Das Bild zeigt die alte Vikarie (links) und die neue Kapelle (mitte).
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Bischof Tebartz-van Elst ist Thema bei Günther Jauch

Zeit für andere Fragen

Welchen Sinn hat eigentlich eine Talkrunde, wenn sich im Grunde alle einig sind? Nur wenig, wie sich am Sonntagabend zeigte, als bei Günther Jauch das Schicksal des Limburger Bischofs diskutiert werden sollte. Doch nicht nur daran krankte die Gesprächsrunde, sondern auch an dem Umstand, dass Jauch das ganze große Kirchenrad drehen wollte.

Bonn - 14.10.2013

Dass Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst Fehler gemacht hat, wusste man auch schon vor der Sendung. Dazu musste die Journalistin und Leiterin der Redaktion "Christ und Welt" Christiane Florin dem Bischof keinen überheblichen Umgang mit Recht und Wahrheit konstatieren. Das hat die Hamburger Staatsanwaltschaft schon getan.

Auch die Wiederholung der Diagnose von Jochen Riebel , einem der drei Mitglieder des Vermögensverwaltungsrates in Limburg, der Bischof sei ein kranker Mann, war genauso redundant wie Norbert Blüms Erkenntnis, dass eine Badewanne keinem Gottesdienst diene.

In der Debatte um den Limburger Bischof ist bereits viel gesagt worden – in mancher Hinsicht auch zu viel. Während dieser in Rom weilt, sollte es langsam um andere Aspekte dieses Dramas gehen.

Wer am Boden liegt...

Zum Beispiel die Rolle der Medien. Als der Trierer Bischof Stephan Ackermann Mitleid für seinen Amtsbruder bekundete, tat er dies nicht aus sturer Loyalität. Ungeachtet seiner Fassungslosigkeit über die Vorgänge im benachbarten Bistum tue ihm Tebartz-van Elst "menschlich leid, weil hier jemand im Grunde vernichtet wird", so Ackermanns Schuss gegen so manche Überschrift der vergangenen Tage.

Sicherlich: Nicht wenige Redakteure werden zu Recht zustimmend applaudiert haben, als Florin mit der Pressearbeit des Bischofs und des Bistums hart ins Gericht ging. An die gleichen Personen richtete sich aber auch der Arzt, Theologe und Publizist Manfred Lütz. Ihn mache es besorgt, wenn auf jemanden, der am Boden liegt, noch "draufgehauen" werde, sagte er.

Ebenso wäre es nun Zeit, sich eingehender mit der Gesamtverantwortung im Fall Limburg zu beschäftigen. Zwar konnte Jochen Riebel mit vielen traurigen Einzelheiten über heulende Dombaumeister und Vertuschungsversuche des Bischofs aufwarten. Die Frage von Lütz, warum der Vermögensverwaltungsrat erst Anfang Oktober mit der Nachricht an die Presse gegangen sei, dass es im Bistum schon für 2012 keinen Haushalt gegeben habe, blieb aber unbeantwortet. Das Argument, man habe als Rat keine Aufsichtsfunktion, wurde umso schwächer, je öfter Riebel es vorbrachte.

Selbst wenn Riebel und seine beiden Kollegen tatsächlich so machtlos sind, hätten laut Ackermann andere Instanzen greifen müssen. Trotz der herausragenden Stellung eines Bischofs gebe es genug Kontrollgremien, so Ackermann, und darin säßen schließlich "keine Kommunionkinder".

Auch stellte Ackermann die Frage, ob die Berater des Limburger Bischofs nicht eher hätten eingreifen müssen."Hätte es nicht vorher eine Gelegenheit gegeben, zu sagen: 'Hier läuft etwas aus dem Ruder'?" Dazu hätte man gerne noch mehr gehört. Oder auch zur Ansicht von Florin, dass sich Aufsichtsgremien so oft von Bischöfen blenden lassen.

Themen für mehrere Synoden

Doch zu einer tief gehenden Debatte über Medien und Strukturen, die von Florin kritisert wurden, kam es nicht. Nachdem man allerseits lobende und gar überschwängliche Worte für die Amtsführung von Papst Franziskus fand, wollte Jauch das ganz große Kirchenrad drehen: Frauen im Priesteramt, Zölibat, das Verhältnis zur Homosexualität und die Freiburger Handreichung zum Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen – eher Stoff für mehrere Synoden , denn für 30 Minuten verbleibende Talkzeit.

Christiane Florin blieb noch zu bekunden, dass sie als Katholikin im Papst "da oben einen Verbündeten sehe", Manfred Lütz ermahnte nicht nur Bischöfe, sondern auch Laien, doch bitte kleinere Autos zu fahren und Norbert Blüm schwärmte von Papst Franziskus und einem "Gott der Liebe".

Das Schicksal scheint besiegelt

Die Fehler des Franz-Peter Tebartz-van Elst waren vor der Sendung bereits genauso bekannt wie der Umstand, dass Norbert Blüm seine Frau einst in einer Vorlesung des Bonner Theologie-Professors Joseph Ratzinger kennengelernt hatte.

Was man aber immer noch nicht weiß, ist, welche Konsequenzen das Bistum, die Kirche in Deutschland und die Medien aus dieser Affäre zu ziehen haben. Lediglich das Schicksal des Bischofs scheint besiegelt – jedenfalls, wenn man den Worten von Bischof Ackermann folgt. Aufgrund des immensen Vertrauensverlustes könne Tebartz-van Elst in Limburg nicht mehr arbeiten, sagte Ackermann.

Doch mit einem etwaigen Rücktritt ist die Affäre um das Diözesane Zentrum noch lange nicht beendet. Dann sollte es aber nicht mehr nur noch um Badewannen und Gestänge für Adventskränze gehen. Es wird Zeit, andere Fragen zu stellen.

Von Christoph Meurer

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