US-Präsident Barack Obama legt den Amtseid ab.

Zwei Schwüre, drei Bibeln

Der mächtigste Mann der Welt war bei der Generalprobe für seine Amtseinführung nicht dabei. Statisten mit Ansteckern "President Obama" und "First Lady Michelle Obama" spielten den Ablauf der am Montag stattfindenden Amtseinführung durch, denn bei diesem Ereignis darf nichts schief gehen. Wenn Barack Obama, der 44. Präsident der USA, seinen Amtseid vor dem Kapitol in Washington leisten wird, fährt die Nation das ganz große Besteck auf.

Washington - 21.01.2013

Die offizielle Einführung eines US-Präsidenten in sein Amt ist in der Geschichte der Vereinigten Staaten zum bühnenreifen Großereignis geworden, erläutert die Historikerin Heike Bungert. Die Nordamerika-Spezialistin von der Universität Münster hat zahlreiche historische Dokumente über Amtseinführungen analysiert und festgestellt: "Allen Feiern ist gemeinsam, dass sie politische Programme legitimieren und nach einem aggressiven Wahlkampf die US-Gemeinschaft stärken sollen." Der Faktor Religion spiele dabei "eine zentrale Rolle" - trotz der verfassungsrechtlichen Trennung von Staat und Kirche.

Gegen Sklaverei und Rassismus

Nach Ansicht Bungerts hat das religiöse Element mit dem spezifisch amerikanischen Nationalgefühl zu tun. Die Gründerväter hätten sich als das "auserwählte Volk Gottes" verstanden. Dies zeige sich auch bei der Amtseinführung der Präsidenten. So schworen fast alle auf die Bibel, obwohl dies nicht vorgeschrieben sei. Obama hat für die zwei Amtseinführungen - eine im kleinen Kreis am Sonntag im Weißen Haus und die offizielle Zeremonie am Montag - gleich drei Bibeln ausgewählt.

Allen Feiern ist gemeinsam, dass sie politische Programme legitimieren und nach einem aggressiven Wahlkampf die US-Gemeinschaft stärken sollen.

Zitat: Heike Bungert - Universität Münster

Am Sonntag schwört Obama auf die Familienbibel. Bei der großen, öffentlichen Feier greift er auf ein Exemplar aus dem Besitz von seinem berühmten Vorgänger Abraham Lincoln (1809-1865) und eine Reisebibel des Bürgerrechtlers Martin Luther King (1929-1968) zurück. Obama zieht damit eine Linie zu dem Sklavereigegner und Wiederbegründer der USA und dem überzeugten Kämpfer gegen Rassismus.

Gebet einer Bürgerrechtlerin

Beide Männer sind aufgrund ihres Kampfes für die Ideale der Unabhängigkeitserklärung zu Helden geworden. Noch etwas findet die Münsteraner Forscherin bemerkenswert: Erstmals schwöre ein US-Präsident nicht ausschließlich auf die Bibel "eines alten weißen Mannes", sondern auch auf die eines Schwarzen, nämlich Martin Luther Kings.

Zufall oder nicht: Das offizielle Motto der Amtseinführung "Glaube an Amerikas Zukunft" vereint ebenfalls Aspekte von Religion und Politik. Bei aller Kontinuität birgt sie auch Überraschendes: Erstmals wird eine Frau und Nicht-Geistliche, die afroamerikanische Bürgerrechtlerin Myrlie Evers-Williams, das Eröffnungsgebet sprechen. Viele Spielräume bietet die Zeremonie nach Ansicht von Bungert aber nicht: "Sonst würde das Ritual nicht mehr funktionieren." Dazu passt, dass nach dem Schwur und seiner Rede, Barack Obama so wie alle Präsidenten seit Ronald Reagan (1911-2004), den berühmten Satz sprechen wird: "Gott segne Sie und die Vereinigten Staaten".

Von Barbara Mayrhofer (KNA)