Ein blaues Schild mit den Worten "Religion, Werte, Bildung" - dahinter zeichnet sich die Messehalle ab.
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Suche nach Orientierung

Bildung ist ein Thema, das immer wieder heiß diskutiert wird. Eltern, Lehrer, Politiker, Professoren, Verleger, Wirtschaftsbosse – jeder fühlt sich zum Experten berufen und glaubt zu wissen, was das Beste für Schüler und Studenten ist. Und neben den vielen Konzepten, Perspektiven und Ansätzen hat sich auch der Unterricht verändert: Internet, Tablet-PCs und elektronische Schreibtafeln versprechen den Pädagogen neue Möglichkeiten.

Köln - 19.02.2013

Neue Lehrpläne in Niedersachsen, die Bildungsplanreform in Baden-Württemberg und die Ideen des bayrischen Ministeriums für neue Lehrpläne ab 2014 haben den Markt zusätzlich durcheinandergewirbelt. Umso gespannter blicken die Pädagogen nach Köln, denn dort richtet der Didacta-Verband noch bis Samstag Europas größte Bildungsmesse aus. Präsident Wassilios Fthenakis hat sich auf die Fahnen geschrieben, in dem Wust aus verschiedenen Ansätzen und Strömungen Orientierung zu geben.

Kirche auf der Bildungsmesse

Auch die Kirchen werden auf der Bildungsmesse mit mehreren Ständen vertreten sein. Unter dem Motto "Kirche auf der Bildungsmesse" (Stand E 58 / F 59) haben die (Erz-)Bistümer Köln, Münster, Aachen, Paderborn und Essen sowie verschiedene evangelische Landeskirchen die gemeinsame Sonderschau "Religion bildet – Kompetenzen entwickeln, Dialog fördern, Glauben entdecken" organisiert. Dort werden täglich mehrere Vorträge zur Fachdidaktik und Unterrichtsmethoden angeboten, außerdem werden neue Unterrichtsmaterialien und Medien für den Religionsunterricht präsentiert.

Rudolf Hengesbach, Vertreter des Bundesverbands der katholischen Religionslehrer und -lehrerinnen an Gymnasien, erhofft sich auf der Messe mit den Vertretern der katholischen Bildungsträger ins Gespräch zu kommen: "Ich finde es sehr wichtig und sehr gut, dass es dort so eine ökumenische Aktion gibt, weil Ansprechpartner zur Verfügung stehen, die sich mit Fragen über Religion in der Ethik- und Werte-Diskussion beschäftigen. Präsens ist wichtig, aber es sollte auch einen Dialog geben."

Weltreligionen im Fokus

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<p>Mit einem gemeinsamen Stand „Religion. Werte. Bildung -- Leben menschlich gestalten" präsentieren sich die katholische und evangelische Kirche auf Europas größter Bildungsmesse in Hannover. Auf dem Messegelände informieren sich vom 14. bis 18. Februar mehr als 10.000 Besucher über die neuesten Trends in Sachen Erziehung, Schule sowie Aus-und Weiterbildung.</p>

Zudem erwartet er von der "Didacta", dass die Schulbuchverlage auf die neuen Inhalte in seinem Fach reagiert haben. Denn der Religionspädagoge aus dem Erzbistum Paderborn hat festgestellt, dass sich der Unterricht seit der Reform des Kernlehrplanes in Nordrhein-Westfalen stark verändert hat. Es heute weniger um die Vermittlung von Wissen als darum, Probleme kreativ lösen zu können: "Nach wie vor geht es noch um die Frage nach Gott, nach der Bibel nach Jesus Christus und das Verhältnis zu den Weltreligionen", sagt Hengesbach. Man geht aber heute eher von alltagsrelevanten Problemen aus, fügt er hinzu und weiter: "Ein Beispiel: Schüler bekommen mit, dass einige Mitschülerinnen Kopftuch tragen. Dann geht es darum, herauszufinden, wie wir der Frage nachgehen können, warum dem so ist."

Dies beinhalte auch, dass die anderen Religionen, insbesondere der Islam , stärker in den Fokus rücken. Wissen, dass nicht nur in der Schule erworben wird: "Mir ist ganz wichtig, dass Lehrer mit ihren Schülern Synagogen oder eine Moschee besuchen, dort Fragen stellen, um die anderen Religionen mehr oder weniger authentisch kennenzulernen."

Neuer Lehrplan kommt gut an

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Zudem stellt Hengesbach fest, dass seine Schüler die neuen Inhalte honorieren. Fragen nach Gerechtigkeit und der Verteilung stünden bei den Jugendlichen hoch im Kurs: "Vor einige Zeit habe ich das Thema Konsum und Kaufentscheidungen in den Unterricht eingebracht, als es in Bangladesch in einer Textilfabrik gebrannt hat. Das Schüler-Interesse an dem Thema war sofort da." Er ist von den Vorteilen des neuen Lehrplans überzeugt: "Ich glaube schon, dass der Unterricht dadurch gewinnt. Das hatte man auch früher auf der Tagesordnung, aber durch den neuen Ansatz rückt das noch stärker in den Mittelpunkt."

Auch Ursula Neises, Redakteurin beim religionspädagogischen Portal rpp-katholisch.de ist überzeugt, dass aktuelle Themen im Unterricht immer wichtiger werden: "Gerade in Bezug auf neue Medien ist es wichtig, dass die Schüler lernen, sich kritisch damit auseinanderzusetzen – Stichwort Medienethik. Oder die Bankenkrise – auch da hat die katholische Soziallehre Spannendes zu sagen."

Großartige Impulse erwartet sich Neises von der "Didacta" allerdings nicht. Ihrer Meinung nach gehe es eher darum, das Material für die neuen Lehrpläne aufzubereiten: "In einigen Bereichen sind wir schon ganz gut aufgestellt – beim Thema Tod oder Gewalt etwa", sagt Neises. "Seit dem Amoklauf von Erfurt haben wir in diesem Bereich enorm viel Material. Aber zum Thema Neue Medien haben wir noch viel Bedarf."

Von Michael Richmann

Die Didacta

Termin __amp__ Öffnungszeiten Die didacta findet vom 19. - 23. Februar 2013 im Messezentrum Köln statt. Öffnungszeiten Für Besucher täglich von 09:00 Uhr bis 18:00 Uhr Eintrittspreise Tageskarte: 15,- € (14,- € im Vorverkauf) Halb-Tageskarte: 9,- € (gültig ab 13 Uhr) Dauerkarte: 33,- € (30,- € im Vorverkauf) Tageskarte für Schüler, Studenten, Rentner etc.: 8,- € (7,- € im Vorverkauf) Familien-Tageskarte: 18,- € (17,- € im Vorverkauf)