Palmsonntag in Jerusalem
Ein großes Polizeiaufgebot säumte den Prozessionsweg

Tausende feiern Palmsonntag in Jerusalem

Mit der Palmprozession zu den heiligen Stätten hat auch in Jerusalem die Heilige Woche begonnen. Pilgermassen aus dem gesamten Heiligen Land strömten betend und singend durch die Gassen. Nur Christen aus Gaza wurde die Teilnahme offenbahr verwehrt.

Jerusalem - 14.04.2019

Mit den Palmsonntagsfeiern hat in Jerusalem die Heilige Woche der Christen begonnen. Zur traditionellen Palmsonntagsprozession zogen am Sonntagnachmittag einheimische und ausländische Pilger über den Ölberg zur Anna-Kirche in der Altstadt. Zahlreiche Polizisten sicherten den Weg ab. Bei starkem Wind und unter den spürbaren Folgen eines Sandsturms zogen die Pilger singend und betend mit Palmzweigen und Fahnen über den Ölberg, darunter viele einheimische Christen aus verschiedenen Pfarreien.

Die Polizei erwartete 30.000 Teilnehmer. Vorerst keine Angaben machte die israelische Koordinationsstelle für Regierungsaktivitäten in den besetzten Gebieten (COGAT) zur Zahl der Reisegenehmigungen für Christen aus dem Gazastreifen und den palästinensischen Gebieten zu Ostern. Gegenwärtig seien noch keine Genehmigungen für Gaza-Christen ausgestellt worden, sagte der katholische Pfarrer von Gaza, Mario Da Silva, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Die Palmprozession, die an den Einzug Jesu nach Jerusalem vor seiner Kreuzigung erinnert, ist für Pilger einer der Höhepunkte der Karwoche in Jerusalem. Am Startpunkt, der Kirche von Betfage, wird gemäß der Tradition der Stein verehrt, von dem aus Jesus bei seinem Einzug in die Stadt auf den Esel gestiegen sein soll.

Beginn der Heiligen Woche

Am Gründonnerstag folgen die Liturgie der Fußwaschung, eine Prozession zum Abendmahlssaal auf dem Berg Zion und eine nächtliche Gebetswache beim Garten Getsemani. Am Karfreitag ziehen Christen mit großen Holzkreuzen im Gedenken an den Leidensweg Jesu über die Via Dolorosa. Die Ostervigil der Katholiken findet am frühen Karsamstagmorgen statt.

Wegen unterschiedlicher Kalenderberechnungen begehen die Kirchen der Orthodoxie Ostern in diesem Jahr eine Woche später als die Westkirchen. Der zweite Höhepunkt der Jerusalemer Osterfeierlichkeiten, die mehr als 1.200 Jahre alte Liturgie des Heiligen Feuers am orthodoxen Karsamstag, fällt damit auf den 27. April. Das jüdische Pessachfest, das an die Befreiung des Volkes Israel aus Ägypten erinnert, beginnt in diesem Jahr mit Sonnenuntergang des 19. April und endet am 26. April mit Anbruch der Dunkelheit.

Normalerweise wird Ostern immer am ersten Sonntag nach dem ersten Frühjahrsvollmond gefeiert. Weil die antiken Verfahren zur Berechnung des Ostertermins aber sehr kompliziert waren, entwickelte der deutsche Mathematiker Carl Friedrich Gauß im Jahr 1800 eine Formel, die noch heute verwendet wird. Darin wird der Frühlingsanfang - unabhängig von den astronomischen Werten - einfach prinzipiell auf den 21. März festgelegt, auch die Mondphasen werden nach einer einfachen Formel berechnet. Das Modell ist eindeutig - führt aber gelegentlich dazu, dass das kalendarische Ostern von den astronomischen Vorgaben abweicht.

So wie in diesem Jahr: Weil der Vollmond am Morgen des 21. März noch als Wintervollmond gewertet wird, erscheint der erste Frühlings-Vollmond erst im April - und so wird Ostern am 21. April gefeiert. Dieses "Oster-Paradoxon" tritt höchst selten auf, das nächste Mal erst 2038. (cst/KNA)