Studie: Deutsche bei Akzeptanz von Religionen gespalten
Deutliche Unterschiede in einzelnen Bundesländern

Studie: Deutsche bei Akzeptanz von Religionen gespalten

Grundsätzlich wird Pluralität unter den Deutschen positiv gesehen. Doch wenn es um religiöse Vielfalt geht, sind die Bundesbürger gespalten. Das hat das "Vielfaltsbarometer" der Robert-Bosch-Stiftung herausgefunden – und nennt die Gründe dafür.

Stuttgart/Bremen - 09.04.2019

Die Deutschen stehen Religion und religiöser Vielfalt eher skeptisch gegenüber. Zu diesem Ergebnis kommt das "Vielfaltsbarometer 2019", das die Einstellung der Bevölkerung zu verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen untersucht. Demnach liegt die Akzeptanz von Religion und religiöser Vielfalt auf einer Skala von 0 bis 100 bei 44 Punkten, was bei den behandelten Themenbereichen den schwächsten Wert darstellt. Für die Studie wurden rund 3.000 Personen ab 16 Jahren telefonisch befragt. Durchgeführt wurde sie von Wissenschaftlern der Bremer Jacobs University im Auftrag der Robert-Bosch-Stiftung (Stuttgart).

Den Erhebungen zufolge ist eine knappe Mehrheit der Bevölkerung (49 Prozent) der Meinung, dass Religion Privatsache ist: Für sie gehören religiöse Bekundungen und Symbole nicht in die Öffentlichkeit. 48 Prozent teilen diese Auffassung nicht. Ebenfalls fast die Hälfte (49 Prozent) findet, dass der der Islam in die westliche Welt passt, 48 Prozent glauben dies nicht. Deutlicher ist der Abstand bei der Frage, ob es in Deutschland auch gesetzliche Feiertage zu den Festen anderer Religionen geben sollte: Rund zwei Drittel (65 Prozent) sind dagegen, 33 Prozent dafür. Laut den Autoren sind die Ergebnisse der Befragung nicht als Votum zu einzelnen Religionen wie dem Islam zu verstehen. Vielmehr zeige sich darin "eine allgemeine Distanz gegenüber religiösen Lebensweisen und Traditionen".

Ost-West-Gefälle sichtbar

Im Vergleich der Bundesländer ist die Akzeptanz unterschiedlicher Religionen am stärksten in Nordrhein-Westfalen (50 Punkte), Bremen (49 Punkte), Hamburg (48 Punkte) und dem Saarland (47 Punkte). Am Ende der Liste stehen vier ostdeutsche Bundesländer: Mecklenburg-Vorpommern (40 Punkte), Sachsen (36 Punkte), Sachsen-Anhalt (34 Punkte) und Thüringen (30 Punkte). Hier kann man laut den Autoren spekulieren, "dass es hier um eines der wenigen Felder geht, in denen die im Kern atheistische Staatsideologie der DDR mit Erfolg in die Mentalität der Ostdeutschen eingedrungen ist".

Grundsätzlich liegt die Akzeptanz von Vielfalt in Deutschland bei 68 Punkten "und damit deutlich im positiven Bereich". Besonders stark angenommen werden Menschen mit Behinderung (83 Punkte), einer nicht-heterosexuellen Orientierung (77 Punkte) oder einer anderen ethnischen Herkunft (73 Punkte). Neben der Religion gibt es die die größten Vorbehalte gegenüber sozioökonomisch Schwachen (58 Punkte). Mögliche Faktoren, die die Akzeptanz einer pluralen Gesellschaft positiv beeinflussen, sind laut Studie Empathiefähigkeit, eine eher linke politische Orientierung sowie eine positive Einstellung zur Globalisierung. Strukturelle Faktoren wie die Wirtschaftskraft oder die Arbeitslosenquote in der Heimatregion seien eher nachrangig. (mal)