Eine große Anzahl von Schokoladen-Nikoläuse.
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Verkaufszahlen für Bischof aus Schokolade steigen

Warum der Schoko-Nikolaus auf dem Vormarsch ist

Wer am 6. Dezember einen "echten" Nikolaus aus Schokolade verschenken will, hat eine schwierige Aufgabe vor sich. In den meisten Supermärkten dominiert immer noch der Schoko-Weihnachtsmann. Dabei ist die schokoladige Version des Heiligen aus Myra durchaus gefragt.

Von Roland Müller |  Bonn - 05.12.2018

Sie schmecken beide himmlisch und sehen einander zum Verwechseln ähnlich: Der lange weiße Bart, die ungewöhnliche Kleidung, die füllige Statur – die Schoko-Ausgaben von Nikolaus und Weihnachtsmann können auf den ersten Blick nur von Profis auseinander gehalten werden. Auch wenn Mitra, Bischofsstab und Ring den Heiligen aus Myra eindeutig kennzeichnen. Meistens ist der Weihnachtsmann alleine im Supermarktregal anzutreffen, denn bereits seit vielen Jahrzehnten ist er der unangefochtene Champion an der adventlichen Ladenkasse. Doch seit den 90er Jahren wächst die Fangemeinde des heiligen Nikolaus kontinuierlich und der Schoko-Bischof kann immer öfter im Einzelhandel oder im Internet gekauft werden.

"Wir beobachten das mit Freude", sagt Schwester Theresita Müller vom Bonifatiuswerk. Das Nordeuropa-Hilfswerk aus Paderborn wirbt seit 2002 mit ihrer Aktion "Weihnachtsmannfreie Zone" für das Nikolaus-Brauchtum und hat durch ihre Initiative dafür gesorgt, dass der Schoko-Bischof auf dem Vormarsch ist. "Der Nikolaus hat uns auch heute noch viel zu sagen", betont Sr. Theresita mit Blick auf den Einsatz des Heiligen für arme und benachteiligte Menschen. Deshalb vertreibt das Bonifatiuswerk in Zusammenarbeit mit dem Leipziger St.-Benno-Verlag seit einigen Jahren einen Schoko-Nikolaus. Mit großem Erfolg, denn in den letzten Jahren seien die Verkaufszahlen kontinuierlich auf etwa 100.000 Stück gestiegen.

Bei der Confiserie Riegelein hingegen hält man sich sehr bedeckt mit konkreten Zahlen. Dabei hat das Schokoladenunternehmen aus Cadolzburg bei Nürnberg Nikolausdarstellungen nach eigenen Angaben schon "seit mehreren Jahrzehnten" im Sortiment. Stolz betont man, der Nikolaus trage das traditionelle Bischofsgewand mit aufgesetzter Mitra und angeklebtem Bischofsstab. Zudem biete Riegelein "als einer von wenigen Herstellern zahlreiche Varianten in unterschiedlichen Größen" an. Bewusst lobt die Confiserie die positiven Eigenschaften, die mit dem heiligen Nikolaus verbunden werden: Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft und Freude schenken. Diese Werte wolle man durch den Schoko-Bischof "unterstützen und vermitteln".

Sr. Theresita ist es nur Recht, dass einige wenige Schokoladenhersteller Sankt Nikolaus für sich entdeckt haben. Schließlich geht es dem Bonifatiuswerk darum, den Heiligen in der Öffentlichkeit präsenter zu machen. Das habe die "Weihnachtsmannfreie Zone" in der Vergangenheit jedoch zu sehr in Abgrenzung zum Weihnachtsmann getan, gibt die Ordensfrau zu. Aus Nord- und Ostdeutschland, traditionell nicht-katholischen Regionen, kam Kritik: „Die Gläubigen haben uns gebeten, ihre Lebensrealität zu akzeptieren. Der Weihnachtsmann ist in der Gesellschaft verwurzelt und kein bewusster Ausdruck gegen den christlichen Glauben“, erklärt Sr. Theresita. Seit diesem Jahr drücke man sich wohlwollender aus: "Wir sagen nun: Am 6. Dezember hat der Weihnachtsmann Pause und der heilige Nikolaus übernimmt!"

Der heilige Bischof Nikolaus von Myra.

Der heilige Nikolaus war im vierten Jahrhundert Bischof von Myra.

Doch das war nicht immer so, weiß Manfred Becker-Huberti. Der Theologe und Brauchtumsexperte hat die Geschichte des Schokoladen-Bischofs erforscht: "Noch in den 1930er Jahren waren Schoko-Nikoläuse in katholischen Regionen stark verbreitet." In den folgenden Jahrzehnten nahm die Bedeutung des Heiligen jedoch stark ab – auch "weil der Weihnachtsmann inzwischen in der Alltagskultur angekommen war". Becker-Huberti freut sich über die Rückkehr des Nikolaus in Schokoform, doch er gibt sich keinen Illusionen über die Beweggründe der Hersteller hin, weiterhin vornehmlich Weihnachtsmänner zu produzieren: "Sie folgen ökonomischen Gründen und wollen den Markt bedienen."

In der Tat tun sich viele große Firmen der Schokoladen-Branche wesentlich schwerer mit dem Nikolaus als kleinere Unternehmen, von denen selbst nur eine Handvoll Schoko-Bischöfe herstellt. So sind etwa von den beiden größten Schokoladen-Marken Milka und Lindt in Deutschland keine Nikoläuse erhältlich. Sehr wohl aber in Österreich, wo die Schokoladenfiguren des Heiligen auch im Einzelhandel einen etablierten Platz haben. In Deutschland hingegen werden Nikoläuse in der Regel bei den Großhändlern nicht gelistet und sind daher nur vereinzelt im Supermarkt zu finden.

Für alle, die bis zum Nikolaustag keinen Schoko-Bischof im Laden gefunden haben, bietet die "Weihnachtsmannfreie Zone" zudem eine Last-Minute-Lösung: einen Bastelbogen mit Mitra, Bischofsstab und Rauchmantel zum Ausdrucken. Auf diese Weise kann sich mit etwas Papier, Malstiften und Kleber jeder Weihnachtsmann in einen Nikolaus verwandeln.

Von Roland Müller

05.12.2018, 18.00 Uhr: ergänzt um eine Stellungnahme der Confiserie Riegelein. /rom