Blick auf ein großes altes Haus mit dunkler Vertäfelung.
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Eine Landesausstelung lässt das Konstanzer Konzil wieder lebendig werden

Zwischen Prunk und Kirchenkritik

Edelsteinbesetzte Prachtkreuze, goldene Reliquienbüsten sowie Meisterwerke der Malerei und Skulptur des ausgehenden Mittelalters - die neue baden-württembergische Landesausstellung lässt mit großem Aufwand Geschichte, Kultur und Kunst des Konstanzer Konzils vor genau 600 Jahren lebendig werden. Die Größenordnung des Konzils war damals eine große Herausforderung in Sachen Organisation.

Konstanz - 27.04.2014

"Wir wollen nicht nur Ereignisgeschichte beschreiben, sondern das Kirchentreffen in seinen vielfältigen Facetten beleuchten, auch in seiner Bedeutung als Schmelztiegel der Kulturen des Abendlandes", so Harald Siebenmorgen, Leiter des Badischen Landesmuseums, das die bis 21. September in Konstanz zu sehende Ausstellung verantwortet.

Von 1414 bis 1418 kamen Theologen, Professoren, Fürsten, König und Papst in die damalige Kleinstadt, um sich drei drängenden Problemkreisen zu widmen: Vor allem musste die Kirchenspaltung mit zeitweise drei sich gegenseitig bekämpfenden Päpsten und ihren Gefolgsleuten überwunden werden. Zweitens ging es um Reformen in der Kirche und schließlich um die Auseinandersetzung mit neuen theologischen Strömungen, die letztlich in die Kirchenspaltung der Reformation mündeten. "Natürlich konnten nicht alle Probleme gelöst werden, aber die Bilanz des Konzils kann sich durchaus sehen lassen", findet Siebenmorgen.

Dramatische Geschichte um Kirchenkritiker

Beispielhaft beschreibt die Ausstellung die Geschichte des tschechischen Kirchenkritikers Jan Hus. Er trug dem Konzil seine Fundamentalkritik an der Kirche vor, plädierte für eine asketische, arme Kirche und griff damit die bestehende Kirchenhierarchie in ihren Grundfesten an. Er wich nicht zurück, eine Verständigung und Aussöhnung scheiterte, schließlich wurde er zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt und vor den Toren von Konstanz verbrannt.

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Große Landesausstellung 2014 im ehemaligen Konzilsgebäude in Konstanz. "Das Konstanzer Konzil. Weltereignis des Mittelalters 1414 - 1418". BLM-Direktor Prof Dr. Siebenmorgen mit konzilszeitlicher Greifenklaue.

Erstmals wird jetzt eine Hus-Reliquie ausgestellt, ein kaum zehn mal zehn Zentimeter kleines Stoffstück, das von Hus' Mantel stammen soll. Die ebenfalls erstmals in Deutschland gezeigte, älteste erhaltene Handschrift der Konzilschronik des Ulrich von Richental beschreibt die Hinrichtung des Tschechen in dramatischen Worten.

Prunkvolle Ausstellungsstücke

Gleich zu Beginn des Rundgangs durch die 350 Exponate aus Museen aus 14 Ländern steht der Besucher einer eindringlichen Kalksteinskulptur des Gekreuzigten gegenüber. "Entstanden um das Jahr 1400 ist diese Büste eine der frühesten Beispiele für eine naturalistische Darstellung des leidenden Christus", so Kuratorin Karin Stober.

Ikonen der Ostkirche illustrieren, dass auch christlich-orthodoxe Theologen nach Konstanz kamen. Prachtvolle liturgische Geräte wie Kelche, Monstranzen und Reliquiare sowie textile Kostbarkeiten wie Priestergewänder und perlenbesetzte Mitren und Bischofsstäbe lassen erahnen, wie sich die kirchlichen Würdenträgern in Festgottesdiensten und Umzügen in Szene setzten.

Das Konzil als kulinarisches Experimentierfeld

Ein großes Ausstellungskapitel ist dem Alltagsleben während des Konzils gewidmet. Die Versorgung der Tausenden Teilnehmer mit Lebensmitteln war eine enorme Herausforderung. Das Konzil wurde auch zum kulinarischen Experimentierfeld der verschiedenen Länderküchen.

Italienische Bäcker zogen mit fahrbaren Öfen durch die Stadt und boten mit Singvögeln gefüllte Pasteten an. Über den Bodensee wurde fässerweise Wein verladen.

Wie bunt es in den Kneipen vor 600 Jahren zugegangen sein mag, lässt sich für Besucher erahnen, wenn sie den Trinkliedern des Konzilsmusikanten Oswald von Wolkenstein lauschen. Vor dem Konzilsgebäude informiert ein Mittelaltergarten über den damaligen Gemüseanbau. Im Museumsshop schließlich lassen sich Konzils-Honigwein, Klostertee oder Kirchennudeln erstehen. Direkt nebenan grüßt ein ausgestopftes Wisent mit riesigen Hörnern: Es erinnert an seine Vorfahren, die als Gastgeschenk für König Siegesmund den weiten Weg von Polen nach Konstanz antreten mussten, angesichts ihrer Störrigkeit aber schon bald geschlachtet wurden und nur in gepökelter Form in Holzfässern in der Konzilsstadt ankamen.

Von Volker Hasenauer (KNA)