Vatikan zensiert Schweizer Schulmagazin
Bild: © katholisch.de
Lehrer besuchten während der Unterrichtszeit den Vatikan

Vatikan zensiert Schweizer Schulmagazin

Kuriose Geschichte aus der Schweiz: Mehrere Lehrer besuchten den Vatikan, um im schuleigenen Magazin darüber zu berichten. Doch da hatten sie die Rechnung wohl ohne die vatikanische Pressestelle gemacht.

Bonn - 17.05.2018

Verwunderung im Schweizer Kanton Aargau: Die Pressestelle des Vatikans hat einen geplanten Artikel im Magazin der Kreisschule Regio Laufenburg zensiert. "Wir durften nicht alles so schreiben, wie wir wollten; durch die Zensur konnten wir nicht das hinüberbringen, was wir ursprünglich wollten", erklärte Schulleiter Siegbert Jäckle am Mittwoch dem SRF. Die vatikanische Medienstelle habe gefordert, den Artikel über einen Besuch im Kirchenstaat vor der Veröffentlichung gegenlesen zu können. Danach sei aber vom ursprünglichen Text nur noch wenig übrig geblieben. Was genau zensiert wurde, verrät Jäckle er nicht.

Für die jüngste Ausgabe des Magazins mit dem Schwerpunkt "Dein Gott – kein Gott – mein Gott!" hätte das aus Lehrern bestehende Redaktionsteam großen Aufwand betrieben. Im Januar besuchten dazu sechs Lehrpersonen der Kreisschule sechs Tage lang den Vatikan. Dort hätten sie als Gäste der Schweizergarde mit Gardisten gesprochen und den Papst in Audienz getroffen. Im Schulmagazin finden sich nun auf zwei Seiten zwar mehrere großformatige Fotos, aber nur ein sechs Sätze langer Bericht. Die Pressestelle habe alle Texte mehrere Male Korrekturlesen wollen und vieles verändert, sodass oft nur noch ein oberflächlicher Text dabei herausgekommen wäre. Deshalb sei der Text so kurz geworden; man wollte stattdessen die Bilder für sich sprechen lassen, sagt Jäckle.

Jetzt droht weiterer Ärger

Der Fall könnte auch noch weitere Konsequenzen haben und zu einer Untersuchung durch das kantonale Bildungsdepartement führen – jedoch aus einem anderen Grund: Ein Vater beschwerte sich anonym bei einer Zeitung, da drei der sechs Tage des Vatikanbesuchs Unterrichtstage gewesen seien. Seine Tochter sei an diesen Tagen von Vertretungslehrern unterrichtet worden. Jäckle verteidigt das Vorgehen: "Wir wollten die Reise eigentlich in den Ferien durchführen, aber wegen der Papstaudienz ging es nicht anders." Es sei nicht die Idee gewesen, dass die Reise so hohe Wellen werfe, so der Schulleiter. "Wir würden es sicher nicht mehr so machen."

Die Lehrer hätten ihre Reisekosten selbst übernommen, erklärte Jäckle gegenüber der "Aargauer Zeitung". Sie hätten lediglich eine Spesenpauschale von 200 Franken (rund 170 Euro) bekommen, "weil sie die Arbeit für das Schulmagazin freiwillig und in ihrer Freizeit machen". Zudem würden manche Lehrer nun ihre Erfahrungen in das Fach "Ethik und Religionen" einbringen. (luk)