Papst Benedikt XVI. fährt mit dem Papamobil über den Petersplatz.
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Rom und die Welt verabschieden sich von Benedikt XVI.

Benedetto-Rufe ohne Ende

Heute vor fünf Jahren endete das Pontifikat Benedikts XVI. Tags zuvor hielt er die letzte und zugleich emotionalste Generalaudienz ab: Weinende Kardinäle, minutenlange Benedetto-Rufe und ein Papst, der in seiner Ansprache sehr persönlich wurde.

Von Agathe Lukassek |  Rom - 27.02.2013

So eine emotionale Generalaudienz hat es in den acht Jahren des Pontifikats von Papst Benedikt XVI. zuvor nicht gegeben: Menschen mit Tränen in den Augen, weinende Kardinäle, minutenlange Benedetto-Rufe und ein Papst, der in seiner Ansprache sehr persönlich wird. Zum letzten großen Auftritt des Papstes vor seinem Rücktritt am darauffolgenden Tag waren rund 150.000 Menschen auf den Petersplatz und die Via della Conciliazione gekommen. Pilger aus aller Welt wollten sich von ihm verabschieden.

"Ich hoffe, dass der Rücktritt wirklich seine Entscheidung und nicht erzwungen war", sagt Anna Zagaglia aus dem römischen Badeort Fregene. Die Mittfünfzigerin spielte auf die italienische Berichterstattung der vergangenen Tage an, nach der Benedikt XVI. aufgrund der "Vatileaks"-Affäre und aus Entsetzen über angeblich skandalöse Zustände in der Kurie zurückgetreten sein soll.

Gegen die Spekulationen

Dazu gab der Papst in seiner Ansprache eine indirekte Antwort. Benedikt XVI. bekräftigte, dass sein Rücktritt aus Altersgründen erfolgt sei. Er habe sich zu diesem Schritt "im vollen Bewusstsein seiner Schwere und Neuheit, aber mit unbeschwertem Herzen" entschieden. Er bedankte sich ausführlich bei den Kardinälen, dem Staatsekretariat und Kurienmitarbeitern für ihre Unterstützung während seines knapp achtjährigen Pontifikats.

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Die letzte Generalaudienz Benedikts XVI. auf dem Petersplatz.

Zu diesem großen Abschiedstreffen wurde das Programm im Vergleich einer gewöhnlichen Generalaudienz umgestellt: Statt wie im Winter üblich in der Audienzhalle wurde die Begegnung nach draußen verlegt. Und Petrus schien es gut mit seinem Nachfolger zu meinen. Nach unstetem Wetter und starken Regenschauern in den vergangenen Tagen zeigte sich an diesem Mittwoch keine einzige Wolke am Himmel. Der Papst nahm ein letztes Mal ein Bad in der Menge, fuhr 20 Minuten im Papamobil durch die Reihen auf dem Petersplatz. Sein Privatsekretär Erzbischof Georg Gänswein reichte ihm Kleinkinder in den Wagen, die der Pontifex küsste und segnete.

Dann folgte eine persönliche Ansprache an alle Gläubigen, die für ihn beteten. "Ein Papst ist nie allein, das spüre ich jetzt ein weiteres Mal in einer so großen Weise, dass es das Herz berührt", sagte er. Tosender Applaus folgte. Ihn hätten die Briefe berührt, die er nicht von Staatsoberhäuptern, sondern von einfachen Menschen erhalte. Diese schrieben ihm nicht wie einem Oberhaupt, sondern wie einem Bruder. Daran sehe er, dass die Kirche keine Organisation sei, sondern "ein lebendiger Leib".

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Video: © katholisch.de

Eine Umfrage bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz

Zudem erinnerte sich der Papst an den Tag seiner Wahl zum Bischof von Rom am 19. April 2005. "Herr, was verlangst du von mir?", sei seine erste Reaktion gewesen. Im Laufe seines Pontifikats habe er aber stets die Nähe Gottes erfahren dürfen. "Die Kirche hat in diesen Jahren glückliche Tage gesehen, aber auch weniger glückliche. Dann habe ich mich so wie der heilige Petrus im Boot mit den Fischern gefühlt", so Benedikt XVI. "Der Herr schien zu schlafen, aber ich habe dennoch gewusst, dass er mit uns im Boot ist. Das Schiff der Kirche ist nicht mein Eigentum. Es ist nicht unser Eigentum, es gehört ihm. Und der Herr wird es nicht untergehen lassen." Er sei überzeugt, dass die Kirche die Kraft habe, auch Krisen zu überwinden.

"Ich verlasse das Kreuz nicht"

In den vergangenen Monaten habe er jedoch gemerkt, dass seine Kräfte geschwunden seien und um eine Entscheidung zum Wohl der Kirche gebetet, so der Papst.

Wer den Petrusdienst annehme, habe keine Privatsphäre mehr, gehöre der ganzen Kirche für immer. Deshalb bedeute sein Rücktritt auch keine Rückkehr ins Privatleben. "Ich verlasse das Kreuz nicht", betonte Benedikt XVI. Er kündigte an, den Weg der katholischen Kirche auch weiterhin mit seinem Gebet zu begleiten.

Wieder wurde er durch Applaus unterbrochen – mit Blick auf Johannes Paul II., der nicht vom Kreuz abgestiegen sei, hatten einige Stimmen die Rücktrittsankündigung Benedikt XVI. vor gut zwei Wochen kritisiert. In seinen Grußworten auf Polnisch sagte der Papst, dass er mit seinem seligen Vorgänger einen großen Fürsprecher bei Gott habe.

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Der Kardinal hat sich in Rom die letzte Generalaudienz des Papstes angesehen.

Besonders die älteren Gläubigen auf dem Petersplatz schätzten die Entscheidung zum Rücktritt. "Dieser Schritt ist ein großer Akt der Menschlichkeit, den er mit viel Würde begeht; wir respektieren das", sagt die Philippinerin Nelia, die seit Jahrzehnten in Italien lebt.

Bei Italienern wurde der Rücktritt schnell in Verbindung mit ihren eigenen Politikern gebracht. "Der 76-jährige Berlusconi könnte ohne Macht nicht leben, Papst Benedikt hingegen hält überhaupt nicht an der Macht fest, sondern lebt, um zu dienen", sagte der 24-jährige Gabriele, der an diesem Tag als freiwilliger Helfer für die Pilger auf dem Platz sorgt.

Gegen Mittag rief Benedikt XVI. zum letzten Mal die Fürsprache der Apostel und den Segen Gottes auf die Menschen herab. Noch einmal brandete am Ende minutenlanger Applaus auf, die Menge hielt zahlreiche bayrische, vatikanische und polnische Fahnen sowie Flaggen aus mehreren anderen europäischen und amerikanischen Ländern hoch.

Auf einem Transparent ist ein trauriges Gesicht gemalt und daneben steht "Du wirst uns fehlen", ein weiteres verspricht dem Papst "Du wirst nie allein sein."

Von Agathe Lukassek

Linktipp: "Vergelt’s Gott"

Die Ansprache von Papst Benedikt XVI. anlässlich seiner letzten Generalaudienz im Wortlaut.