In einem offenen Kleinwagen fährt Franziskus durch die Straßen Rios.
Franziskus in Rio eingetroffen

Weder Gold noch Silber

Turbulente Ankunft am Zuckerhut: Vier Monate nach seiner Wahl zum Oberhaupt der katholischen Weltkirche ist Papst Franziskus am Montag in Brasilien zum Weltjugendtag von einer begeisterten Menge begrüßt und geradezu bedrängt worden. Den Sicherheitskräften, die das Auto mit Franziskus begleiteten, gelang es zeitweise nicht, die Papst-Fans auf Distanz zu halten, was ihm zu gefallen schien.

Rio de Janeiro - 23.07.2013

Zum Auftakt seines einwöchigen Besuches zum Weltjugendtag in Rio war der 76-Jährige nach der Landung vom Flughafen demonstrativ in einem Kleinwagen ins Zentrum gefahren. Das Auto blieb im Verkehr stecken, es wurde mehrfach von Hunderten Menschen umringt und blockiert. Sie warfen dem Papst durch das heruntergekurbelte Autofenster Briefe und Geschenke auf die Rückbank.

Franziskus hatte sein Programm anders als zunächst geplant um die Fahrt durchs Zentrum der Sechs-Millionen-Stadt ergänzt. Nach den chaotischen Minuten stieg Franziskus an der Kathedrale in einen offenen Geländewagen um. Dabei wurde er von Zehntausenden Menschen begeistert empfangen. Mehrere reichten dem Pontifex ihre Kinder zum Segnen. Der Papst lächelte unentwegt und winkte den Menschen zu.

Rousseff würdigt Rolle der Kirche

Nach der Fahrt durchs Zentrum flog Franziskus per Hubschrauber zum Palácio Guanabara, dem Sitz des Gouverneurs von Rio de Janeiro, wo er auch mit Staatschefin Dilma Rousseff zusammentraf.

Der Papst segnet ein Baby

Mehrere Menschen reichten dem Pontifex ihre Kinder zum Segnen.

Die Politik müsse auf die Anliegen der Jugendlichen eingehen, die unter der Wirtschaftskrise litten, sagte Rousseff. Zugleich äußerte sie in ihrer Begrüßungsrede Verständnis für die Sozialproteste der zurückliegenden Wochen . Auslöser sei der Wunsch nach einem besseren Leben. Brasilien müsse eine notwendige Entwicklung schnell voranbringen.

Die Sozialdemokratin Rousseff würdigte die Rolle der Kirche und der Religion in ihrem Land. Die Regierung unterstütze den Einsatz katholischer Institutionen für Arme und andere Benachteiligte wie Häftlinge und Kleinbauern. Brasilianer seien "Männer und Frauen des Glaubens". Der Papst solle sie darin bestärken. Dabei gehe es auch um den "Glauben an uns selbst", so Rousseff.

Franziskus verlangte in seiner Entgegnung verstärkte Anstrengungen zur Förderung junger Menschen. "Christus hat Vertrauen in die Jugendlichen", sagte er unter Applaus. Die Gesellschaft müsse die materiellen und geistigen Voraussetzungen für ihre volle Entfaltung schaffen, ihnen Sicherheit und Bildung garantieren und Werte vermitteln. "Ich habe weder Gold noch Silber, aber ich bringe das Wertvollste, das mir gegeben wurde: Jesus Christus!", sagte der Papst auf Portugiesisch.

Nach den Reden tauschten Franziskus und Rousseff zwei Küsschen auf die Wangen. Anschließend führten sie eine private Unterhaltung im "Grünen Saal" des Palacio Guanabara.

Dilma Rousseff begrüßt Papst Franziskus

Ein Küsschen für die Präsidentin: Dilma Rousseff begrüßt Papst Franziskus.

Bombenfund in Wallfahrtsort

In Rio ist in diesen Tagen ein massives Polizei- und Militäraufgebot im Einsatz. Ein Bombenfund im Wallfahrtsort Aparecida hat nach Aussage von Vatikansprecher Federico Lombardi keinerlei Auswirkungen auf die Papstreise. Franziskus habe keine Angst, sagte Lombardi am Montagabend (Ortszeit) in Rio de Janeiro vor Journalisten. Es bestehe kein Anlass zu großer Sorge.

In einer öffentlichen Toilette in der Nähe der Wallfahrtskirche von Aparecida war am Montag ein Sprengsatz gefunden worden. Dies habe jedoch nichts mit dem für Mittwoch geplanten Besuch von Franziskus dort zu tun, sagte Lombardi unter Berufung auf die brasilianische Polizei.

Zugleich wies der Vatikansprecher Behauptungen zurück, die Sicherheitslage sei während der Fahrt des Papstes vom Flughafen in die Innenstadt von Rio vorübergehend außer Kontrolle geraten.

Franziskus war in seinem kleinen Fiat Idea von einer Menschenmenge umringt worden, so dass die Fahrt vorübergehend gestoppt werden musste. Diese Szene sei eine "einzigartige Erfahrung" des großen Enthusiasmus der Bevölkerung gewesen, so Lombardi.

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Shorty am Zuckerhut, Folge 1: Grad in Brasilien angekommen, hat sich Sarah "Shorty" Schortemeyer auf den Weg zur Copacabana gemacht.

Der 28. Weltjugendtag wird am Dienstag mit viel Musik und einem großen Gottesdienst am Copacabana-Strand von Rio de Janeiro eröffnet. Rios Erzbischof Orani João Tempesta zelebriert die Messe, zu der am Abend Hunderttausende junge katholische Pilger erwartet werden.

Papst Franziskus hat heute offiziell einen Ruhetag. Es ist nicht üblich, dass der Papst die Eröffnungsmesse der Weltjugendtage leitet. Der Pontifex trifft die Pilger offiziell am Donnerstag das erste Mal zum traditionellen "Papst-Willkommen".

Zu dem katholischen Jugendtreffen, das an diesem Dienstag beginnt, werden eineinhalb Millionen Pilger erwartet. Es endet am Sonntag mit einer Messe weit vor den Toren Rios. Aus Deutschland sind rund 2000 Jugendliche an den Zuckerhut gereist. (meu/dpa/KNA)

Randale in Rio

Am Rande des Besuches von Papst Franziskus ist es in Rio de Janeiro kurzzeitig zu Konfrontationen zwischen Randalierern und der Polizei gekommen. Dabei wurde ein Polizist nach offiziellen Angaben am Montagabend (Ortszeit) durch einen Molotow-Cocktail verletzt. Der Vorfall ereignete sich in der Nähe des Palácio Guanabara, dem Sitz von Rios Gouverneurs, wo der Papst kurz zuvor seine erste Ansprache gehalten und Präsidentin Dilma Rousseff getroffen hatte. Nach Angaben der Fernsehsenders Globo wurde auch ein Journalist durch einen Brandsatz verletzt. Die Polizei setzte den Angaben zufolge Gummigeschosse ein. Die Polizei meldete fünf Festnahmen. Zuvor hatten einige hundert Menschen von verschiedenen Organisationen gegen den Papst-Besuch und den Einfluss der Kirche protestiert. (dpa)

Dossier: Bem-vindo ao Brasil

Bem-vindo ao Brasil - Willkommen in Brasilien. Vom 23. bis 28. Juli ist die katholische Jugend zu Gast in Rio de Janeiro, unter dem Motto "Geht und macht zu Jüngern alle Völker" (Mt 28,19). Katholisch.de berichtet in einem Dossier von der Veranstaltung. (meu)