Kirchen und Moscheen in Jerusalem
Franziskus reist ins Heilige Land

Werben für Ökumene und Frieden

Es ist erst seine zweite Auslandsreise , und diese gilt dem Heiligen Land, der "Wiege des Christentums": Am Samstag bricht Papst Franziskus auf, um in nicht einmal drei Tagen Jordanien, Israel und die Palästinensergebiete zu besuchen. Die von Konflikten gebeutelte Region will der argentinische Pontifex mit seinem Kommen ermutigen, trotz der wieder einmal gescheiterten Suche nach einem Nahost-Frieden und des Bürgerkriegs im benachbarten Syrien ja nicht aufzugeben.

Rom/Jerusalem - 24.05.2014

Seine Pilgerreise habe jedoch "ausschließlich religiöse Bedeutung", unterstrich Franziskus bei der Generalaudienz.

Das könnte sich indessen als frommer Wunsch erweisen. Denn sowohl Palästinenser als auch Israelis möchten den Papst am liebsten vor den eigenen Karren spannen. Besucht der Argentinier ein palästinensisches Flüchtlingslager, fühlen sich die Palästinenser in ihrer Wut über die israelische Besatzung bestärkt. Legt Franziskus einen Kranz am Grab des Begründers des Zionismus, Theodor Herzl, nieder, dann kommt das für Israelis der Anerkennung ihres Landes als jüdischer Staat gleich. Und die Palästinenser sind sauer. Die jeweilige Gegenseite grummelt.

Um politische Fettnäpfchen möglichst zu umgehen und auch ein interreligiöses Zeichen zu setzen, nimmt Franziskus den Rabbiner Abraham Skorka und den Muslim Omar Abboud - Landsleute und Freunde von ihm - mit ins Heilige Land. Erstmals reisen damit Vertreter anderer Religionen mit einer Päpstlichen Delegation. "Leidenschaft für die Einheit" fordert Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und setzt auf Begeisterung für den ökumenischen Weg: "Erstmals in der Geschichte halten die Führer der katholischen und der orthodoxen Kirchen einen gemeinsamen Gottesdienst in der Grabes- und Auferstehungskirche."

Wallfahrt des Gebets

Für Franziskus gibt es vor allem einen kirchenhistorischen Anlass für die "Wallfahrt des Gebets": Vor fünf Jahrzehnten war sein Vorgänger Paul VI. als erster Papst dort. Im Januar 1964, also noch mitten im Zweiten Vatikanischen Konzil mit seinen Reformdiskussionen, hatte sich Paul VI. ins Heilige Land aufgemacht. Es war die erste Reise eines Pontifex ins Ausland seit eineinhalb Jahrhunderten. Die eigentliche Sensation der noch von viel Improvisation geprägten Visite eines Papstes etwa am Damaskus-Tor in der Jerusalemer Altstadt war diese: Paul VI. kam mit dem orthodoxen Patriarchen Athenagoras zu einer Art Gipfeltreffen zusammen - es galt als Durchbruch in dem Ost-West-Verhältnis der Kirchen, ganz im Sinne des Reform-Konzils.

"Das Hauptziel (der Reise) jetzt ist es, an die historische Begegnung zu erinnern", so hat Jorge Mario Bergoglio erläutert. Dies ist der Aufhänger, doch dürfte der außenpolitisch höchst interessierte Papst nicht nur ein ökumenisches Zeichen im Sinn haben. Wie bereits seine direkten Vorgänger Johannes Paul II. und Benedikt XVI. muss er die Not bedrängter Christen im Kernland ihres Glaubens im Auge behalten. Das Heilige Land soll nicht zum Museumsort der Christenheit werden, die Abwanderung oder Flucht von Gläubigen gilt es zu stoppen.

Aber gerade christenfeindliche Schmierereien rechter jüdischer Kreise überschatteten die Vorbereitungen der Reise. Dies vergifte die Atmosphäre , sagte der lateinische Patriarch von Jerusalem, Fuad Twal. Israelischen Sicherheitsdienste warnten vor Hass-Angriffen aus dem Lager gewaltbereiter Juden, die neben Christen sonst vor allem Palästinenser aufs Korn nehmen. Anschläge könnten das Image Israels schwer schädigen, befürchten die Verantwortlichen. Also sollen 8.000 Polizisten für einen störungsfreien Papstbesuch sorgen.

Kein interreligiöses Treffen

Das knapp dreitägige päpstliche Programm will all dem Rechnung tragen, wenn auch im Sauseschritt. In der Grabeskirche von Jerusalem kommt es also zu der ökumenischen Begegnung mit dem Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., und Vertretern anderer christlicher Kirchen. Ein interreligiöses - gemeinsames - Treffen von Papst, Rabbiner und Mufti steht allerdings nicht auf dem gedrängten Programm des Kirchenführers der weltweit 1,2 Milliarden Katholiken.

Zuvor will Franziskus im jordanischen Amman Flüchtlinge treffen, die Opfer der humanitären Katastrophe im Bürgerkriegsland Syrien sind. Und er will bei Bethlehem im Flüchtlingslager Dheisheh den Kindern dort Mut machen. Dass auch Franziskus während seiner Zeit in Israel das Holocaust-Zentrum Yad Vashem besichtigt und sich mit den Großrabbinern austauscht, das versteht sich von allein. "Ich bitte euch, für diese Reise zu beten", so rief er die Gläubigen auf, ihn auf seinem Weg auf ihre Weise zu begleiten und zu stützen.

Von Hanns-Jochen Kaffsack und Jan-Uwe Ronneburger