Wut-Predigt von Pfarrer fast 30.000 Mal geklickt
Hermann-Josef Lücker wird zum Internet-Hit

Wut-Predigt von Pfarrer fast 30.000 Mal geklickt

Den Bischöfen wirft er "Rumgeeiere" vor. Und Frauen sollten seiner Ansicht nach eine neue Stellung als Priesterinnen einfordern: Diese im Internet veröffentlichte Predigt eines Pfarrers aus dem Bistum Münster sorgt derzeit für Furore.

Münster - 25.03.2019

Die Wut-Predigt eines Pfarrers im niedersächsischen Visbek ist im Internet über 29.000 Mal geklickt worden. Darin kritisiert er mit sehr emotionalen Worten den Umgang der Kirche mit Missbrauch und Finanzen, wie das Online-Magazin "Kirche und Leben" berichtete. Die Gemeinde Sankt Vitus, in der er tätig ist, überträgt ihre Sonntagsgottesdienste live im Internet und speichert sie.

Während Pfarrer Hermann-Josef Lücker mit seinen Predigten sonst nur wenige hundert Zuschauer erreicht, sind es diesmal fast 30.000 (Stand: Montag, 25.03.2019). Die Stadt Visbek hat knapp 10.000 Einwohner, die Pfarrgemeinde gehört zum Bistum Münster.

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Predigt ab Minute 25.

Den Umgang mit dem Missbrauch von Kindern durch Geistliche nannte Lücker "unvorstellbar und unfassbar". Jetzt sei es Zeit, dass Frauen ihren Mund aufmachten und eine neue Stellung als Diakoninnen und Priesterinnen einforderten. Gleichgeschlechtliche Partner müssten einen kirchlichen Segen bekommen können.

Der Geistliche warf den Bischöfen Uneinigkeit und "Rumgeeiere" vor. So sei das geplante Papier, wonach evangelische Ehepartner von Katholiken die Kommunion empfangen dürfen sollen, nach Widerspruch innerhalb des Episkopats "Schnee von gestern". Lücker: "Wer steht wieder dumm da? Wir vor Ort." Zugleich wandte er sich dagegen, dass sich die Menschen "den Mund fusselig" reden über den Zölibat. "Das geht mir schon auf den Geist." Eine Abschaffung brächte nicht mehr Priester, so der Pfarrer.

Hermann-Josef Lücker (56) wurde 1996 zum Priester geweiht und arbeitet seit 2004 als Pfarrer in St. Vitus Visbek. Seit 2000 sitzt er im Priesterrat des Bistums Münster und ist seit 2013 Landes-Frauenseelsorger im oldenburgischen Teil der Diözese. (tmg/KNA)