Die unbesetzte Regierungsbank im Bundestag.
Kritik an Kabinettsumbildung nach Schavan-Rücktritt

Wo bleiben die Katholiken?

Nach dem Rücktritt von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) im Zuge der Plagiatsaffäre kommt aus der katholischen Kirche Kritik an der Regierungsumbildung. Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) bemängelte einen großen öffentlichen Druck im Wahljahr.

Berlin - 10.02.2013

Mit Blick auf Schavans Nachfolgerin Johanna Wanka kritisierte ein namentlich nicht genanntes Mitglied des Zentralkomitees der Katholiken (ZdK) mangelnden konfessionellen Proporz in der schwarz-gelben Regierung. Unter den sieben CDU-Ministern und Kanzlerin Angela Merkel befinde sich mit Umweltminister Peter Altmaier nur noch ein einziger Katholik. Schavan ist praktizierende Katholikin, Wanka Protestantin.

Der "Bild am Sonntag" sagte der Informant, der der CDU und dem ZdK angehört: "Früher wurde in der CDU bei der Besetzung von Ämtern auf eine Ausgewogenheit zwischen Protestanten und Katholiken geachtet. Das ist vorbei. Leider."

Frauenbund kritisiert Universität Düsseldorf

Der Katholische Frauenbund wies darauf hin, dass bis heute nicht geklärt sei, ob das Verfahren der Düsseldorfer Universität zur Aberkennung des Doktortitels rechtens sei. "Wir haben Annette Schavan als integre Persönlichkeit sowie als engagierte Theologin und kompetente Bildungspolitikerin erlebt", so KDFB-Präsidentin Maria Flachsbarth am Wochenende in Köln. Schavan war von 1991 bis 1999 Vizepräsidentin der Organisation.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan.
Bild: © KNA

Bundesbildungsministerin Annette Schavan.

Schavan war am Samstag zurückgetreten. Sie wolle das Amt der Bildungsministerin und ihre Partei nicht durch ihre Klage gegen die Universität Düsseldorf belasten. Wenige Tage zuvor hatte die Hochschule ihr den vor 33 Jahren erworbenen Doktortitel aberkannt. Merkel sagte bei einem gemeinsamen Presseauftritt, sie habe den Rücktritt "sehr schweren Herzens" angenommen. Als Schavans Nachfolgerin nominierte sie die scheidende niedersächsische Wissenschaftsministerin Wanka (CDU).

ZdK-Präsident Alois Glück sagte auf Anfrage, der Vorgang sei eine "menschliche Tragödie". Schavan habe über eineinhalb Jahrzehnte die Bildungspolitik wesentlich geprägt. Sie sei ein "unabhängiger Geist, der auch den Mut hat, eigene Positionen zu beziehen und der keine Widerstände scheut". Als engagierte Katholikin habe Schavan das kirchliche Leben wesentlich mitgeprägt.

Respekt von der Opposition

Auch Politiker der Opposition äußerten sich mit Respekt über Schavan und ihre Rücktritts-Entscheidung. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel bezeichnete Schavan in der "Welt am Sonntag" als "eine hoch anständige und kompetente Kollegin, um die es mir außerordentlich leid tut". Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin nahm den Rücktritt ebenfalls "mit Respekt" zur Kenntnis.

Schavan, Jahrgang 1955, studierte in Bonn und Düsseldorf Erziehungswissenschaften, Philosophie und Katholische Theologie. 1980 wurde sie mit einer Arbeit zum Thema "Person und Gewissen" promoviert. Im Jahr 1980 begann sie ihre berufliche Laufbahn bei der Studienförderung Cusanuswerk in Bonn. 1991 übernahm sie die Leitung des Begabtenförderungswerks der katholischen Kirche. Von 1994 bis 2005 war Schavan ZdK-Vizepräsidentin. Kirchenpolitisch mischte sie sich weiterhin ein und unterstützte etwa die Initiative "Ökumene jetzt". (stz/KNA)