Trotz Khashoggi-Tod: Kopten-Papst lobt saudischen Kronprinzen
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Mehr Rechte für Kopten in Saudi-Arabien

Trotz Khashoggi-Tod: Kopten-Papst lobt saudischen Kronprinzen

Seit dem Mord am Journalisten Jamal Khashoggi ist der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman ins Visier der Weltöffentlichkeit geraten. Kopten-Papst Tawadros II. hält ihn jedoch für eine "aufgeschlossene Person" mit "modernen Visionen".

Riad/Kairo - 06.12.2018

Das Oberhaupt der koptisch-orthodoxen Kirche, Papst Tawadros II., hat sich lobend über den saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman geäußert. Dieser sei "eine aufgeschlossene Person, die eine moderne Vision bezüglich des Lebens hat", sagte Tawadros der englischsprachigen saudi-arabischen Tageszeitung "Arab News" (Mittwoch).

"Ich persönlich verfolge alle positiven Entwicklungen, die unter König Salman, seinem Kronprinzen und allen saudischen Regierungsbeamten stattfanden", so der Kopten-Papst weiter. Saudi-Arabien sei sowohl in der arabischen Welt als auch auf internationaler Ebene ein "Hauptpfeiler". Die Treffen, die Bin Salman "auf allen Ebenen" durchführe, seien "für die Nation und das Königreich von großem Nutzen" und trügen "zur humanen Entwicklung" bei. Diese Bemühungen bedeuteten "für unsere Brüder in Saudi-Arabien viel Hoffnung". Gleichzeitig kündigte Tawadros an, dass er Bin Salmans Einladung zu einem Besuch in Saudi-Arabien annehmen werde. Das Oberhaupt der Kopten hatte den saudi-arabischen Kronprinzen vergangenen März in Kairo getroffen.

In Saudi-Arabien gibt es eine kleine koptische Minderheit, die überwiegend aus ägyptischen Einwanderern besteht. Die öffentliche Ausübung des Christentums ist in dem islamischen Königreich offiziell verboten. Vor einem Monat wurde jedoch erstmals ein koptischer Gottesdienst mit Zustimmung der Behörden gefeiert. Die liturgische Feier fand in einem Privathaus statt.

Zaghafte Reformen und der Fall Khashoggi

Prinz Mohammed bin Salman wurde im Juni 2017 von seinem Vater, König Salman, zum Thronfolger ernannt und ist sowohl Verteidigungsminister als auch stellvertretender Premierminister Saudi-Arabiens. Innenpolitisch leitete er eine vorsichtige Liberalisierung der Gesellschaft ein, deren Ernsthaftigkeit umstritten ist. So ist es saudi-arabischen Frauen seit Juni diesen Jahres erlaubt, Auto zu fahren. Wenige Wochen zuvor hatte Bin Salman die bekanntesten Aktivisten für Frauenrechte verhaften lassen. Der Kronprinz wird auch mit dem Verschwinden des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi in Verbindung gebracht, der am 2. Oktober 2018 im saudischen Konsulat in Istanbul getötet wurde. (mal)