Sternsinger singen bei der Eröffnungsaktion auf dem Residenzplatz in Würzburg.
Bild: © KNA
Kritik von der Kirche und in den sozialen Netzwerken

Nach Sternsinger-Beleidigung: Sat1 lenkt ein

In einem Werbespot macht sich der Fernsehsender Sat1 über den Gesang der Sternsinger lustig - und hat damit nicht nur die Kirche gegen sich aufgebracht. Mittlerweile hat der Sender deshalb eingelenkt.

Bonn - 28.12.2017

Nachdem sich die Sendergruppe ProSiebenSat.1 in einem Werbespot über die Sternsinger lustig gemacht hat, hagelte es Kritik. Der Vizepräsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Wolfgang Klose, forderte am Donnerstag sogar den Stopp des TV-Spots für die Kinder-Castingshow "The Voice Kids". Er kritisierte: "In Ihrem Spot wird auf eine unerträgliche Weise die wichtige und notwendige Tätigkeit von Tausenden von Sternsingern, die in diesen Tagen wieder unterwegs sein werden, diffamiert."

In dem Werbeclip werden drei Sternsinger gezeigt, die ihr Lied vor einer Haustür durchweg schief singen. Das Fazit im Video lautet: "Die schönsten Kinderstimmen ... gibt's leider erst im Februar" - wenn die Fernsehshow startet. Die Sender erklärten, der Spot mache "auf humorvolle Weise" auf für die neue Staffel von "The Voice Kids" aufmerksam. Das sieht der Präsident des Kindermissionswerks "Die Sternsinger", Prälat Klaus Krämer, ganz anders: "Der Werbeclip hat zahlreiche Sternsinger und Freunde der Aktion Dreikönigssingen arg getroffen. Wer sich für eine Sache so engagiert wie die Sternsinger, der empfindet eine solche Darstellung nicht als humorvoll." 

Auch ZdK-Vize Klose kann darüber nicht lachen: "Das ist weder humorvoll oder lustig", sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Bonn. Das Engagement der Kinder und mithelfenden Erwachsenen gelte es zu unterstützen und zu fördern. "Ich bin dankbar dafür und freue mich jedes Jahr auf die Sternsinger und die Vielfalt ihrer Stimmen - das ist für mich ein Wohlklang in den Ohren", so Klose. Er forderte das Ende der "unsäglichen Werbung".

Auch BDKJ und Facebook-Nutzer üben Kritik

BDKJ-Bundespräses Dirk Bingener sprach von einem "unangemessenen" Spot. "Man schlägt keinem Kind die Tür vor der Nase zu", sagte er katholisch.de. Eine Redaktion, die mit Kindern arbeite, müsse dies eigentlich besser wissen. "Wir alle können zeigen, wie man die Königinnen und Könige empfängt: mit offenen Türen und indem auf das hört, was sie zu singen und zu sagen haben. So unterstützt man deren großartiges Engagement."

Neben ZdK und BDKJ ärgerten sich auch viele Facebook-Nutzer über das Video und reagierten mit einem kleinen "Shitstorm": "Finde diese Werbung echt daneben", "Verantwortungslos und beschämend" oder "Echt schade, dass ihr die Sternsinger in ein falsches Licht stellt". Das Kindermissionswerk "Die Sternsinger" nahm das Video auf seiner eigenen Facebook-Seite zunächst mit Humor und postete: "Achtung! Fake News über die Sternsinger bei The Voice Kids." Später rief man die Nutzer dazu auf, sich mit der Kritik direkt an die Sendergruppe ProSiebenSat.1 zu wenden und bedankte sich für die zahlreiche Unterstützung.

Die Sendergruppe erklärte zunächst lediglich: "Es war niemals unsere Absicht, damit die echten Sternsinger in Deutschland zu diskreditieren. Die Sternsinger haben unseren größten Respekt für ihr ehrenamtliches Engagement." Auf Nachfrage von katholisch.de hieß es seitens ProSiebenSat.1 nun aber: "Wir verzichten auf die letzten geplanten Einsätze des Trailers." Auch der entsprechende Facebook-Clip wurde mittlerweile gelöscht. Der Präsident des Kindermissionswerks begrüßt die Entscheidung des Senders: "Es ist gut, dass der Spot nun nicht weiter ausgestrahlt wird." (bod/fxn/KNA)

28.12.2017, 16.20 Uhr: ProSiebenSat.1 verzichtet auf weiteren Einsatz des Trailers

28.12.2017, 17.40 Uhr: Statement des Kindermissionswerks ergänzt.