Abtpräses Jeremias Schröder berichtet aus der Synodenaula
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Abtpräses Jeremias Schröder berichtet von der Familiensynode

Tag 17: Geredet ist genug

Am Dienstag haben die Sprachgruppen bei der Synode ihre letzten Zwischenberichte verabschiedet. Besondere Aufmerksamkeit bekam dabei einmal mehr die deutsche Gruppe. Und am Nachmittag gab es dann noch einen peinlichen Gast zu überstehen...

Von Jeremias Schröder OSB |  Vatikanstadt - 21.10.2015

Am Nachmittag ist wieder Plenum. Bevor es an die Arbeit geht, spricht der zu diesem Zweck angereiste Erzbischof Hilarion, der Außenminister der russisch-orthodoxen Kirche. Sein Grußwort ist relativ zuvorkommend gegenüber der katholischen Kirche - das war ja auch schon anders - beschimpft aber einige protestantische "kirchliche Gemeinschaften", denen er wegen ihres Umgangs mit Homosexuellen bestreitet, überhaupt noch christlich zu sein.

Der Vertreter des Ökumenischen Weltkirchenrates pocht ungeduldig auf seine Armlehne, und die Präsidiumsriege zeigt eine eiserne Miene: was ist peinlicher als ein Gast, der andere Gäste beleidigt? Vielleicht hätte er doch an den Sitzungen und Kleingruppen teilnehmen sollen. Das enge Miteinander hat auf die anderen Synodalen doch sehr zivilisierend gewirkt.

Ein zuverlässiger Blick auf die Gesamtwetterlage der Synode

Dann werden die Berichte der 13 Sprachgruppen vorgestellt: die erste Möglichkeit um einen zuverlässigen Blick auf die Gesamtwetterlage in der Synode zu bekommen. Das Panorama, das sich entfaltet, ist sehr uneinheitlich. Wenngleich immer wieder gesagt wird, dass die Zulassung geschiedener Wiederheirateter zur Eucharistie nicht das einzige oder wichtigste Thema der Synode ist, kann man doch erkennen, dass hier am meisten gerungen wurde.

Ganz grob gesagt ist bei den italienischen und spanischen Gruppen eine Öffnung in diese Richtung erkennbar, häufig verbunden mit der Bitte an den Papst, sich dieses Themas weiteranzunehmen um es entweder zu vertiefen oder um Umsetzungsmöglichkeiten zu prüfen. Bei den anderen Sprachgruppen, die eher die ganze Vielfalt der Weltkirche repräsentieren, sind eindeutige Positionen oft nicht mehrheitsfähig. Zwei englische Gruppen bekräftigen den jetzigen Stand. Eine weitere wünscht sich, dass eine päpstliche Kommission im Blick auf das Jahr der Barmherzigkeit andere Möglichkeiten prüft, und eine vierte glaubt, dass nur ein Konzil solch weitreichende Änderungen verfügen könne. Bei den drei französischen Gruppen gibt es keine Einigung; eine will den Sachverhalt allerdings dem Papst anheimstellen.

Der Synodenblog

Abtpräses Jeremias Schröder OSB von St. Ottilien nimmt an der Familiensynode im Vatikan teil. Für katholisch.de berichtet er regelmäßig direkt aus der Synodenaula.

Und die Deutschen? Sie überraschen noch einmal mit einem fertig ausgearbeiteten und sehr klar gehaltenen Bericht, der alle wichtigen theologischen Dimensionen der Frage anreißt und mit Verweis auf die genauen Umstände des Einzelfalls am Schluss das "forum internum" ins Spiel bringt. Damit wird eine Entscheidungsebene beschrieben, die auch die persönlichen und gegebenenfalls auch in der Beichte zur Sprache kommenden Gegebenheiten einer Situation berücksichtigt, die aber nicht veröffentlicht oder bewiesen werden können. Tatsächlich ist dies in manchen Ländern auch bisher schon in seltenen Einzelfällen so gehandhabt worden, wie Synodale aus verschiedenen Kontinenten berichtet haben.

Die Deutschsprachigen verwirren allerdings auch etwas, weil die Gruppe sich zu Anfang ihres Berichts über persönliche Herabwürdigungen durch andere Synodenväter und inakzeptable Vergleiche beschwert. Obwohl ich relativ aufmerksam das Geschehen rings um die Synode verfolge, habe ich keine Ahnung, worum es geht. Auf dem Weg über den Petersplatz frage ich einen Kardinal und einen Bischof, aber beide sind ebenso unwissend wie ich. Bei der Pressekonferenz am heutigen Mittwoch erklärt KardinalMarx, dass sie Anstoss an einer Äußerung Kardinal Pells genommen haben, der im französischen "Figaro" vom Endkampf zwischen den Kasperianern und den Ratzingerianern gesprochen haben soll.

Kurz vor dem letzten Schritt des synodalen Weges...

Die deutsche Gruppe liefert auch eine kritische Behandlung der Gender-Theorie. Wenn von diesem klugen Text etwas ins Schlussdokument kommen sollte, können wir die manchmal etwas platten Verurteilungen vermeiden, die in einigen Wortbeiträgen zu hören waren.
Für den Fortgang der Synode wichtiger als diese Berichte sind die sogenannten "Modi", Änderungsvorschläge zum vorliegenden Text. Zum dritten Teil haben die Sprachgruppen über 500 Modi produziert, die nun der Zehnerkommission übergeben werden und bis Donnerstagnachmittag in das Dokument eingearbeitet werden müssen - mit Sicherheit keine leichte Arbeit.

Weil diese Arbeit gehörig Zeit braucht, wurde auch der Zeitplan leicht geändert. Mittwoch und Donnerstagvormittag tagen wir nicht, damit die Redaktionsgruppe das Dokument fertigstellen kann, über das wir am Donnerstagnachmittag und Freitagvormittag beraten werden. Dann werden die letzten Veränderungen vorgenommen, und am Samstag geht es in die letzte Lesung und Abstimmung über den Text. Dieses Schlussdokument ist für den Papst bestimmt, der am Sonntag den Abschlussgottesdienst halten wird. Und dann beginnt der letzte Schritt des synodalen Wegs: der Bischof von Rom wird mit dem weiterarbeiten, was die Hirten zusammengetragen haben.

Hinweis: Nächster Blog-Beitrag am Freitag

Da die Synode am Mittwoch (21.10.) nicht tagte, erscheint der nächste Blog-Beitrag von Abtpräses Jeremias Schröder am Freitag (23.10).

Von Jeremias Schröder OSB