Darstellung des letzten Abendmahls.
Katholisch.de stellt wichtige Figuren aus der Ostergeschichte vor

Und wer bist du?

Papst Franziskus hat die Gläubigen in seiner Predigt zum Palmsonntag gemahnt, ihre eigene Haltung kritisch zu überprüfen. Welche Rolle würde jeder Einzelne in der Passionsgeschichte übernehmen? Auch Heinz Josef Algermissen, Bischof von Fulda, hat in seinem Gastbeitrag für katholisch.de Christen dazu aufgerufen, sich in die Rollen der Ostergeschichte hineinzuversetzen. Doch was genau macht diese Personen aus? Katholisch.de stellt die wichtigsten vor.

Bonn - 15.04.2014

Judas – der Verräter

Wohl kein anderer Name ist so mit dem Wort "Verrat" verknüpft. Es war der Jünger Judas Iskariot, der Jesus für 30 Silberstücke an die Hohepriester verriet. Jesus wusste vom Verrat und gab sich seinem Schicksal dennoch hin. Laut dem Matthäus-Evangelium bereute Judas seine Tat jedoch, nachdem Jesus offiziell zum Tod verurteilt wurde, und brachte das Geld zurück. Die Hohepriester interessierten sich jedoch nicht dafür; sie kauften von dem Geld einen Begräbnisplatz für Fremde. Judas selbst erhängte sich. Der Name "Judas" ist in Deutschland übrigens als Vorname verboten.

Maria von Magdala – die Treue

Maria von Magdala war eine Jüngerin. Sie unterstütze Jesus mit ihrem Vermögen, nachdem er sieben Dämonen aus ihr ausgetrieben hatte. Sie war sowohl bei der Kreuzigung als auch bei der Grablegung Jesu anwesend. Zudem gehört sie zu den zentralen Figuren rund um die Auferstehung. Maria von Magdala war es, die das leere Grab entdeckte und der der auferstandene Jesus zuerst erschien.

Petrus – der Unentschlossene

Petrus war ebenfalls ein Jünger Jesu. Seine Rolle scheint ambivalent: So war er sowohl der Jünger, den Jesus als den Felsen bezeichnete, auf den er seine Kirche bauen wolle. Andererseits war es auch Petrus, der Jesus nach seiner Verhaftung dreimal verleugnete – wie Jesus es ihm vorausgesagt hatte. Bis auf Johannes berichten alle Evangelisten, dass Petrus anschließend weinte, nachdem er merkte, was er getan hatte. Vom Heiligen Petrus, der ebenfalls gekreuzigt wurde, leitet sich das Papstamt ab: Bis heute gilt er als Gründer und Haupt der Kirche von Rom.

Palmsonntagsprozession mit Papst Franziskus.
Bild: © KNA

Palmsonntagsprozession mit Papst Franziskus.

Pilatus – der Beamte

Seine Aussagen werden bis heute zitiert: "Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben" oder die Redewendung, seine Hände in Unschuld zu waschen, ziehen sich durch die Geschichte. Der Statthalter setzte laut außerbiblischen Berichten römische Interessen rücksichtslos durch. Seine harte Haltung wird in den Evangelien jedoch dadurch gemildert, dass er offensichtlich von der Unschuld Jesu wusste. Zudem stand er wohl unter Druck: Als Statthalter war er allein dem römischen Kaiser verpflichtet und geriet in Bedrängnis, da Jesus sich als König bezeichnete – dieser Titel stand aber allein dem Kaiser zu.

Simon von Zyrene und Veronika – die Helfer

Das Wissen über den Mann, der Jesus half, sein Kreuz zu tragen, ist sehr begrenzt. Nichtsdestotrotz ist Simon von Zyrene die fünfte Kreuzwegstation gewidmet. Seine Söhne hießen Alexander und Rufus, eventuell ein Hinweis darauf, dass er mit einer Römerin verheiratet gewesen sein könnte.

Veronika kommt in der biblischen Überlieferung nicht vor; dennoch ist sie zentraler Inhalt der sechsten Kreuzwegstation. Sie hat Jesus angeblich ein Tuch gereicht, damit er sich Schweiß und Blut vom Gesicht wischen konnte. In diesem Tuch soll anschließend ein Abbil d von Jesu Gesicht zu erkennen gewesen sein. Das "Schweißtuch der Veronika" war eine der am meisten verehrten Reliquie der Christenheit und befindet sich heute im Petersdom. Der Name Veronika bedeutet eigentlich Siegbringerin, allerdings wird der Name auch mit dem Begriff "wahres Bild" in Verbindung gebracht – aus dem lateinischen vera ("wahr") und dem altgriechischen eikon ("Bild", "Zeichen").

Von Sophia Michalzik

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