Vor der Vollversammlung: "Ein bisschen mutiger sein"
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Deutsche Bischöfe zu Reformen aufgefordert

Vor der Vollversammlung: "Ein bisschen mutiger sein"

Am Montag beginnt die Vollversammlung der deutschen Bischöfe in Lingen. Wieder im Fokus: das Thema Missbrauch. Zum Beginn des Treffens gibt es Forderungen aus den eigenen Reihen – aber auch seitens der evangelischen Kirche.

Lingen - 11.03.2019

Reformen der Sexualmoral, Umgang mit Homosexualität und Aufarbeitung des Missbrauchsskandals – zum Beginn der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) werden Forderungen an die deutschen Bischöfe laut. Der Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, forderte im ZDF-Morgenmagazin "sichtbare Reformen" als Antwort auf die Krise innerhalb der Kirche. Sternberg erkennt bei den Bischöfen und in der gesamten Kirche einen Willen zur Veränderung: "Ich glaube, die Erschütterung ist wirklich angekommen." 

Der ZdK-Präsident rechnet nach dem Missbrauchsskandal in der Kirche mit Änderungen hinsichtlich der Sexualmoral, der Kirchenverwaltung und der Beteiligung von Frauen an Führungspositionen. Er spach sich dafür aus, dass auch verheiratete Männer zu Priestern geweiht werden können.

Auch der Vechtaraner Moraltheologe Elmar Kos plädiert für eine Aufhebung des Pflichtzölibats. Nach jahrzehntelangen Diskussionen sei es jetzt an der Zeit für Schritte zur Umsetzung der Weihemöglichkeiten für Frauen und die Anerkennung der Homosexualität, sagte er am Wochenende dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Bischöfe sollten "ein bisschen mutiger sein und Rom konkrete Vorschläge unterbreiten", sagte er. "Die Zeit, immer nur darüber zu reden, ist vorbei."

Missbrauchsopfer fordern unabhängige Aufarbeitung in den Bistümern

Die deutschen Bischöfe treffen sich von Montag bis Donnerstag zu ihrer Frühjahrsvollversammlung in Lingen im Emsland. Themen sind unter anderem Frauen in Führungspositionen, der zurückliegende Weltjugendtag in Panama sowie der alles überschattende Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche.

Der Vorsitzende des Missbrauchs-Betroffenennetzwerks "Eckiger Tisch", Matthias Katsch, forderte klare Schritte hin zu einer unabhängigen Aufarbeitung in den Bistümern und Ordensgemeinschaften und einer angemessenen Entschädigung für die Opfer. Betroffene müssten an der Aufarbeitung und an Prävention mit ihren Erfahrungen beteiligt werden, so Katsch. Außerdem sei eine Bereitschaft zu Gesprächen über eine "angemessene Entschädigungslösung" für die Opfer nötig. Katsch bedauerte, dass das Netzwerk nicht zum Bischofstreffen eingeladen sei. Er werde stattdessen am Dienstag mit den Vereinten Nationen über sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche sprechen.

Der Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentags (DEKT), Hans Leyendecker, kritisierte eine schleppende Aufklärung seitens der katholischen Kirche. Die "immer noch nicht erfolgte Öffnung der Archive oder die mangelnde Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft sind mir schleierhaft", sagte Leyendecker dem "Kölner Stadt-Anzeiger" am Montag. Er betonte jedoch auch, dass Missbrauch nicht allein ein katholisches Problem sei. Wenn sich nichts ändere, verstärke das nur die Wahrnehmung, dass die Kirche zu nichts Gutem mehr tauge, sagte der DEKT-Präsident. "Wir gewinnen und verlieren nur gemeinsam." Der Kirchentag in Dortmund (19. bis 23. Juni) werde sich dem Thema stellen. (tob/KNA/epd)