Weltfamilientreffen in Dublin
Kritik an Kirche vor dem Papstbesuch in Irland

Weltfamilientreffen: Papst will Missbrauchsopfer treffen

In Dublin wurde das Weltfamilientreffen mit einer Botschaft des Papstes über "die Schönheit der Familie" eröffnet. Öffentlich diskutiert werden aber die Themen Missbrauch und der Umgang der Kirche mit Homosexuellen.

Vatikanstadt/Dublin - 22.08.2018

Papst Franziskus hat Familien aufgerufen, Kinder und Jugendliche gut auf die Zukunft vorzubereiten. In einer Videobotschaft an die Teilnehmer des neunten Weltfamilientreffens, das am Dienstagabend in Dublin eröffnet wurde, erinnerte der Papst an die essenzielle Bedeutung der Familie. "Es ist sehr wichtig, die Jungen heute auf die Zukunft vorzubereiten, jetzt im Moment, aber mit den Wurzeln der Vergangenheit", so Franziskus in der rund dreieinhalbminütigen Botschaft.

Das Treffen in Dublin sei eine Gelegenheit, "die Schönheit der Familie" zu feiern und biete für Familien aus aller Welt die Chance zu Begegnung und gegenseitiger Unterstützung. Die Familien selbst wüssten am besten um die Herausforderungen, Liebe in Treue zu leben und Kinder "mit gesunden Werten zur Gemeinschaft zu erziehen", zu Liebe und gegenseitiger Fürsorge. Er hoffe, dass das Familientreffen und sein Besuch auch dazu beitragen könnten, Gemeinschaft und Versöhnung unter den Christen in Irland zu stärken, betonte Franziskus.

Papst betet in Irland für Missbrauchsopfer

Der Papst wird am Samstag zu einem rund 36-stündigen Besuch in Irland erwartet. Dort wird er unter anderem mit einer Gruppe von Opfern sexuellen Missbrauchs zusammentreffen, wie Vatikansprecher Greg Burke am Dienstag bestätigte. Zudem werde er in der St.-Mary's-Kathedrale für die Opfer beten. Dort brennt beständig eine Kerze für sie. In der Regel kommt Franziskus in jedem Land, das er besucht und das von Missbrauch durch Kirchenangehörige betroffen ist, mit Opfern zusammen.

In den vergangenen 20 Jahren haben weitreichende Missbrauchsskandale die Kirche in Irland erschüttert und ihre Glaubwürdigkeit stark geschädigt. Dublins Erzbischof Diarmuid Martin sagte in seiner Predigt am Sonntag zu dem Thema, der Papst müsse in Irland "offen über unsere Vergangenheit, aber auch über unsere Zukunft sprechen". Es reiche nicht, sich nur zu entschuldigen.

Namen angeblicher Täter veröffentlicht

Zum Start des Weltfamilientreffens veröffentlichte die Aktivistengruppe "Bishop Accountability" (Verantwortlichkeit der Bischöfe) Namen von rund 70 angeblichen Missbrauchstätern aus den Reihen der katholischen Kirche in Irland und Nordirland. Die Genannten seien entweder wegen Kindesmissbrauchs verurteilt, oder ihre Taten seien in einschlägigen Untersuchungsberichten hinreichend dokumentiert, heißt es auf der Internetseite der Gruppe. Die Veröffentlichung solle dazu beitragen, Kinder zu schützen.

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Ab Dienstag findet in Irland das neunte katholische Weltfamilientreffen statt. Thema: das wahre Leben von Paaren und Familien. Auch der Papst kommt. Nach dem Missbrauchsbericht von Pennsylvania eine schwierige Reise.

Die Aktivisten riefen Papst Franziskus zu Beginn des Weltfamilientreffens in Irland auf, die Namen aller Priester publik zu machen, die in einem kirchlichen Strafverfahren wegen sexueller Vergehen an Minderjährigen Disziplinarstrafen erhielten. "Bishop Accountability" hatte bei ähnlichen Aktionen bereits die Namen von Missbrauchstätern in den USA und Lateinamerika veröffentlicht.

Diskussion über Homosexuelle in der Kirche

Weitere Kritik äußerten Katholiken bei der Veranstaltung "Stimmen, die der Papst nicht hören wird" am Dubliner Trinity College am Montagabend. Die Kolumnistin Jamie Manson beklagte, dass das Papstschreiben "Amoris laetitia" Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender (LGBT) vermittele, ihre Liebe sei nicht zum Guten und zur Heiligkeit fähig wie die Liebe eines heterosexuellen Paares. Sie zitierte einen Abschnitt von "Amoris laetitia", der festhält, dass es "keinerlei Fundament dafür [gebe], zwischen den homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn". Mit Blick auf eine hohe Depressionen- und Selbstmord-Rate unter Homosexuellen sowie Gefängnis- und Todesstrafen in einigen Ländern müsse der Papst sich äußern, so Manson.

Über die Situation Homosexueller in der Kirche wird im offiziellen Programm des Weltfamilientreffens der US-Jesuit James Martin referieren. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Bischof von Limerick, Brendan Leahy, gleichgeschlechtliche Paare ausdrücklich zur Teilnahme ermutigt. Im Januar hatte jedoch eine Neuauflage einer Broschüre zum Familientreffen für Irritationen gesorgt, aus der Bilder homosexueller Paare entfernt wurden. Zu den Beweggründen für diesen Vorgang äußerten sich die Ausrichter bislang nicht. (luk/KNA)