Heinrich Timmerevers ist Bischof von Dresden-Meißen.
Kirche müsse "Berührungsflächen" schaffen

Timmerevers: Im Osten viele durchs soziale Netz gefallen

Viele Ostdeutsche sind Verlierer der Wende, sagt der Dresdner Bischof Heinrich Timmerevers. Das habe Folgen, die sich auch in den Ausschreitungen in Chemnitz zeigten.

Dresden - 08.09.2018

Angesichts der anhaltenden Proteste in Chemnitz hat der Dresdner Bischof Heinrich Timmerevers die West- und Ostdeutschen zu mehr Dialog aufgerufen. Die Demonstrationen seien auch Ausdruck des Gefühls, "abgehängt zu sein", sagte Timmerevers am Samstag in Dresden. Den Westdeutschen sei zu wenig bewusst, wie viele Verlierer der Wende es in den östlichen Bundesländern gebe, etwa durch den Verlust ihres Arbeitsplatzes. "Viele sind durch das soziale Netz der Bundesrepublik gefallen", betonte der Bischof.

Timmerevers sprach bei einer Tagung zum 70-jährigen Bestehen der katholischen Wochenzeitschrift "Christ in der Gegenwart". Das Treffen stand unter dem Motto "Mut zur Religion in der modernen Gesellschaft". Der Bischof warnte die Christen davor, angesichts eines rückläufigen Einflusses in der Gesellschaft auf "Rückzug und Eigensicherung" zu setzen. Die Kirche müsse vielmehr verstärkt "Berührungsflächen" schaffen, wo Menschen mit dem Glauben in Kontakt kommen könnten. Dazu zählten beispielsweise kirchliche Schulen und Sozialeinrichtungen. (KNA)