Weggabelung im Naturpark Arnsberger Wald
Schwester Birgit Stollhoff über das Sonntagsevangelium

Was braucht es für eine gute Entscheidung?

Leider gibt es für die Fragen des Lebens keine einfache Lösung wie etwa ein Überraschungs-Ei, das laut Werbung gleich drei Wünsche auf einmal erfüllen soll. Schwester Birgit Stollhoff kennt dennoch Tipps, wie man gute Entscheidungen treffen kann.

Von Sr. Birgit Stollhoff CJ |  Bonn - 15.12.2018

Impuls von Schwester Birgit Stollhoff

"Spannung, Spiel und Schokolade!" mit diesen Kinderwünschen beginnt eine vielleicht heute noch bekannte Werbung. Der Vater ist anlässlich dieser Wünsche der Kinder überfordert, aber wie gut, dass es das Überraschungs-Ei gibt! Diese Drei-in-Eins-Lösung wird von der Werbung zwar gerne suggeriert, aber die Erfahrung zeigt, dass es im Leben fast nie die "Komplett-Lösung" gibt.

Die Fragen des Lebens sind zu komplex, zu verwoben und zu tief, als dass es da eine einfache Lösung gäbe. "Was soll ich studieren? Wo ziehe ich hin? Nehme ich den Job an?" Es geht aber auch kleiner: "Fliegen wir in den Urlaub nach Mallorca oder fahren wir lieber mit der Bahn nach Tirol? Fahren wir Weihnachten zur Familie oder nicht?" Oder die vielleicht berüchtigtste Weihnachtsfrage: "Bekommen die Kinder ein Haustier oder nicht?" Schon vor 2000 Jahren fragen die Menschen Johannes den Täufer "Was sollen wir also tun?". Wie richten wir unser Leben ein und wir richten wir es auf Gott aus?

Eine gute Entscheidung entsteht in einem Entscheidungsprozess. Ignatius von Loyola hat dazu als Anleitung die "Unterscheidung der Geister" entwickelt. Wichtig für ihn ist es, sich in dem Prozess zu beobachten: Manchmal muss zu Beginn ein Zögern überwunden werden. Unterwegs zeigen sich oft Zweifel, Sorgen Gewissensbisse oder Loyalitätskonflikte. Es gilt, die "Geister" zu unterscheiden – den bösen Geist, der es gerne kompliziert macht und mit Misstrauen und Versuchungen arbeitet, und den guten Geist, der Trost gibt und dann Energie, der durch seine Klarheit herausfordert und gleichzeitig "Flügel verleiht". Was dabei immer hilft, sind kluge Ratgeber wie Johannes der Täufer, Begleiter oder auch gute, ehrliche Verwandte und Freunde.

Wie eine gute Entscheidung aussieht, darüber sind sich Johannes der Täufer und Ignatius von Loyola einig: Sie soll anderen nützen: "Gib ein Gewand ab." Sie soll "Frucht bringen" für die Gemeinschaft und die Generationen, nachhaltig sein und sozial. Sie soll aber auch gut für mich sein, "Trost geben", Sicherheit vermitteln, also keine Überforderung sein. "Behalte deinen Sold, behalte ein Gewand, ein Brot.", sagt auch Johannes. Und dann? Dann gibt es noch so ein Spannungsmoment – das Nicht-Wissen, der Sprung ins Unbekannte. Johannes deutet es an, indem er auf Jesus verweist, diesen Messias, der so ganz anders sein wird als erwartet! Überraschend, provokativ, menschlich, aber sicher nicht bequem! "Ich setzte den Fuß in die Luft, / und sie trug." So beschreibt die Dichterin Hilde Domin diesen Mut, den so eine Entscheidung braucht. Ganz ohne den Sprung ins Unbekannte geht es also nie – wieder bei Entscheidungen rund um Weihnachten noch sonst im Leben.

Von Sr. Birgit Stollhoff CJ

Evangelium nach Lukas (Lk 3, 10-18)

In jener Zeit fragten die Leute Johannes den Täufer: Was sollen wir also tun? Er antwortete ihnen: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso! Es kamen auch Zöllner, um sich taufen zu lassen, und fragten ihn: Meister, was sollen wir tun?  Er sagte zu ihnen: Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist! Auch Soldaten fragten ihn: Was sollen denn wir tun? Und er sagte zu ihnen: Misshandelt niemanden, erpresst niemanden, begnügt euch mit eurem Sold!

Das Volk war voll Erwartung und alle überlegten im Herzen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Christus sei. Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.  Schon hält er die Schaufel in der Hand, um seine Tenne zu reinigen und den Weizen in seine Scheune zu sammeln; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen. Mit diesen und vielen anderen Worten ermahnte er das Volk und verkündete die frohe Botschaft.

Die Autorin

Sr. Birgit Stollhoff CJ gehört dem Orden Congregatio Jesu (auch bekannt als Mary-Ward-Schwestern) an, arbeitet beim Sankt Michaelsbund in München, studiert Theologie im Fernstudium an der Universität Luzern und ist mitverantwortlich für die Öffentlichkeits- und Medienarbeit ihres Ordens.

Ausgelegt!

Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Wie für jeden Tag gibt es in der Kirche auch für jeden Sonntagsgottesdienst ein spezielles Evangelium. Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bietet katholisch.de nun "Ausgelegt!" an. Darin können Sie die jeweilige Textstelle aus dem Leben Jesu und einen Impuls lesen. Diese kurzen Sonntagsimpulse schreibt ein Pool aus Ordensleuten und Priestern für uns.