"Was wäre die Kirche ohne euch?"
Papst bedankt sich in New York für Einsatz der Ordensfrauen

"Was wäre die Kirche ohne euch?"

Der Papst ist in New York angekommen. In der St.-Patrick's-Kathedrale würdigte er den Einsatz der US-Ordensfrauen, die kürzlich ihren Streit mit dem Vatikan beigelegt hatten. Kritik übte Franziskus dagegen an den Missbrauchsfällen in der US-Kirche.

New York - 25.09.2015

Das ist jedoch nicht die einzige musikalische Einlage, die den Papst in den USA erwartet. Denn der Leiter des Zentrums für Liturgie an der katholischen Notre-Dame-Universität, Tim O'Malley, hat für jede Station des Papstbesuchs den "richtigen Sound" vorgesehen. Mit Hilfe des Musikdienstes Spotify stellte der junge Theologieprofessor eine Liste zusammen, die Titel von Beethoven bis Bruce Springsteen enthält. Für New York, die nun anstehende Station des Papstes, findet sich unter den 53 Songs zum Beispiel Sängerin Alicia Keys mit dem Titel "Empire State of Mind". Die Mehrzahl der dreieinhalbstündigen Musiksammlung besteht allerdings aus Hymnen und Psalmen, die während der Liturgien mit Franziskus gesungen werden.

Bei seiner Fahrt vom Flughafen in die Innenstadt fuhr Franziskus unter anderem auch am "Trump Tower" vorbei, dem Quartier des Multimilliardärs und republikanischen Präsidentschaftsanwärters Donald Trump. Dieser hatte im Vorfeld des Besuchs angekündigt, im Fall einer zu argen Kapitalismus-Kritik des Papstes würde er diesen mit den Worten erschrecken: "Der IS will sie kriegen..."

Papst geißelt Missbrauch durch Geistliche

Wieder ernst wurde es dagegen zum Abschluss des Tages. Da feierte der Papst in der New Yorker St.-Patrick's-Kathedrale einen abendlichen Gottesdienst mit Priestern und Ordensleuten. In seiner Predigt bezeichnete er den sexuellen Missbrauch durch Geistliche als Schande für die Kirche. Viele Mitbrüder hätten sich dessen schuldig gemacht und damit die Kirche "in ihren wehrlosesten Gliedern verletzt und empört", sagte Franziskus. Den Begriff "Missbrauch" benutzte er dabei aber nicht direkt. Bereits am Vortag hatte er in einer Ansprache an die katholischen US-Bischöfe in Washington sexuelle Übergriffe angeprangert.

Unter dem Beifall der Anwesenden würdigte Franziskus schließlich die Ordensfrauen als "starke Frauen" und mutige Kämpferinnen an der vordersten Front der Verkündigung des Evangeliums. Ihnen wolle er seine Bewunderung und seinen Dank ausdrücken. "Was wäre die Kirche ohne euch?", fragte der Papst. Viele US-Ordensfrauen ständen vor der Herausforderung, sich an ein "in der Entwicklung befindliches pastorales Panorama" anzupassen, so Franziskus. Vor dieser Aufgabe dürften sie aber nicht "den Frieden verlieren" und sollten wie Christus sein, der sein Kreuz genommen und nach vorn geschaut habe. "Euch, ihr Ordensfrauen, Schwestern und Mütter dieses Volkes, möchte ich Dank sagen, ein ganz großes Danke!", so der Papst unter Beifall – "und ich will euch auch sagen, dass ich euch sehr liebe".

Trauer um die Todesopfer von Mekka

Nach Vorwürfen von US-Bischöfen, einige Frauenorden pflegten einen allzu weltlichen Stil und nähmen die kirchliche Lehre nicht genau genug, hatte der Vatikan 2008 zwei Untersuchungen eingeleitet. 2012 warf die vatikanische Glaubenskongregation US-Frauenorden "ernsthafte theologische Mängel" vor. Dies gelte etwa mit Blick auf Homosexualität, Frauenweihe, Abtreibung und Verhütung. Die Orden wiederum kritisierten einen intransparenten Führungsstil Roms. Im April dieses Jahres legten die Glaubenskongregation und die Vereinigung der US-Ordensoberinnen LCWR ihre Differenzen bei.

Der Papst zeigte sich außerdem betrübt über die mehr als 700 Todesopfer der Pilgertragödie in Mekka. Er versicherte, für die Familien der Opfer zu beten. Bei den Anwesenden in der New Yorker Hauptkirche entschuldigte er sich für seine traurige Stimmung.

Am Freitag wird der Papst vor der UN-Vollversammlung sprechen und das anschließende Wochenende beim katholischen Weltfamilientreffen in Philadelphia verbringen. Sonntag fliegt er mit einer Boeing 777 der American Airlines zurück nach Rom. Sie ist unter dem Namen "Shepherd One" (Hirte Eins) registriert. (bod/KNA)

Link-Tipp: Franziskus reicht der Mittelschicht die Hand

Die erste Rede eines Papstes vor dem US-Kongress war mit Spannung erwartet worden. Schließlich gilt die USA als das Land der schärfsten Kritiker von Franziskus. Doch dem gelang es, mit seinen Worten Brücken zu bauen.