Geschenke unterm Weihnachtsbaum
Was sich Bischöfe wünschen, was sie bekommen und was sie selbst verschenken

Von Büchern bis Zeit

An Weihnachten feiern die Christen weltweit die Geburt Jesu, die Menschwerdung Gottes. Doch Weihnachten – so ist es Brauch – ist auch das Fest der Geschenke. Was aber wünscht sich ein Bischof? Und was verschenkt er? Katholisch.de hat bei einigen Bischöfen nachgefragt – und festgestellt, dass sich die wichtigsten Geschenke mit Geld nicht kaufen lassen.

Bonn - 20.12.2013

"Meine Wünsche sind nicht durch verpackte Geschenke erfüllbar", sagt zum Beispiel Fuldas Bischof Heinz Josef Algermissen. Vielmehr wünsche er sich, dass die Kirche Vertrauen zurückgewinne und man gemeinsam sensibler werde für die, "die im Schatten leben". Für die Alten , die mit ihrer kleinen Rente nicht auskommen, für die Schwerkranken und Sterbenden , die ausgeliefert sind, für die Behinderten , die eigentlich immer zu kurz kommen.

Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode wünscht sich vor allem Frieden – "im Herzen, in Familie und Kirche und auf der ganzen Welt". Doch darüber hinaus dürfen es auch ein paar Kleinigkeiten für den täglichen, aber etwas feineren Gebrauch sein: etwa ein Ledergürtel, ein Uhrenarmband, ein schöner Stift oder ein besonderes Buch. "Und dazu ganz viel Muße und Gemütlichkeit nach den Anstrengungen des Heiligabends und des Ersten Weihnachtstags", gesteht er.

Gebhard Fürst ist seit 2000 Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart.
Bild: © KNA

Gebhard Fürst ist seit 2000 Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

"Dass die Kirche das Evangelium glaubwürdig verkünden und im kommenden Jahr verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen kann", steht bei Gebhard Fürst, Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, auf dem Wunschzettel ganz oben. Ansonsten erbittet er Spenden für soziale Projekte. Heiner Koch, Oberhirte von Dresden-Meißen, hat eigentlich nur einen Wunsch, und der richtet sich an die Gläubigen seines Bistums: "Dass viele der Sachsen, die nicht an Christus glauben, in ihrem Unglauben verunsichert und in ihrem Herzen getroffen werden von der Botschaft Gottes , dem kleinen Kind in der Krippe von Betlehem."

"Zeiten der Gemeinschaft mit meiner Familie, mit Freunden und Menschen, die mir nahe stehen", antwortet Essens Bischof Franz-Josef Overbeck; zugleich aber auch "zu Herzen gehende und berührende Gottesdienste". Bischof Karl-Heinz Wiesemann aus Speyer schließt sich an, wenn er hofft, „dass meine Mutter und meine Familie an einem der Weihnachtstage kommen und wir gemeinsam Weihnachtslieder singen und Weihnachten feiern, wie wir es seit Kindheit gewohnt sind".

Was bekommen die Bischöfe geschenkt?

Doch auch wenn die meisten Wünsche der Bischöfe nicht materieller Art sind, liegt häufig doch noch eine Kleinigkeit unter dem Tannenbaum. Als Literaturfreund bekommt Bischof Algermissen meistens Bücher, darunter vor allem Poesie oder seltene theologische Schriften geschenkt. Er gibt aber zu bedenken: "Was nutzen denn all die Geschenke, wenn das eigentliche Geschenk in den Hintergrund tritt, dass nämlich Gott im Kind in der Krippe um unsere Freude, aber auch um unsere Angst und Tränen weiß?"

"Neben fast 400 Briefen mit oft wunderschönen Drucken und Texten bekomme ich meistens Bücher geschenkt", sagt Bischof Bode. Darunter seien Sachbücher, Gedichte, Romane, Bildbände, Jahresbegleiter. "Meine Familie schenkt mir oft Sachen zum Anziehen oder kleine Kostbarkeiten an Weihnachtsschmuck ." Und von Freunden bekommt der Osnabrücker Oberhirte alljährlich einen ledernen Terminkalender mit Goldschnitt. "Den schätze ich auch im digitalen Zeitalter", sagt er. Auch Bischof Overbeck bekommt zahlreiche Briefe. Dazu kommen Advents- und Weihnachtsgebäck sowie Bücher. Gerade das Gebäck sei häufig so viel, dass er es aber nicht alleine esse, sondern weitergebe, so Overbeck.

In der Pfalz werde dagegen häufig eine gute Flasche Wein geschenkt, sagt Bischof Wiesemann. "Die kann ich dann mit meinen Gästen trinken oder an andere weitergeben, die sich darüber freuen." Bischof Koch bekommt jedes Jahr überraschende Weihnachtsgeschenke, "die Ausdruck einer sehr herzlichen Beziehung zu mir sind". Daran erfreue er sich wie ein kleines Kind. Das gelte auch für manche Überraschungen, die Gott ihm mache. "Im letzten Jahr war es meine Berufung als Bischof nach Dresden", so Koch.

Heiner Koch spricht vor Journalisten.
Bild: © KNA

Der Kölner Weihbischof Heiner Koch wurde am 18.01.2013 zum Bischof der Diözese Dresden-Meißen ernannt.

Was verschenken die Bischöfe selbst?

Letztlich lässt sich ein Bischof aber nicht nur beschenken, sondern versucht, in der Adventszeit selbst das ein oder andere Präsent zu besorgen. "Ich bemühe mich um kleine Dinge, von denen ich weiß, dass sie anderen eine Freude machen", sagt Koch. Er schicke aber auch gerne längere Briefe an befreundete Menschen, denen er aus dem zu Ende gehenden Jahr erzähle und darüber schreibe, "wie es mir persönlich geht".

Die meisten Geschenke, die Bischof Bode kauft, sind für die Familien seiner Schwestern, "besonders die Kinder und Enkelkinder". Er beschenkt aber auch einige Freunde, "die ich in den Weihnachtstagen besuche, und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bischofshaus". Geschenke seien Bücher, Buchgutscheine, Gutscheine für schöne Kleinigkeiten wie Porzellan oder Christbaumschmuck. "In diesem Jahr kam mir natürlich das neue Gotteslob sehr entgegen zum Verschenken", verrät Bode.

Rottenburgs Bischof Fürst beschenkt privat Verwandte und Freunde mit ganz unterschiedlichen Dingen, von denen er annimmt, dass sie den Empfängern Freude bereiten. Dresdens Koch gibt sich bei dieser Frage zurückhaltend, denn: "Ein Weihnachtsgeschenk muss überraschend sein, erzählt es doch von der überraschenden Liebe Gottes zu uns Menschen."

"Am liebsten verschenke ich Zeit", sagt Bischof Overbeck. Denn er selbst sei durch seinen beruflichen Alltag in der Pflege privater Beziehungen und im Nutzen freier Zeiten sehr eingeschränkt. Die Beschenkten würden sich deshalb auch sehr darüber freuen. Auch für Bischof Wiesemann ist Zeit als Geschenk oft kostbarer als materielle Dinge. Hinzu kämen ideelle Werte wie Zuneigung, Freundschaft und Solidarität.

Von Björn Odendahl