Eine offene Bibel mit zwei Lesebändchen liegt aus.
Pfarrer Christian Olding über das Sonntagsevangelium

Vertrauen ist alles!

Die Zahl seiner Zuhörer und Jünger schrumpft, als Jesus von ihnen eine Entscheidung fordert. Warum es sich lohnt - auch heute noch - auf Jesus zu vertrauen und ihm nachzufolgen, verrät Pfarrer Christian Olding.

Von Christian Olding |  Bonn - 25.08.2018

Impuls von Pfarrer Christian Olding

Jesus der gute Freund, der immer versteht, immer verzeiht, immer zugewandt ist. Als solcher kommt er gut an, unumstritten. Umso irritierter mag manch einer reagieren angesichts Jesu kompromissloser Haltung, die er heute an den Tag legt. Jesus lässt seinen Jüngern die freie Wahl. Sie können sich frei entscheiden. Aber sie müssen sich entscheiden: Wollt ihr gehen oder wollt ihr bei mir bleiben?

Jesu Widersacher stießen sich an seinen Worten, sie müssen sein Fleisch essen und sein Blut trinken und, dass an ihm ohnehin kein Weg vorbeiführt, wenn man bei Gott auskommen will. Und er nimmt nichts davon zurück, schwächt nichts aus pastoralen Gründen ab, lenkt nicht ein. Nein. Er lässt ihnen die Wahl. Es wird niemand ein Vorwurf gemacht. Es täte ihm wirklich leid um jeden einzelnen, der geht. Aber sie werden sich entscheiden müssen. Die Konsequenz:  Die Zahl seiner Zuhörer und Jünger schrumpft.

"Ich glaube Jesus". Mit diesem Satz riskiere ich mich selber. Ich mache mich abhängig von dem, worauf ich vertraue. Ich vertraue ihm mein Leben an, gebe mich in seine Hand und erwarte alles Weitere von ihm. Wer so glaubt, traut Jesus nicht nur etwas zu, sondern alles: Das ganze eigene Leben. Es geht um mehr als eine gedankliche Überzeugung, die mehr oder weniger feste Meinung, dass es Gott gibt. Es geht darum, ihm ganz und gar zu vertrauen: Er hält mich, selbst wenn ich mein Leben nicht mehr festhalten kann. Petrus hat es treffend formuliert: "Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens." Nirgendwo sonst ist solche Hoffnung zu finden, wie Jesus sie anbietet. Kein anderer kann versprechen und halten, was Jesus verspricht: ewiges Leben, das eben nicht geballte Langeweile auf Dauer meint, sondern ein gutes, heiles, ganzes Lebens, in dem alle Bruchstücke zusammengefügt werden.

Es geht auf einmal gar nicht mehr so sehr darum, wie viel man weiß und was man als Christ schon alles im Griff hat, sondern vielmehr darum, dass man einer Person vertraut. Nämlich Gott selbst. Dass man ihm so nahekommt und ihn so lieb gewinnt, dass man ihm so sehr vertraut, dass man ihn im wahrsten Sinne des Wortes "zum Fressen gern hat".

Der Alltag beschert uns am laufenden Band immer wieder Situationen, die unser Vertrauen zu Gott auf die Probe stellen: Jedes Mal, wenn sich Dinge anders entwickeln, als wir es uns vorgestellt haben. Täglich neu muss die Frage beantwortet werden: Vertraue ich Jesus? Ich für meinen Teil kann nur sagen: Tun Sie's. Tun Sie's und Sie werden nicht enttäuscht werden.

Von Christian Olding

Aus dem Evangelium nach Johannes (Joh 6, 60-69)

In jener Zeit sagten viele der Jünger Jesu, die ihm zuhörten: Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören?

Jesus erkannte, dass seine Jünger darüber murrten, und fragte sie: Daran nehmt ihr Anstoß? Was werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn hinaufsteigen seht, dorthin, wo er vorher war? Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben. Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben. Jesus wusste nämlich von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde.

Und er sagte: Deshalb habe ich zu euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist. Daraufhin zogen sich viele Jünger zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher.

Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen? Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.

Der Autor

Christian Olding ist Pfarrer in der Pfarrei St. Maria Magdalena in Geldern.

Ausgelegt!

Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bieten wir jeden Sonntag den jeweiligen Evangelientext und einen kurzen Impuls an. Die Impulse stammen von Ordensleuten und Priestern.