Woelki plädiert leidenschaftlich für Zölibat
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Predigt des Kölner Erzbischofs in der Karwoche

Woelki plädiert leidenschaftlich für Zölibat

Zuletzt wurde viel über den Zölibat diskutiert - auch wegen eines Brandbriefes von Priestern aus dem Erzbistum Köln. Nun hat sich Kardinal Woelki dazu zu Wort gemeldet.

Bonn - 12.04.2017

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat ein leidenschaftliches Plädoyer für den Zölibat abgelegt. Die ehelose Lebensform der Priester bedeute "keine Geringschätzung der Ehe", sagte der Erzbischof in einem Gottesdienst in der Karwoche. "Im Gegenteil! Wir haben mit unserer Entscheidung auf etwas Großes verzichtet, um dem Ruf des Herrn folgend - frei von der Sorge um eine eigene Familie - uns mit ganzer Kraft dem Dienst an der Familie Gottes zu widmen."

Solidarisch mit ehelosen Menschen

Mit ihrer Lebensentscheidung solidarisierten sich die Priester mit den ungezählten Menschen, denen das Glück einer Ehe versagt sei, betonte Woelki. Er verwies auf Menschen, die niemanden haben, "von dem sie geliebt werden, deren Leben in diesem Punkt unerfüllt bleibt". Weil sich die Priester von Gott geliebt wissen, könnten sie solchen Menschen, "denen in ihrem Leben eine solch liebende Beziehung vorenthalten wurde, Vater, Bruder und Freund sein".

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Was ist ein Priester? Ein Beitrag der Serie "Katholisch für Anfänger".

Der Erzbischof räumte ein, dass es auch einsame Stunden im Leben eines Priesters gebe. "Aber gehören die denn nicht grundlegend zu einem jeden menschlichen Leben?", fragte Woelki. "Treffen wir auf solche Stunden nicht auch in einer ehelichen Partnerschaft?" Priester seien in einer "sehr existenziellen Weise" dem Leben Jesu nahe, indem sie "an seiner Einsamkeit" und "an seinem Unverstanden-Sein" teilhätten. Dies bedeute aber keine "Verkümmerung unseres Menschseins, sondern eröffnet neue Möglichkeiten echter Freiheit und schöpferischer Liebe".

Zu Jahresbeginn hatten elf Priester aus dem Erzbistum Köln in einem Offenen Brief zu ihrem Goldjubiläum die verpflichtende Ehelosigkeit von Klerikern kritisiert. Der Zölibat führe immer wieder zu fruchtloser Vereinsamung und hilfloser Erfahrung von Einsamkeit.

Sternberg gegen Pflicht-Zölibat

Auch der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, wandte sich wiederholt gegen eine verpflichtende Verbindung von Priesterweihe und Zölibat. Darin sieht er einen Grund für die sinkende Attraktivität des Priesterberufs. (KNA)

"Weil uns die Kirche nicht gleichgültig ist"

1967 wurden die elf Männer im Erzbistum Köln zu Priestern geweiht. 50 Jahre später nehmen sie in einem offenen Brief Stellung zur aktuellen Situation der Kirche. Sie sprechen von Enttäuschungen, Hoffnungen und darüber, warum der Zölibat für sie selten eine spirituelle Quelle war.