Warm-up für das Großereignis
Bild: © KNA
Begegnungstage in Polen vor dem Weltjugendtag

Warm-up für das Großereignis

115.000 ausländische Pilger stimmen sich seit gestern in ganz Polen auf den Weltjugendtag mit Papst Franziskus ein. Bei den "Tagen der Begegnung" lernen sie Land und Leute kennen - und die Kirche in Polen.

Von Oliver Hinz (KNA)  |  Warschau - 21.07.2016

Mit "offenem Herzen" wolle er auch eine große Gruppe aus Französisch-Polynesien im Dorf Gidle empfangen, die ihr Kommen angekündigt habe, so Kosacz. Monatelang hat sich die katholische Kirche in Polen auf die "Tage der Diözesen" vorbereitet, wie die am Mittwoch begonnenen traditionellen "Tage der Begegnung" vor dem Weltjugendtag hier genannt werden.

Während das Großereignis mit Papst Franziskus kommende Woche in und um Krakau über die Bühne geht, beteiligen sich am Vorprogramm Pfarreien im ganzen Land. Alle 43 Bistümer haben sich mit besonderen religiösen und kulturellen Angeboten für die Pilger ins Zeug gelegt - bis hin zum Militärordinariat, das 450 Gäste vor allem aus Nato-Staaten willkommen heißt.

"Gastfreundlich und hilfsbereit"

Landesweit nehmen an dem Warm-up für den Weltjugendtag nach Angaben des Organisationskomitees etwa 115.000 junge Menschen aus 135 Ländern teil. Das sind ungefähr so viele wie 2005 vor dem Weltjugendtag in Köln.

Bis Montag sollen die ausländischen Gäste Gelegenheit erhalten, die Kirche in Polen sowie Land und Leute kennenzulernen. Der Großteil der Jugendlichen wohnt bei Gastfamilien. Die meisten von ihnen reisten aus Italien, Spanien, Deutschland, Frankreich und der Ukraine an.

Im schlesischen Neisse (Nysa) macht Johanna Schwab (21) aus Trier Station. "Die Menschen sind sehr gastfreundlich und hilfsbereit", sagt sie zufrieden. Besonders gut hat ihr der Gottesdienst am See gefallen, der gemeinsam von Polen, Brasilianern und Deutschen gestaltet wurde. "Da kam das Weltjugendtags-Feeling auf, das ich aus Rio kenne", sagt Johanna Schwab.

Sie ist gemeinsam mit 150 jungen Menschen aus dem Bistum zu den "Tagen der Begegnung" nach Polen gekommen. Mitgenommen haben die Trierer auch 30 Brasilianer, mit denen sie seit dem Weltjugendtag in Rio im Kontakt sind.

Ausländer treten in den Kirchen in Erscheinung

Zwar entdecken immer mehr ausländische Touristen Polen für sich. In den Pfarreien und Kirchen treten Ausländer jedoch nie so in Erscheinung wie jetzt. Pater Kosacz gefällt es, dass sie "voller Freude durch Singen und Klatschen" die polnischen Gottesdienste bereichern: "Es ist wunderbar, so viele Jugendliche aus anderen Ländern zu sehen und mit ihnen zusammen zu sein." Alles sei gut geplant. "Doch so viele verschiedene Jugendliche machen jetzt das Leben ein bisschen chaotisch", sagt er heiter.

Polens Bistümer bieten den Teilnehmern ein vielfältiges Programm mit Gebeten, Gottesdiensten, Konzerten, Museumsbesuchen und Sportaktivitäten an. Für die speziellen Führungen in zahlreichen Institutionen mussten sie sich schon im Vorfeld anmelden. Am meisten Pilger entschieden sich für eine Besichtigung der Gedenkstätte des ehemaligen deutschen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau: insgesamt 300.000 Teilnehmer des Weltjugendtags.

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Video: © katholisch.de

Manfred Deselaers ist Seelsorger im Zentrum für Dialog und Gebet in Auschwitz. Er spricht mit katholisch.de über die Auschwitz-Besucher während des Weltjugendtags.

Für die Organisatoren ist das eine große Herausforderung. Seit Mittwoch ist die Gedenkstätte zwölf Tage lang nur für die Pilger geöffnet. Auch der Papst wird sie besuchen. Pro Stunde sollen bis zu 3.000 Pilger in Auschwitz eintreffen, teilte das federführende Bistum Bielsko-Zywiec mit. Die Sonderführungen dauern den Angaben zufolge 90 Minuten.

Den jungen Katholiken sollten die wichtigsten Orte im Stammlager Auschwitz und im Vernichtungslager Birkenau gezeigt werden, hieß es. Wegen der großen Besucherzahl könnten die jugendlichen Besucher das Innere der Blöcke des ehemaligen Lagers nicht besichtigen. Extra für die WJT-Teilnehmer stellte die Gedenkstätte daher Informationstafeln vor den Blöcken auf. Zudem sollen alle Besucher Informationsbroschüren in ihrer Muttersprache erhalten.

Von Oliver Hinz (KNA)