Theologen: Abgasversuche ethisch bedenklich
Moraltheologen zu Tests an Affen und Menschen

Theologen: Abgasversuche ethisch bedenklich

Abgastests an Affen und Menschen? Für die Moralthologen Andreas Lob-Hüdepohl und Franz-Josef Bormann ist das ethisch nicht vertretbar. Eine Gleichsetzung mit Arzneimitteltests weisen sie zurück.

Bonn - 30.01.2018

Theologen bewerten die Abgastests an Menschen und Affen als ethisch bedenklich. Zwischen Tierversuchen und Experimenten am Menschen gebe es zwar einen qualitativen Unterschied, sagte der katholische Moraltheologe Andreas Lob-Hüdepohl am Montag in Berlin der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Aber auch Tiere sind Lebewesen", betonte Lob-Hüdepohl, der Mitglied des Deutschen Ethikrates ist.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass die Autoindustrie Wissenschaftler eingespannt hat, um mit der von BMW, Daimler und VW betriebenen Europäischen Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT) Gesundheitsgefahren von Dieselabgasen zu verharmlosen.

Lob-Hüdepohl betonte, dass beispielsweise Tierversuche für Arzneimittel erst dann erfolgen dürften, wenn die Medikamente entsprechend ausgereift seien. Experimente am Menschen seien in der Regel verboten, da es der Menschenwürde widerspreche, den Menschen zu instrumentalisieren. Wenn doch Versuche durchgeführt würden, müssten die Probanden genau darüber informiert sein und zustimmen, weil sie sich selbst einen Nutzen erhofften oder sich in den Dienst der zu testenden Sache stellen wollten.

Bormann weist Vergleiche mit Arzneimitteltests zurück

Versuche könnten dann erlaubt sein, wenn sie der Förderung oder Wiederherstellung von Gesundheit dienten, so der Theologe. "Dass sie in diesem Fall gerechtfertigt waren, ist stark zu bezweifeln." Zum Ausstoß schädlicher Abgase gebe es im Gegensatz zu medizinischen Notwendigkeiten eine Alternative, "nämlich das Unterlassen". Offen bleibe bislang die Frage, ob die Versuche durch die zuständige Ethikkommission des Aachener Universitätsklinikums befürwortet worden seien. Dort waren laut Medienberichten 25 Menschen untersucht wurden, nachdem sie jeweils über mehrere Stunden das Reizgas Stickstoffdioxid in unterschiedlichen Konzentrationen eingeatmet hatten.

Vergleiche mit Arzneimitteltests an Mensch und Tier wies der Tübinger Moraltheologe Franz-Josef Bormann zurück. Die Zielrichtung sei eine andere, erklärte er im domradio. "Medikamente werden entwickelt, damit Leiden gelindert oder sogar Krankheiten geheilt werden. Bei den Abgastests geht es um die Frage einer gesundheitlichen Beeinträchtigung in Folge des Ausstoßes von Stickoxiden, die die Umwelt belasten." (bod/KNA)