Ministranten werden wegen der Hitze mit Wasser gespritzt.
Kleine Pannen und große Abkühlung bei der Ministrantenwallfahrt

Wie die Hitze den Messdienern zusetzt

Eine Pilgerfahrt nach Rom ist sehr beeindruckend – und sehr anstrengend. Zumal, wenn das Thermometer fast 40 Grad anzeigt und es zu kleinen Pannen kommt. Für Abhilfe sorgen dann nicht nur die Malteser.

Von Kilian Martin |  Rom/Bonn - 02.08.2018

Für tausende Jugendliche dürfte die Internationale Ministrantenwallfahrt nach Rom ein unvergessliches Erlebnis sein. Doch in manchen Momenten sind sie nicht zu beneiden. Ungemütliche 36 Grad Celsius zeigte das Thermometer an, als sich am Dienstag die ersten Teilnehmer zur Papstaudienz am Petersplatz einfanden. Da dauerte es allerdings noch Stunden bis zur Ankunft von Papst Franziskus. Eine Geduldsprobe, die auch physisch herausfordert.

Auf Twitter klagte Christian Hennecke, Generalvikariatsrat aus dem Bistum Hildesheim, am Nachmittag über die "außergewöhnlich unorganisierte" Situation vor Ort. Seit 15 Uhr habe er mit seiner Gruppe in der prallen Sonne auf Einlass zur Audienz gewartet, ohne in der Schlange nennenswert voran zu kommen. Der volle Einsatz der Ministranten fiel immerhin auch dem Papst auf. "Ich habe gesehen, dass ihr schon heute Mittag hier wart, und das in dieser Hitze: Ihr seid mutig!", erklärte Franziskus gegen 18 Uhr.

Sicherheit sorgt für lange Schlangen

Das konnten manche Wallfahrtsteilnehmer zwar hören, aber nicht sehen. Trotz stundenlangem Warten in der Sonne hatten sie es nicht mehr auf den Petersplatz geschafft. Ein ärgerlicher Umstand, der den notwendigen Sicherheitsvorkehrungen vor Ort geschuldet war, erklärte Daniela Elpers, stellvertretende Pressesprecherin der Deutschen Bischofskonferenz, später gegenüber katholisch.de. Die Security am Petersplatz habe zunächst noch jede Tasche und jeden Rucksack einzeln kontrolliert; bei mehreren Zehntausend Teilnehmern ein zeitraubendes Unterfangen. Die Organisatoren der Wallfahrt hätten den Zugang zum Platz später immerhin etwas beschleunigen können, sagte Elpers.

Ob noch vor oder schon hinter den Sicherheitsschleusen war für alle Teilnehmer vor allem das Warten in der Hitze eine körperliche Herausforderung. Auch hier habe die Bischofskonferenz versucht, Abhilfe zu verschaffen: Alleine 80.000 Flaschen Trinkwasser hätten die Organisatoren für die Teilnehmer auf dem Platz bereitgestellt. Und die Organisatoren sorgten auch für äußerliche Bewässerung. Auf ihre Initiative hin sei die Vatikanische Feuerwehr zu einem Sondereinsatz eingerückt, erklärte Elpers. In der sengenden römischen Hitze zauberten sie mit Schlauch und Strahlrohr einen künstlichen Regen.

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Sie haben getanzt, gesungen und gefeiert: 60.000 Ministranten sind in Rom auf Papst Franziskus getroffen.

Für Hilfe am Petersplatz sorgen dieser Tage nicht zuletzt die Malteser aus dem Erzbistum Freiburg. Der Hilfsdienst ist mit 38 Einsatzkräften vor Ort, darunter fünf Ärzte und ebenso viele Vertreter der evangelischen Johanniter-Unfall-Hilfe, sagt Leonie Hannappel vom Malteser-Hilfsdienst. In einer kirchlichen Schule, nur einen Steinwurf vom Vatikan entfernt, haben sie ihre Ambulanz eingerichtet.

Das Ziel: Jugendliche fit für die Wallfahrt machen

Hannappel ist bereits zum vierten Mal im Einsatz bei der Ministrantenwallfahrt in Rom und weiß, was die Helfer dort erwartet. "Unser Ziel ist vor allem, die Jugendlichen wieder fit für die Wallfahrt zu machen." Täglich von 9 bis 21 Uhr kümmerten sie sich deshalb vor allem um viele kleinere Blessuren wie Insektenstiche oder Blasen. So müssten die Jugendlichen nicht extra ein Krankenhaus aufsuchen und könnten schnell zu ihrer Gruppe zurück.

Damit das gelingt, haben die Freiburger Helfer jede Menge Material mit nach Italien gebracht. In insgesamt zehn Fahrzeugen haben sie alleine 300 Liter Infusionen, tausende Tabletten und andere Medikamente sowie 14 Kilometer Verbandsmaterial über die Alpen transportiert.



Ob sie damit ausreichend gewappnet sind, wird sich vor allem jetzt gegen Ende der Woche zeigen. Dann erwarten die Malteser steigende Einsatzzahlen, wie Hannappel erklärt. Nach fast einer Woche aufs Roms Straßen werde die Wallfahrt dann dem einen oder anderen Teilnehmer an die Substanz gehen. Und schon in den Tagen zuvor mache sich bei einigen die große Hitze körperlich bemerkbar. Dehydration, Erschöpfung und Übelkeit seien typische Symptome, mit denen die Jugendlichen in die Ambulanz kommen, so Hannappel. Am Dienstag, dem Tag der Papstaudienz, hätten sie dort insgesamt etwa 100 Jugendlichen geholfen. Nicht sonderlich viel, vergleicht man die Zahl mit anderen Großeinsätzen. Beim Konzert der Heavy-Metal-Band Iron Maiden in Freiburg Anfang Juli verzeichneten die Malteser etwa gleich viele Einsätze – bei 30.000 Besuchern, also etwa halb so vielen wie bei der Papstaudienz in Rom.

Einsatz an den schönsten Orten der Stadt

Abgesehen vom Dank, den ihnen die aufgepäppelten Patienten sicher entgegen bringen, dürfen sich die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer auch über einen kleinen persönlichen Bonus freuen. Die Einsatzleitung versuche, jedem ein bis zwei halbe Tage während der Wallfahrtswoche frei zu geben, erklärt Hannappel. Doch auch sonst sei der Dienst in Rom etwas ganz Besonderes. Dazu trügen laut Hannappel auch die Schauplätze des Einsatzes bei: "Sankt Paul vor den Mauern ist ein schönes Stück Rom", schwärmt die Malteserin. Zum Eröffnungsgottesdienst der Teilnehmer aus dem Erzbistum Freiburg am Montag hatten Hannappel und Kollegen im berühmten Vorhof der Basilika eine Hilfsstation eingerichtet. "Nicht zu vergleichen mit einem x-beliebigen Sportplatz."

Von Kilian Martin

Themenseite: Ministrantenwallfahrt

Vom 29. Juli bis 3. August ist es wieder soweit: Über 50.000 Ministranten aus allen Regionen Deutschlands machen sich auf zu der alle vier Jahre stattfindenden Romwallfahrt. Katholisch.de wird die Messdiener auf ihrem Weg durch die Ewige Stadt begleiten.