Werben für Frieden
Bild: © KNA
Papst fordert Versöhnung - Nordkorea testet Raketen

Werben für Frieden

Papst Franziskus hat seinen fünftägigen Besuch in Korea mit einem Aufruf zum Frieden und zur Überwindung bestehender Barrieren begonnen. Pjöngjang reagierte auf seine eigene Weise.

Von Johannes Schidelko (KNA) |  Seoul - 14.08.2014

Wie aktuell diese Worte sind, zeigte der Abschuss von fünf Mittelstreckenraketen, die das Regime in Pjöngjang am Donnerstag über dem japanischen Meer testete.

Der Empfang durch Präsidentin Park Geun-hye in ihrem Amtssitz, dem "Blauen Haus" mit militärischen Ehren war freundlich und farbenfroh. Moderne Waffengattungen traten gemeinsam mit Soldaten in traditionellen Trachten mit Hellebarden, Säbeln und Pfeil und Bogen an. Musikalisch wechselten zünftige Marschmusik mit traditionellen koreanischen Klängen.

Gesprächsfaden zu China aufgenommen

Es ist der erste Besuch eines Papstes in Asien seit 13 Jahren, in Fernost sogar der erste seit 25 Jahren. Anders als bei früheren Reisen konnte Franziskus diesmal nicht nur Russland überfliegen, sondern erstmals auch die Volksrepublik China, was dem Papst die Möglichkeit bot, mit einem Telegramm Staatschef Xi Jinping und alle Bürger zu grüßen, Gottes Segen über sie herabzurufen - und damit wieder einen Gesprächsfaden aufzunehmen.

Schon in seiner Begrüßungsrede sprach Franziskus alle Themen an, die in den kommenden fünf Tagen in fünf südkoreanischen Städten eine Rolle spielen sollen: den VI. Asiatischen Jugendtag, den eigentlichen Anlass seiner dritten Auslandsreise, die Seligsprechung von 124 koreanischen Märtyrern, deren rückblickende Verehrung jedoch nicht den Blick auf die Gegenwart und die Zukunft verstellen dürfe. Und er verwies auf die dynamische Entwicklung der Kirche, die in Südkorea einen ungewöhnlich rasanten Aufschwung erlebt, aber auch auf die sozialen Schattenseiten der boomenden Wirtschaft des Landes.

Im Mittelpunkt stand freilich das Werben für Frieden und Aussöhnung in Korea (siehe Info-Kasten unten) - wenn auch in sehr behutsamer und diplomatischer Form. Franziskus äußerte seine Anerkennung für die unternommenen Versöhnungsbemühungen, verzichtete vor den versammelten Politikern und Diplomaten auf Vorhaltungen oder Kritik, nannte in erster Linie allgemeine Kriterien für Frieden und Einheit. Die Rede hätte er so auch in Pjöngjang halten können, meinte ein Beobachter. Auffallend war dabei, dass Franziskus nur von "Korea" sprach, von der "koreanischen Halbinsel" oder dem "koreanischen Volk", aber nie von Nord- und Südkorea, nicht von Pjöngjang oder Seoul. Der Papst hoffe, einen neuen Anstoß für die Annäherung in dieser Krisenregion zu geben, sagte kurz vor der Reise Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin.

Kardinal: Kämpfe könnten jeden Moment neu beginnen

Die traurige Bilanz der Teilung des Landes präsentierte der Vorsitzende der Koreanischen Bischofskonferenz, Peter Kang U-il, dem Papst bei dessen anschließenden Treffen mit den Bischöfen - hinter verschlossenen Türen. Seit dem Koreakrieg von 1950 bis 1953 mit seinen eineinhalb Millionen Toten und 3,6 Millionen Verletzten seien die Kämpfe nur ausgesetzt, sie könnten zwischen den beiden Korea in jedem Moment wieder neu entflammen. Die Demarkationslinie am 38. Breitengrad werde mit immer ausgereifteren Waffen verstärkt. Und die Menschen in beiden Teilen hätten sich politisch, ideologisch und wirtschaftlich so weit auseinandergelebt, dass er sich ein herzliches Wiederzusammenfinden kaum mehr vorstellen könne.

Und auch die rasante Industrialisierung, Demokratisierung und Evangelisierung habe ihre Schattenseiten und "unheilbaren Wunden" hinterlassen, betonte der koreanische Kirchenmann. Viele Menschen litten unter Angst um ihre Arbeit und ihre soziale Sicherheit, die bis zum Selbstmord führe. Die Kirche müsse sich bei allem raschen Wachstum fragen, ob die Evangelisierung auch authentisch geworden sei. Aber gerade daher brauchten die Kirche und die gesamte Gesellschaft die Ermutigung des Papstes - mehr als Wertschätzung und Lob, so der Vorsitzende der Bischofskonferenz.

Dokumentation: "Der einzig sichere Weg zu dauerhaftem Frieden"

Papst Franziskus hat in Südkorea eine "Zurschaustellung von Macht" kritisiert und zu einer Kultur der Versöhnung ermutigt. Hier der Ausschnitt der Rede, die Franziskus am Donnerstag vor Regierungsmitgliedern, Vertretern staatlicher Institutionen und Diplomaten in Seoul hielt, in der offiziellen deutschen Übersetzung des Vatikan: Ich kann nur meine Anerkennung für die unternommenen Bemühungen um Versöhnung und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel zum Ausdruck bringen und zu diesen Bemühungen ermutigen, denn sie sind der einzig sichere Weg zu dauerhaftem Frieden. Koreas Streben nach Frieden ist uns ein Herzensanliegen, denn es wirkt sich auf die Stabilität der gesamten Region und in der Tat auf unsere ganze kriegsmüde Welt aus. Das Streben nach Frieden stellt auch eine Herausforderung für jeden von uns dar, und in besonderer Weise für die unter Ihnen, die durch die geduldige Arbeit der Diplomatie das Gemeinwohl der Menschheitsfamilie zu erreichen suchen. Es ist die ständige Herausforderung, die Mauern des Misstrauens und des Hasses niederzureißen durch die Förderung einer Kultur der Versöhnung und der Solidarität. Denn die Diplomatie als die Kunst des Möglichen beruht auf der festen und beharrlichen Überzeugung, dass Friede eher durch ruhiges Zuhören und durch Dialog erlangt werden kann als durch gegenseitige Schuldzuweisungen, unfruchtbare Kritik und Zurschaustellung von Macht. Friede ist nicht einfach das Nicht-Vorhandensein von Krieg, sondern "das Werk der Gerechtigkeit" (vgl. Jesaja 32,17). Und Gerechtigkeit als Tugend erfordert die Disziplin der Langmütigkeit; sie verlangt, dass wir vergangene Ungerechtigkeiten nicht totschweigen, sondern sie überwinden durch Vergebung, Toleranz und Zusammenarbeit. Sie verlangt die Bereitschaft, Ziele auszumachen und zu erreichen, die beiderseitig von Vorteil sind, und so die Grundlagen für gegenseitige Achtung, Verständigung und Versöhnung zu schaffen. Möge jeder von uns diese Tage dem Frieden widmen, dem Gebet für den Frieden und der Vertiefung unserer Entschlossenheit, ihn zu erreichen. (KNA)

Von Johannes Schidelko (KNA)