Außenminister Frank-Walter Steinmeier im Porträt
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Der Bundespräsident sprach beim Festakt in der Augsburger Synagoge

Steinmeier warnt vor Antisemitismus-Import

Man dürfe sich nie daran gewöhnen, dass Synagogen von der Polizei bewacht werden müssten, so Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Er warnte zudem vor einem Antisemitismus-Import durch Einwanderer.

Augsburg - 29.06.2017

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier fordert eine größere Wachsamkeit gegenüber Antisemitismus. "Lassen Sie uns wachsam sein - wachsamer denn je", appellierte er am Mittwochabend beim Festakt zum 100-jährigen Bestehen der Augsburger Synagoge. "Ja, es gibt Antisemitismus in unserem Land", sagte Steinmeier. Daran dürfe man sich niemals gewöhnen - ebenso wenig wie daran, dass Synagogen von der Polizei bewacht werden müssten. Steinmeier ergänzte: "Wir dürfen nicht ertragen, dass völkisches Gedankengut wieder Einzug hält in politische Reden. Wir dürfen es nicht hinnehmen, wenn Einwanderer aus muslimisch geprägten Regionen auch ihre Feindbilder importieren."

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) bekräftigte: "Wir verteidigen unsere jüdisch-christlichen Werte, unsere freiheitliche Art zu leben mit heißem Herzen. Alle jüdischen Bürgerinnen und Bürger sollen sich in unserem Land sicher, zuhause und geborgen fühlen." Seehofer kündigte an, sich persönlich für eine Unterstützung der nötigen Renovierung der Synagoge durch den Freistaat starkzumachen. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, betonte die Einheit von Jüdisch- und Deutschsein: "Wir sind Bürger dieses Landes. Wir verstehen uns als festen Bestandteil dieser Gesellschaft." Das hätten schon die Erbauer der Augsburger Synagoge verdeutlicht: Sie hätten eine Bodenplatte verlegt, auf der nicht nur der Davidstern zu sehen sei, sondern auch eine Zirbelnuss - das Symbol Augsburgs.

Der israelische Botschafter Yakov Hadas-Handelsman wünschte, dass die Augsburger Synagoge "weiterhin ein Ort des Friedens und der Begegnung sein möge" und dass sie Brücken schlage zwischen Juden und Nichtjuden - "auch zwischen unseren Ländern und Völkern". Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) rühmte das Gotteshaus als "bauliches Gedächtnis", als "Ort des Mahnens, des Aussöhnens und der Verständigung". Gribl drückte zudem sein "aufrichtiges Bedauern" gegenüber den rund 100 anwesenden Nachfahren von unter den Nazis verfolgten Augsburger Juden über deren "leidvolle Geschichte" aus.

Augsburger Bischof wünscht sich besseres Kennenlernen

Der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa erinnerte an die Verbundenheit von Juden und Christen und bezeichnete sie in Anlehnung an die von Papst Johannes Paul II. geprägte Formel als "ältere Brüder und Schwestern im Glauben". Zdarsa ergänzte, es sei wünschenswert, dass Christen und Juden sich "noch besser gegenseitig kennenlernen". Der evangelische Regionalbischof Michael Grabow lobte die jüdische Gemeinde für ihre "intensive Kultur des Willkommens". Auch pries er die "prachtvolle Augsburger Jugendstil-Synagoge" als eine der "schönsten in ganz Europa". Dass diese seit 100 Jahren existiert, gilt als Besonderheit: Sie überstand als einzige Großstadtsynagoge Bayerns und als eine der wenigen in Deutschland die NS-Zeit fast unzerstört. 1938 setzten Nazis sie zwar in Brand. Da sich gegenüber eine Tankstelle befand, wurde das Feuer aber wieder gelöscht. (KNA)