Papst Franziskus fährt zu Beginn einer Generalaudienz mit dem Papamobil durch die Menge.
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Papst Franziskus feiert Messe in Albanien

"Wo Jugend ist, da ist Hoffnung"

Papst Franziskus hat der Kirche in Albanien für ihre Treue zum Glauben in Zeiten der Verfolgung gedankt. Der Balkanstaat sei unter der kommunistischen Diktatur bis 1990 ein Land der Märtyrer gewesen, sagte der Papst bei seiner Messe in der albanischen Hauptstadt Tirana. "Viele Bischöfe, Priester, Ordensleute und gläubige Laien habe ihre Treue mit dem Leben bezahlt." Der eintägige Albanien-Besuch des Papstes ist seine vierte Auslandsreise und die erste in ein europäisches Land außerhalb Italiens.

Tirana - 21.09.2014

Auch Orthodoxe und Muslime hätten entsetzliche Leiden und härteste Verfolgungen in den Zeiten ohne Religionsfreiheit aushalten müssen, betonte Franziskus. Die Menschen rief er auf, die Kirche und die christliche Botschaft in ihrem Land neu zu beleben. "Euer Glaube sei froh und strahlend", rief er den Zehntausenden auf dem Mutter-Teresa-Platz in der albanischen Hauptstadt zu, die sich auch von einem kräftigen Regenschauer nicht vom Jubeln abhielten ließen. Die einstigen kommunistischen Herrscher verfolgten den Glauben nach Franziskus' Worten aus "Angst vor der Wahrheit und vor der Freiheit". Sie "taten alles, um Gott aus dem Herzen des Menschen zu verbannen".

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Eine von zahlreichen, mit wenig Geld errichteten Kirchen Tiranas in Hallenbauweise.

Der Papst wandte sich in seiner Predigt besonders an die jungen Menschen. Albanien sei ein junges Land. "Und wo Jugend ist, da ist Hoffnung", so Franziskus. Er appellierte an sie, dem Götzendienst des Geldes und den Versuchungen des Individualismus zu widersagen. Jeder solle sich berufen fühlen, das Evangelium zu verkünden und die Solidarität für eine gerechtere Gesellschaft zu stärken.

Papst würdigt Mutter Teresa

Der Papst war am Morgen auf dem Mutter-Teresa-Flughafen in Tirana zunächst von Ministerpräsident Edi Rama begrüßt worden. Anschließend traf er Präsident Bujar Nishani in dessen Residenz. Im offenen Papamobil begab sich Franziskus dann vorbei an Zehntausenden jubelnden Teilnehmern zum Mutter-Teresa-Platz. Die Selige Ordensfrau würdigte er in seiner Predigt als "demütige und große Tochter dieses Landes".

Zu Beginn der Reise hatte der Papst betont, dass Religion niemals als Rechtfertigung für Gewalt dienen dürfe. "Niemand nehme die Religion zum Vorwand für seine Taten, die der Würde des Menschen und seinen Grundrechten entgegen stehen, an erster Stelle dem Recht auf Leben und auf Religionsfreiheit aller", sagte er. Das harmonische Zusammenleben der verschiedenen Glaubensgemeinschaften sei ein unschätzbares Gut für den Frieden und die Entwicklung eines Volkes, so Franziskus bei der Begrüßung im Präsidentenpalast in Tirana. Das mehrheitlich muslimische Albanien sei ein glückliches Beispiel dafür, dass diese Harmonie gelingen könne. In Albanien gibt es nur 15 Prozent Katholiken.

Albanien war 1967 von den Kommunisten zum ersten atheistischen Staat der Welt erklärt worden. Moscheen und Kirchen wurden geschlossen oder sogar abgerissen. Viele Geistliche und Gläubige wurden ins Gefängnis geworfen und ermordet. (som/KNA/dpa)

Das weitere Programm der Papst-Reise

16.00 Uhr: Begegnung mit den Führern anderer Religionen und anderer christlicher Konfessionen an der Katholischen Universität "Nostra Signora del Buon Consiglio" 17.00 Uhr: Vesperfeier mit Priestern, Ordensleuten, Seminaristen und Laienbewegungen in der Kathedrale von Tirana 18.30 Uhr: Begegnung mit den Kindern des Bethanien-Zentrums und mit in anderen albanischen Assistenzzentren betreuten Personen in der Kirche des Bathanien-Zentrums 19.45 Uhr: Abschiedszeremonie am Internationalen Flughafen Tirana-"Mutter Teresa" 20.00 Uhr: Abflug von Tirana zum Flughafen Rom-Ciampino (som)