diesen (Missbrauch) anzuzeigen". Damit würden sie "der Kirche helfen, sich bewusst zu werden, wie viel geschehen ist und dass mit Entschiedenheit gehandelt werden muss". Sünde dürfe "nicht vertuscht" werden, denn sie verwunde "die Kirche und andere Personen", so Blázquez. Gleichzeitig betonte er, es sei "nicht rechtens, ohne Fundament einen Verdacht zu hegen".

Bereits in der vergangenen Woche hatte der scheidende Generalsekretär der CEE José María Gil Tamayo gesagt, dass Kirche und Gesellschaft sexuellem Missbrauch in der Vergangenheit mit einem "mitschuldigen Schweigen" begegnet wären. Im Zuge der weltweiten Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche hat Papst Franziskus die Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen weltweit für Februar 2019 zu einem Treffen in den Vatikan eingeladen. Im Mittelpunkt des Treffens steht der Kinderschutz.

In Spanien hatte es erst kürzlich Kritik am Umgang der Kirche mit dem Thema gegeben. Im Oktober hatten Recherchen der Zeitung "El País" ergeben, dass Missbrauch durch Kirchenmitarbeiter im stark vom Katholizismus geprägten Spanien systematisch vertuscht worden sei. In den vergangenen 30 Jahren seien nur 33 Urteile gegen Priester wegen sexuellen Missbrauchs von 80 Minderjährigen verhängt worden. Die Strafen reichten von Schmerzensgeld bis hin zu einer 21-jährigen Gefängnisstrafe. In Spanien gebe es 18 000 Priester - somit seien also weniger als 0,2 Prozent von ihnen wegen Missbrauchs verurteilt worden. (rom/dpa)