Moses trifft auf den Pharao – eine Szene aus dem Monumentalfilm "The Ten Commandments" von 1923
Public Domain Day – "Die Zehn Gebote" gemeinfrei

Werke von Odo Casel, Georges Bernanos und Franz Stock frei verfügbar

Zum 1. Januar 2019 werden alle Werke von Urhebern gemeinfrei, die 1948 gestorben sind. Unter den Autoren und Künstlern mit diesem Todesjahr sind auch einige prominente (und weniger prominente) Theologen, Priester und christliche Künstler.

Bonn - 01.01.2019

Mit dem Beginn des neuen Jahres erlischt auch für einige theologische und kirchliche Schriften der Urheberrechtsschutz. Am sogenannten "Public Domain Day" werden Werke von Autoren gemeinfrei, die länger als 70 Jahre verstorben sind. Neu frei verfügbar werden Werke von Autoren und Künstlern, deren Todesjahr 1948 ist.

Zu den bekanntesten Theologen mit diesem Todesjahr († 28. März) gehört der Liturgiewissenschaftler Odo Casel. Der Benediktiner aus der Abtei Maria Laach war einer der führenden Köpfe der Liturgischen Bewegung. In seinen Schriften beschäftigt er sich mit der Einheit von Glaubensgeheimnis und Kulthandlung.

Literarisch bedeutend sind die Werke des katholischen Schriftstellers Georges Bernanos († 5. Juli). Seine Werke spielen oft im ländlichen Milieu, haben Priester und Ärzte als Protagonisten und befassen sich mit dem Zwiespalt des Menschen zwischen Gut und Böse. Sein wohl bekanntester Roman ist das "Tagebuch eines Landpfarrers". Er war ein scharfer Kritiker des Nationalsozialismus wie des spanischen Faschismus und die opportunistische Haltung des spanischen Episkopats. Aus dem Exil setzte er sich für die Résistance ein. Zu den Bewunderern seines Werks gehören der Theologe Hans Urs von Balthasar und die Philosophin Simone Weil.

Franz Stock.

Franz Stock.war Seelsorger in Paris. In den Wehrmachtsgefängnissen und später im "Stacheldrahtseminar" von Chartres setzte er sich für die deutsch-französische Aussöhnung ein.

Weniger hinterlassen hat der Priester Franz Stock († 24. Februar), der sich als Seelsorger in den Pariser Wehrmachtsgefängnissen und im Stacheldrahtseminar von Chartres bereits während und unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg um die deutsch-französische Versöhnung verdient gemacht hatte. Unter seinen Schriften ist eine Geschichte der deutschen Seelsorge in Paris.

Bekannte Bischöfe, weniger bekannte Theologen und dichtende Pfarrer

Bischöfe, die 1948 gestorben sind, sind der Freiburger Erzbischof Conrad Gröber, dessen Verhalten in der NS-Zeit kontrovers diskutiert wird, sowie der damalige Primas von Polen, August Hlond, der aufgrund seiner Haltung gegenüber Juden in der Kritik steht. Der im selben Jahr verstorbene Eichstätter Bischof Michael Rackl war ein vorsichtiger Kritiker des Nationalsozialismus. Ihre Werke können nun ohne urheberrechtlichen Schutz leichter der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Kardinalprimas August Hlond

Kardinal August Hlond (1881-1948) leitete von 1926 bis 1948 als Primas die Polnische Bischofskonferenz.

Die freie Online-Enzyklopädie Wikipedia sammelt alle ihr bekannten Verstorbenen des Jahres in einer Liste. Dort finden sich noch viele weitere Theologen, unter anderem der Prager Kirchenrechtler Karl Hilgenreiner († 9. Mai), der Straßburger Kirchenhistoriker Eugène Müller († 14. Januar), Kirchenhistoriker und Kurienforscher Paul Maria Baumgarten († 29. Dezember) und der evangelische Theologe der Bekennenden Kirche Julius Schniewind († 7. September), der zum Verhältnis von Altem zu Neuem Testament forschte. Gemeinfrei werden auch die Schriften des Salesianers Johannes Lechermann († 8. November) über den heiligen Don Bosco, seine Familie und die Bedeutung Marias für den Heiligen. Der Priester und Lehrer Wilhelm Capitaine († 14. September) schrieb Heimatkundliches und Bücher für den Religionsunterricht sowie unter Pseudonym Erzählungen und Romane. Auch mit dem Dialekt seines Geburtsorts Pier bei Düren hat er sich beschäftigt und eine Pierer Grammatik verfasst. Ein Pfarrer war auch der Westerwälder Heimatdichter Wilhelm Reuter († 13. August), der Gedichte in Nassauer Mundart in Sammlungen wie "Gott, dau host vill Vehlcher" veröffentlichte.

Kirchenmusik und die Zehn Gebote

Auch geistliche Musik wird gemeinfrei: So starb 1948 der Priester und Kirchenmusiker Franz Xaver Müller († 3. Februar), der zum Komponisten Anton Bruckner forschte und mehrere Messen und Symponien hinterlassen hat.

Das Urheberrecht schützt auch nach dem Tod des jeweiligen Urhebers dessen Werke. Erst nach Ablauf der sogenannten "Regelschutzfrist", die in der EU 70 Jahre beträgt, erlischt für diese Werke der Schutz des Urheberrechts. Die Gemeinfreiheit beginnt jeweils am 1. Januar nach dem Todestag.

Solche gemeinfreien Werke können ohne Genehmigung der vormaligen Rechteinhaber weiterverwendet und veröffentlicht werden, beispielsweise in Sammlungen freien Wissens wie Wikimedia Commons und Project Gutenberg. In den USA gehen zum 1. Januar 2019 erstmals seit 20 Jahren Werke in die Gemeinfreiheit über, nachdem die Schutzfrist zuvor mehrfach verlängert wurde. Damit ist nun der Monumentalfilm "The Ten Commandments" ("Die Zehn Gebote") des Regisseurs Cecil B. DeMille aus dem Jahr 1923 erstmals gemeinfrei verfügbar. (fxn)