Zu viel ist ungesund
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"Medienzeit" soll beim Umgang mit Computer, Smartphone und Co. helfen

Zu viel ist ungesund

Mit Medien ist es oft wie mit Süßigkeiten: Einmal angefangen, kann man nicht genug bekommen! Helfen kann hier eine "Medienzeit". Das neue katholisch.de-Format "... und es hat klick gemacht" mit dem Medienpädagogen Andreas Büsch gibt Tipps.

Von Elisabeth Müller |  Mainz - 03.02.2016

Was aber versteht man genau unter dem Begriff Medienzeit? Und wie viel Medienkonsum ist zu viel? Medienzeit ist die Zeit, in der wir Medien nutzen, also surfen, fernsehen, an Computer, Konsole oder Tablet spielen, das Smartphone bedienen oder aber ganz einfach ein Buch lesen.

Wie viel Medienzeit noch "gesund" ist, hängt vor allem vom Alter des Nutzers und in Bezug dazu von der Art des Mediums ab. Um beim Süßigkeiten-Beispiel zu bleiben: für Babys ist Schokolade ungesund - ab und zu eine halbe Tüte Schokorosinen gegen den Hunger auf Süßes nach dem Abendessen ist für Jugendliche meistens allerdings kein Problem. Je nach Alter ändern sich nicht nur die Vorlieben für unterschiedliche Süßwaren - es werden auch verschiedene Medien unterschiedlich stark präferiert und das Medienrepertoire erweitert.

Internet für Jugendliche das wichtigste Medium

So beschäftigen sich 2- und 3-Jährige am häufigsten mit Bilderbüchern, bis zu 26 Minuten am Tag. Das am häufigsten genutzte Medium bei 4- und 5-Jährigen ist dagegen der Fernseher, ganze 52 Minuten täglich. Auch bei den 6- bis 13-Jährigen bleibt der Fernseher das beliebteste Medium und wird rund 90 Minuten am Tag genutzt. 40 Prozent dieser Altersgruppe surfen täglich zusätzlich auch im Netz. Für Jugendliche ist nicht mehr der Fernseher, sondern das Internet das wichtigste Medium und wird, egal über welchen Verbreitungsweg, am häufigsten und intensivsten – über drei Stunden täglich - genutzt.

Um zu entscheiden, wie lange die Medienzeit für ein Kind oder einen Jugendlichen sein sollte und mit welchen Medien sie gefüllt wird, gibt es natürlich keine Faustregel - wie viel Mediennutzung "gut" ist, muss individuell entschieden werden. Um aber Konflikte zwischen Eltern und Kindern über die Dauer der Medienzeit zu entschärfen und Vereinbarungen über die Medienzeit leichter treffen zu können, sollten Eltern versuchen zu verstehen, warum ihre Kinder bestimmte Medien nutzen möchten und welche Absichten hinter der Nutzung stecken.

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"... und es hat Klick gemacht": Wie viel Zeit vor dem Computer ist gesund für mein Kind? Professor Andreas Büsch, Medienexperte aus Mainz, kennt die Antwort.

Laut der "FIM Studie" von 2011 geben fast zwei Drittel aller Kinder und Jugendlichen an, regelmäßig mit der Familie über "Fernsehen oder was man im Fernsehen gesehen hat" zu sprechen. Nicht nur das Gespräch über, auch die gemeinsame Nutzung und das gemeinschaftliche Erleben von Medien ist eine Chance, die Beweggründe der Kinder für die Nutzung der Medien besser verstehen und nachvollziehen zu können.

Wenn die Medienzeit vereinbart wird, sollte die 15-jährige Tochter darstellen dürfen, warum es ihr wichtig ist, sich bei Facebook anzumelden und der 13-jährige Sohn sollte erklären dürfen, warum er unbedingt dieses neue Computerspiel haben muss - und der freitägliche familiäre Spieleabend kann auch mal beim Autorennen oder Karaoke-Singen auf der Konsole ausgetragen werden. Durch das gemeinsame Erfahren der Medien und den Dialog darüber, können die Grenzen der Medienzeit anschließend leichter festgelegt werden.

Leben mit Medien verantwortlich gestalten

Der Sinn einer Vereinbarung zur Medienzeit ist es, Kindern und Jugendlichen einen kritischen Umgang mit verschiedenen Medien zu ermöglichen und so ihre Medienkompetenz zu stärken. Auch wenn es um Mediennutzung geht, haben Eltern eine Vorbildfunktion für ihre Kinder, was bedeutet, dass auch der eigene Gebrauch von Medien beim Festlegen der Medienzeit reflektiert werden sollte.

Wenn Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene nicht pausenlos fernsehen, surfen oder zocken, können sie zum einen die vielen alternativen Freizeitbeschäftigungen in der nicht-digitalen Welt kennenlernen und diesen einen ähnlichen Stellenwert beimessen. Zum anderen geht es erzieherisch durchaus darum, die vielfältigen Aufgaben im Alltag in ein angemessenes Verhältnis zur Mediennutzung zu bringen. Ziel der Mediennutzung wiederum sollte sein - zum Beispiel mit Hilfe der Medienzeit - ein Leben zu führen, das von Medien begleitet und bereichert, nicht aber von diesen dominiert wird. Die Aufgabe der Eltern ist es dabei, den Kindern zu helfen, ein Leben mit Medien verantwortlich zu gestalten. Denn von zu vielen Medien wird man zwar nicht dick - verpasst aber viele andere Leckereien, die das Leben bereithält.

Die Aufgabe von Eltern ist es, ihren Kindern zu helfen, ein Leben mit Medien verantwortlich zu gestalten.

Im Internet finden sich zahlreiche Angebote, die Eltern und andere dabei unterstützen, Kindern einen verantwortlichen Umgang mit Medien zu vermitteln.

  • Als grundlegende Information über den Konsum von Medien von Kindern und Jugendlichen bieten sich die Studien KIM 2014 und JIM 2015 des medienpädagogischen Forschungsverbands Südwest an. Hier kann man einen Einblick erhalten, wie viel Zeit Kinder und Jugendliche mit welchen Medien verbringen und welchen Stellenwert unterschiedliche Medien haben.
  • Die Materialübersicht zum Thema Medienkompetenz der Clearingstelle Medienkompetenz der Deutschen Bischofskonferenz beinhaltet eine Sammlung zahlreicher Studien, Berichte und pädagogischer Arbeitsmaterialien zum Thema Medienkompetenz, in der mit Hilfe einer breitgefächerten Stichwortsuche differenziert recherchiert werden kann. Auch zum Thema Medienzeit kann hier einiges gefunden werden.
  • Auf der Internetseite www.klicksafe.de, einer EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz, finden Eltern und andere Interessierte wertvolle Informationen, Services und Materialien rund um das Thema "Sicherheit im Netz".
  • Speziell zum Thema Mediennutzung und Medienzeit haben www.klicksafe.de und www.internet-abc.de, eine Internetseite die einen spielerischen und sicheren Einstieg ins Netz für Kinder bietet, den Mediennutzungsvertrag entwickelt: Hier können Eltern und Kinder gemeinsam einen Vertrag aufsetzen, der regelt, wer wann welche Medien und wie lange benutzen darf - im gegenseitigen Einverständnis. Das Programm erlaubt, den Vertrag individuell zu gestalten und zeitliche Regelungen, Regeln zum Thema Handy/Smartphone, Film und Fernsehen, Internet und Spiele sowie sonstige Vereinbarungen aufzusetzen. Der Vertrag kann anschließend direkt ausgedruckt und von Eltern und Kindern unterschrieben werden.

Die Autorin

Elisabeth Müller ist Mitarbeiterin der Clearingstelle Medienkompetenz.

Von Elisabeth Müller