Die Deutsche Alina Oehler vertritt die internationale Frauenorganisation "Voices of Faith" bei der Vorsynode zur Jugendsynode 2018.
Alina Oehler berichtet vom Jugendtreffen in Rom

Wir haben einen "starken Text" verabschiedet

Alina Oehler ist zufrieden mit dem Abschlussdokument der Jugend-Vorsynode, die heute in Rom zuende ging. Auch Themen wie die Rolle der Frau in der Kirche und Homosexualität seien nicht ausgespart worden.

Von Alina Oehler |  Rom - 24.03.2018

Geschafft! Das finale Dokument unseres vorsynodalen Treffens wurde heute Morgen vorgestellt und verabschiedet. Die Erleichterung war allen müden Gesichtern deutlich anzumerken. Ob wirklich alle damit zufrieden sind? Der erste Eindruck spricht dafür.

Es war in den letzten Tagen spannend zu sehen, wie sich das Dokument seit seinem ersten Entwurf weiterentwickelt hat. Aus den sieben Seiten der ersten Version wurden am Ende 16 Seiten, trotz einer größeren Schriftart ein deutliches Wachstum. An manchen Stellen wurde dabei bemängelt, dass sich der Grundton des Dokuments etwas verändert hatte. Die erste Version war zumindest in einem Teil vom Sprachstil her deutlich pointierter. Dass der Ton nun ausgeglichener wurde, verwundert jedoch angesichts der unterschiedlichen Hintergründe der Teilnehmer nicht und der aufmerksame Leser wird erkennen, an welcher Stelle womöglich einzelne Gruppen auf eine Nennung ihrer speziellen Anliegen bestanden hatten. Den Prozess hat dabei ausgezeichnet, dass das Redaktionsteam sehr darauf bedacht war, sicher zu gehen, dass jede Position eine entsprechende Mehrheit hinter sich versammelt, so mein Eindruck.

Jugendliche wollen eine "authentische, nahbare, tranparente, liebvolle Kirche"

Was das Verfahren anging, gab es jedoch im Umfeld immer wieder auch kritische Stimmen. Innerhalb so kurzer Zeit mit 300 Teilenehmern ein Dokument zu erstellen und zu überarbeiten, heißt wohl zwangsläufig auch an Transparenz einzubüßen, beziehungsweise die Verantwortung an eine kleine Gruppe zu delegieren, die die Änderungswünsche gesichtet und ausgewertet hat. Was manch einen hier ärgert: Wie die einzelnen Redakteure ausgewählt wurden, war überwiegend unklar. Ein Eindruck, der sich insgesamt durch die Vorsynode zog. Viele Teilnehmer wurden sehr kurzfristig eingeladen und wussten so gut wie nichts über die Hintergründe. Der auch im Dokument benannte Wunsch nach mehr Transparenz in der Kirche kann da nicht überraschen.

Trotz der vielen unterschiedlichen Punkte freue ich mich nun über das Grundanliegen, das im Dokument deutlich wird: der Wunsch nach einer authentischen, nahbaren, transparenten, liebevollen Kirche, die junge Menschen ernst nimmt und sie bei der Suche nach ihrer persönlichen Berufung unterstützt. Das wird in allen Teilen deutlich. Angesichts dieser Einigkeit sahen nicht wenige den Heiligen Geist am Werk.

Und natürlich freue ich mich sehr, dass das Anliegen über die Rolle von Frauen in der Kirche zu sprechen gleich an vier verschiedenen Stellen im Dokument nicht nur auftaucht, sondern jeweils breiten Raum einnimmt. Augenscheinlich stellt sich die Frage über die Ländergrenzen hinweg. Auch Homosexualität und Gender tauchen kurz auf, im Hintergrund war das bis zuletzt umstritten.

So kurz nach der Veröffentlichung überwiegt also vor allem das Gefühl der Freude einen starken Text voller Wünsche und Hoffnungen an die Spitze der katholischen Hierarchie zu schicken. Kardinal Baldisseri sicherte uns zu diese Anliegen weiterzutragen: „I will do my best“. Das hoffen wir nun alle und nehmen ihn beim Wort.

Von Alina Oehler