Der Felsendom in Jerusalem.
Papstbesuch: Sicherheitsmaßnahmen frustrieren Israels Christen

Vergiftete Atmosphäre

Der Papst wird heute in einer Woche in Jerusalem ankommen. Für die Christen vor Ort eigentlich ein Grund zu Freude. Aber die Euphorie ist gedämpft. Grund sind die Sicherheitsmaßnahmen.

Jerusalem - 18.05.2014

Dem stehen 400 nur Einlasskarten für die Jerusalemer Katholiken für die Papstmesse in Bethlehem gegenüber - dem einzigen öffentlichen Anlass während Franziskus' zweitägigem Aufenthalt in Israel und Palästina. Noch strenger begrenzt ist der Zugang zum ökumenischen Treffen in der Grabeskirche : 15 Repräsentanten der Pfarrei sind eingeladen.

Die Forderung der einheimischen Christen: "Der Papst kommt hierher, um die Christen vor Ort zu treffen. Lasst uns den Papst in den Straßen begrüßen!" Damals, vor 50 Jahren, waren es Menschenmassen, die im Januar 1964 Papst Paul VI. in den Straßen Bethlehems und Jerusalems begrüßten, erinnert sich Frida Nasser.

Diesmal werden die Straßen leer sein, und wir können den Papst nicht begrüßen.

Zitat: Christ aus Jerusalem vor Papstbesuch

Nur mit Mühe sei es den Sicherheitskräften gelungen, die Gläubigen abzuhalten, erinnert sich die in Bethlehem geborene Josephs-Schwester an den historischen Moment. Der bevorstehende erste Heilig-Land-Besuch von Papst Franziskus steht ganz im Zeichen des Zusammentreffens seines Vorvorgängers Paul VI. mit dem Ökumenischen Patriarchen Athanagoras vor 50 Jahren.

Die Stadt wird unter Ausgangssperre stehen

"Diesmal werden die Straßen leer sein, und wir können den Papst nicht begrüßen", beklagt ein Pfarreivertreter mit Blick auf die hohen Sicherheitsmaßnahmen. "Die Stadt wird unter Ausgangssperre stehen." Übergriffe auf Israels Christen mehren sich in den vergangenen Wochen. Und Befürchtungen des israelischen Geheimdienstes, jüdische Extremisten könnten die mediale Bühne des Papstbesuchs für einen größeren Anschlag nutzen, werden für ein weiteres Straffen des ohnehin engen Sicherheitsnetzes sorgen.

Man freue sich sehr über den Besuch des Papstes, daran bestehe kein Zweifel, heißt es in der Pfarrei. Über das "politische Prozedere" ist man freilich nicht glücklich. Israel zwinge Franziskus das Protokoll auf; Besuche bei Staatspräsident Schimon Peres und in Yad Vashem gehen von der ohnehin knapp bemessenen Besuchszeit ab. Drei Tage für drei Länder , sagt auch das örtliche Oberhaupt der Katholiken, Patriarch Fouad Twal, seien einfach zu kurz - und die Sicherheitsmaßnahmen schlicht "eine Überdosis".

Bild: © KNA

Ein Pilger wartet nachts auf Einlass zum Grab in der Jerusalemer Grabeskirche.

Protestzüge zur Grabeskirche angekündigt

Manche Jerusalemer Mitchristen, darunter der griechisch-orthodoxe Erzbischof Attallah Hannah, sind deutlicher in ihrer Wortwahl. Der Papst komme in die besetzte arabische Stadt Jerusalem; israelisches Eingreifen unter dem "fadenscheinigen Vorwand der Sicherheit" sei in Gänze abzulehnen, betonten sie im Anschluss an ein ökumenisches Treffen von Klerikern, Gemeinden und Institutionen. Viele von ihnen wollen sich die Straßen nicht nehmen lassen und kündigten Protestzüge zur Grabeskirche an.

Wie weitreichend die israelischen Sicherheitsbedenken die christliche Vorfreude auf den päpstlichen Besuch dämpfen, zeigt auch ein Zwischenfall aus den vergangenen Tagen: Ein großes Banner mit einem fröhlich grüßenden Papst Franziskus und einem Willkommensgruß in den drei Landessprachen Arabisch, Hebräisch und Englisch soll nach Aufforderung der Polizei entfernt werden. Das Konterfei des Papstes, angebracht am "Christian Information Center" im christlichen Altstadtviertel, könnte Papstgegner aus jüdischen Kreisen auf den Plan rufen, so die Befürchtung der Sicherheitskräfte.

Wir müssen leider draußenbleiben!

Die sich radikalisierende Gewalt gegen Nichtjuden im Allgemeinen und Araber im Besonderen macht die Sicherheitskräfte nervös, und auch die Kirche vor Ort ist beunruhigt angesichts dieser "vergifteten Atmosphäre". Doch statt den erhofften Beistand und Ermutigung von "ihrem" Papst zu erhalten, wird es für die christliche Minderheit anders als bei früheren Papstbesuchen dieses Mal in den meisten Fällen heißen: Wir müssen leider draußenbleiben! Eine Hoffnung haben Jerusalems Christen aber: Papst Franziskus ist bekannt für spontane Änderungen des Protokolls. Vielleicht machen also Israels Sicherheitskräfte die Rechnung ohne ihren Gast.

Von Andrea Krogmann