Zwei verheiratete Diakone werden zu Priestern geweiht
Das gab es im Bistum Augsburg seit 20 Jahren nicht mehr

Verheiratet, Kinder, früher evangelisch – und ab Sonntag Priester

Die sogenannte Dispens vom Zölibat macht es möglich: Am Sonntag werden André Schneider und Andreas Theurer im Bistum Augsburg zu Priestern geweiht – und das, obwohl die ehemaligen evangelischen Pfarrer beide verheiratete Familienväter sind. Sie sagen, warum sie sich zur Konversion entschlossen haben.

Augsburg - 22.10.2018

Zum ersten Mal seit 20 Jahren werden im Bistum Augsburg verheiratete Familienväter zu Priestern geweiht. Bischof Konrad Zdarsa spendet das Sakrament am kommenden Sonntag den beiden Diakonen Andre Schneider (44, Foto links) und Andreas Theurer (51, rechts), wie die Diözese am Montag mitteilte. Die Weihekandidaten waren jahrelang evangelische Pfarrer.

Schneider wirkte in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) in Thüringen, Theurer in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Beide sind verheiratet; Schneider hat vier, Theurer zwei Kinder. Sie erhielten von Papst Franziskus eine sogenannte Dispens vom Zölibat und sollen nach der Priesterweihe in Augsburg als Kapläne in der Pfarrseelsorge eingesetzt werden. Theurer bleibt zudem Referent am Institut für Neuevangelisierung. In der Vergangenheit wurden Konvertiten wie sie vor allem in der Kategorialseelsorge eingesetzt, also etwa in Altenheimen und Krankenhäusern.

Konrad Zdarsa ist Bischof von Augsburg.
Bild: © KNA

Wird Schneider und Theurer weihen: der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa.

Schneider erklärte seine Konversion zum Katholizismus so: "Obwohl getauft und konfirmiert, habe ich erst mit 16 Jahren durch Freunde zu Glaube und Kirche zurückgefunden. Meine geistliche Heimat war seitdem ein - wenn man so will - sehr 'katholisches', liturgisch-sakramentales Luthertum, und mein größter Wunsch wurde sehr schnell, Gott und seiner Kirche am Altar, dem Herzen der Kirche selbst, dienen zu dürfen." Mit der Zeit sei ihm immer klarer geworden, dass man nicht allein für sich und seine Gemeinde katholisch sein könne, sondern dass es dafür die volle, lebendige Gemeinschaft mit der katholischen Kirche und ihrem Oberhaupt brauche.

Theurer ergänzte, als evangelischer Pfarrer sei in ihm die Einsicht gereift, dass zur vollmächtigen Spendung der Sakramente vom biblischen und altkirchlichen Zeugnis her tatsächlich eine Priesterweihe nötig sei. Das sei der wesentliche Grund für seine Konversion im Jahr 2012 gewesen. "Ich wünsche mir, dass der Weg, den ich vor über 30 Jahren in der Württembergischen Landeskirche mit der Vorbereitung auf das geistliche Amt begonnen habe, nun in der sakramentalen Fülle der katholischen Kirche zum Ziel führt", so der Konvertit. (tmg/KNA)