Papst Franziskus während seiner ersten Generalaudienz.
Auf dem Rückflug aus Südkorea plaudert Franzsikus aus dem Nähkästchen

Über das Innenleben eines Papstes

Auf dem Rückflug aus Seoul hat Papst Franziskus erneut eine "Fliegende Pressekonferenz" abgehalten – und mit einigen Überaschungen aufgewartet.

Von Gabriele Höfling |  Bonn - 19.08.2014

Irak

Im Irak hält Franziskus ein militärisches Eingreifen unter bestimmten Umständen für gerechtfertigt. Einen "ungerechten Aggressor" aufzuhalten, sei "legitim", sagte er während des Flugs, betonte jedoch: "Ich benutze bewusst das Wort stoppen, ich spreche nicht von Bombardieren oder Kriegführen".

Die Mittel müssten abgewogen werden. In der Vergangenheit hätten sich Staaten unter dem Vorwand, einem Angreifer Einhalt zu gebieten, in die Angelegenheiten anderer Länder eingemischt und selbst einen Eroberungskrieg geführt. Franziskus forderte daher ein international abgestimmtes Vorgehen. Ein einzelner Staat könne eine solche Entscheidung nicht treffen.

Auch der Papst selbst könnte als Vermittler agieren. Auf die Frage, ob er in den Irak reisen würde, sagte er: "Ja, ich bin bereit." Im Irak gehe es jedoch nicht nur um bedrängte Christen . "Es ist wahr, sie leiden", sagte der Papst. "Aber hier geht es um Männer und Frauen, um religiöse Minderheiten. Nicht alle sind Christen. Aber alle sind gleich vor Gott."

Ankunft des emeritierten Papstes Benedikt XVI. am 2. Mai 2013 im Vatikan. Papst Franziskus (r.) begüßt Benedikt XVI.
Bild: © KNA

Ankunft des emeritierten Papstes Benedikt XVI. am 2. Mai 2013 im Vatikan. Papst Franziskus (r.) begüßt Benedikt XVI.

Papst-Rücktritt

So deutlich wie noch nie zuvor hat sich Franziskus über ein mögliches Szenario zum Ende seiner Amtszeit geäußert. Wie sein Vorgänger will der Argentinier das Amt nicht bis zu seinem Tod ausführen. Benedikt XVI. habe mit seinem Dasein als emeritierter Papst eine Tür aufgemacht, die institutionell sei und nicht eine Ausnahme. Wenn er eines Tages spüre, "dass es nicht mehr weiter geht", dann werde er "dasselbe machen" und zurücktreten, erklärte Franziskus. Das Verhältnis zu seinem Vorgänger bezeichnete er als "brüderlich". Benedikt XVI. sei ein Mann "von großer Weisheit". Es tue gut, ihm zuzuhören.

Umwelt-Enzyklika

Auch Kirchenoberen fällt es schwer, sich schriftlich kurz zu fassen: Zu seiner geplanten Umwelt-Enzyklika erklärte Franziskus, ein erster Entwurf liege nun vor. Dieser müsse allerdings noch deutlich gekürzt und gründlich überarbeitet werden. Das Dokument, das der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, Kurienkardinal Peter Turkson, zusammengestellt hat, ist um ein Drittel länger als das erste Lehrschreiben des Papstes, " Evangelii gaudium ". Auch das Thema selbst bereitet Franziskus Kopfzerbrechen: Über die Ökologie geben es mehr wissenschaftliche Hypothesen als gesicherte Fakten, so der Papst. Bei einem Schreiben mit lehramtlichen Charakter müssten jedoch die belastbaren Thesen herausgefiltert werden.

Der Papst im Papamobil in einer Menschenmenge
Bild: © KNA

Gläubige begrüßen Papst Franziskus, während er im Papamobil zur Messe auf dem Gwanghwamun Platz fährt.

Reisepläne

Der Pontifex sprach im Flugzeug auch über Ideen für weitere Auslandreisen: China und die USA könnten möglicherweise auf der Agenda stehen. "Ob ich nach China gehen möchte? Aber klar, morgen!", sagte er zu den mitreisenden Journalisten. Die Kirche respektiere das chinesische Volk. Sie erbitte nur "Freiheit für ihre Aufgaben und ihren Zuständigkeitsbereich". Daneben gebe es "keine anderen Bedingungen".

Am Sonntag hatte Franziskus vor den Bischöfen der Föderation Asiatischer Bischofskonferenzen gesagt, er hoffe, dass jene Länder Asiens, die noch keine Beziehungen zum Heiligen Stuhl unterhielten, "nicht zögern, einen Dialog zum Wohl aller voranzutreiben". Dies war auch als Botschaft an den chinesischen Staat gedeutet worden.

Konkreter sind die Pläne für einen Besuch der Vereinten Nationen in New York und des US-Parlaments in Washington. Vielleicht lasse sich beides mit einem Besuch des katholischen Weltfamilientags in Philadelphia im September 2015 verbinden, mutmaßte Franziskus. Einladungen liegen jedenfalls sowohl von der UNO als auch von US-Präsident Barack Obama vor. Vom Vatikan bestätigt ist für 2015 bislang nur eine Reise nach Sri Lanka und auf die Philippinen im Januar.

Persönliches

An den Rummel um seine Person hat sich Franziskus rund eineinhalb Jahre nach seinem Amtsantritt gewöhnt. "Am Anfang hat mich das ein wenig erschreckt, aber jetzt ist es okay", so der Pontifex wörtlich. Er sehe den Zuspruch der Menschen zu seiner Person als ein "Wirken Gottes in seinem Volk", der seinen Hirten nutze. Zudem scheint er seine eigene Persönlichkeit mit einer Portion Distanz und Humor zu sehen: "Ich habe einige Neurosen, zum Beispiel den Mate zu trinken jeden Tag", erklärte er den überraschten Journalisten. Er habe einmal ein "sehr interessantes" Buch mit dem Titel gelesen "Freu dich, neurotisch zu sein". Als solche Neurose bezeichnete es Franziskus auch, dass er 1975 letztmals für seinen Urlaub verreist sei. Seitdem verzichte er zwar nicht auf freie Tage, aber er erhole sich lieber zu Hause: "Ich verändere den Tagesrhythmus. Ich schlafe mehr, lese die Sachen, die mir gefallen, höre Musik, bete mehr. Das ist Erholung." So habe er es auch in diesem Juli gehalten. (mit Material von KNA)

Ich habe einige Neurosen, zum Beispiel den Mate zu trinken jeden Tag.

Zitat: Papst Franziskus

Von Gabriele Höfling