Der Eichstätter Dom.
Staatsanwaltschaft prüft auch Anfangsverdacht gegen Bischof Hanke

Weiterer Verdächtiger im Eichstätter Finanzskandal

Ende 2018 wurde bekannt, dass im Eichstätter Finanzskandal insgesamt vier Personen im Visier der Justiz sind. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen einen weiteren Verdächtigen. Auch die Rolle von Bischof Gregor Maria Hanke soll überprüft werden.

Eichstätt - 15.03.2019

Im Eichstätter Finanzskandal wird gegen einen weiteren Verdächtigen ermittelt. Die zuständige Staatsanwaltschaft München II bestätigte am Freitag einen entsprechenden Bericht des "Donaukurier". Über die Identität des Verdächtigen machte die Staatsanwaltschaft keine Angaben. Damit laufen nun gegen insgesamt fünf Personen Ermittlungen. Auch werde ein Anfangsverdacht gegen Bischof Gregor Maria Hanke geprüft. Gegen diesen sei eine anonyme Anzeige eingegangen.

Als Hauptbeschuldigte gelten bisher ein früherer stellvertretender Bischöflicher Finanzdirektor und ein Geschäftspartner in den USA. Beide sollen ungesicherte Darlehen für Immobilienprojekte in den Vereinigten Staaten eingefädelt haben, deren Rückzahlung zum größten Teil aussteht. Beide sind keine Geistlichen. Vor Weihnachten wurde bekannt, dass die Ermittlungen auf zwei weitere Personen ausgedehnt wurden. Deren Identität ist bislang nicht bekannt.

Prüfbericht: Domkapitel mitverantwortlich

Anfang Februar hatte die Münchner Anwaltskanzlei Westpfahl, Spilker und Wastl ihren von Bischof Gregor Maria Hanke in Auftrag gegebenen Prüfbericht in dessen Beisein in Eichstätt vorgestellt. Darin wiesen die Juristen dem Domkapitel eine maßgebliche Mitverantwortung für den Finanzskandal zu, durch den dem Bistum ein Schaden von bis zu knapp 50 Millionen Euro entstanden sein könnte. Zudem war im Bericht von einer klerikalen "Machtclique" und einem "System Eichstätt" die Rede. Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt seit einer Anzeige des Bischofs im Sommer 2017 wegen Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit.

Zuletzt hatte der ehemalige Eichstätter Domdekan Klaus Schimmöller den Prüfbericht der Bistumsanwälte zum Finanzskandal scharf kritisiert. Dessen Aussagen seien eine "einzige Unverschämtheit", keine der Anschuldigungen gegen das Domkapitel belegt. Der Prälat wies insbesondere die Aussage der Anwälte zurück, ein kleiner Zirkel hochrangiger Geistlicher habe die Leitungsmacht in der Diözese auf sich vereinigt. Schimmöller ist der erste hochrangigere Geistliche, der sich namentlich und öffentlich zu den Vorwürfen positionierte. (mal/KNA)

15.03.2019, 10.42 Uhr: Erster Absatz um weitere Informationen ergänzt.