Konrad Zdarsa hält die Hände zum Gebet gefaltet-
Bischof betont hohe Verantwortung von kirchlichen Ämtern

Zdarsa kritisiert Reformvorschläge für die Kirche

"Der mögliche Missbrauch von vermeintlicher Macht wird doch nicht dadurch verhindert, dass man möglichst viele unterschiedslos daran zu beteiligen versucht": Bischof Konrad Zdarsa hat Rufen nach Kirchenreformen eine Absage erteilt.

Augsburg - 09.06.2019

Der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa hat bestimmten Rufen nach Kirchenreformen eine Absage erteilt. Zdarsa fragte am Pfingstsonntag im Augsburger Dom, ob sich die, die "den unterschiedslosen Zugang zu allen Ämtern der Kirche fordern, darüber im Klaren sind, dass solcher Zugang auch den Zugang zu einer hohen Verantwortung bedeutet, die niemand aus eigenem Anspruch und eigener Kraft zu übernehmen und zu tragen vermag". Man dürfe schon fragen, wie Weltchristen, denen doch die besondere welthafte Gestalt eigen sei, ihren Weltauftrag zur geistlichen Durchdringung ihres Umfelds einfach so vernachlässigen und übergehen könnten.

Weiter sagte der Bischof: "Der mögliche Missbrauch von vermeintlicher Macht wird doch nicht dadurch verhindert, dass man möglichst viele unterschiedslos daran zu beteiligen versucht, anstatt sich auf die Macht der Kinder Gottes zu besinnen und alle geistliche Vollmacht auf ihre geistlichen Wurzeln zurückzuführen." Er habe doch sein Priestertum und sein Bischofsamt nie als verdient, erkämpft und erworben angesehen, so Zdarsa.

Sehnsucht nach einer einfachen Kirche

"Meine Sehnsucht nach einer einfachen Kirche ist in der Klarheit und Einfachheit des Gotteswortes grundgelegt", ergänzte der Oberhirte. "Und wer es beherzigt, ist nicht in der Versuchung, die Verkündigung des Evangeliums und die Entscheidung dafür regionalisieren und nationalisieren zu wollen." Verkündigung sei keine Einbahnstraße. "Predigt ist nicht nur ein Auftrag an den Prediger, sondern ebenso an die Hörer." Zu Ende gesprochen sei das Wort der Verkündigung erst, wenn es in die Tat umgesetzt worden sei. Für die Verkündiger der Frohen Botschaft gelte für alle Zeiten, dass sie die Sprache des eigenen Glaubens und die Sprache derer sprechen müssten, zu denen sie von Gottes Geist gesandt seien. "Die Sprache des Geistes sprechen und die Sprache der Zeit, niemals aber die Sprache des Zeitgeistes."

Zdrasa war am Freitag 75 Jahre alt geworden. Er hat damit die vom Kirchenrecht für Bischöfe vorgesehene Altersgrenze erreicht. Das Bistum Augsburg rechnet damit, dass der Papst das bereits Ende vergangenen Jahres von Zdrasa eingereichte Rücktrittsgesuch bis Anfang Juli annimmt. Kurz vor seinem erwarteten Rücktritt hat sich der Bischof zuletzt mehrfach zu Wort gemeldet. Vor zwei Wochen etwa kritisierte er die Initiative "Maria 2.0", die bei bundesweiten Aktionen unter anderem den Zugang von Frauen zu allen Weiheämtern in der Kirche gefordert hatte. Das Anliegen der Initiative sei "nicht im Sinne des katholischen Glaubens", schrieb Zdarsa in einer Erklärung. Wer andere aufrufe, der Eucharistie fern zu bleiben, der "schließt sich de facto selbst von der eucharistischen Gemeinschaft aus". (stz/KNA)