Gotische Gotteshäuser und das Barockjuwel vom Bodensee
Vierter Teil der Serie "Deutschlands Basiliken"

Gotische Gotteshäuser und das Barockjuwel vom Bodensee

Im vierten Teil der katholisch.de-Serie über die Basiliken in Deutschland geht die Reise unter anderem zu zwei barocken Prachtkirchen in Oberbayern und am Bodensee sowie zu beeindruckenden gotischen Gotteshäusern. Mit dabei ist außerdem die Bischofskirche von Berlin.

Von Steffen Zimmermann |  Berlin - 26.01.2019

Ettal: Klosterkirche St. Mariä Himmelfahrt

Kloster Ettal zwischen den oberbayerischen Städten Garmisch-Partenkirchen und Oberammergau ist eine Perle des Barock.

Wie ein barockes Schloss trohnt das Kloster Ettal zwischen den oberbayerischen Städten Garmisch-Partenkirchen und Oberammergau.

Die Klosterkirche St. Mariä Himmelfahrt ist der unübersehbare Mittelpunkt der oberbayerischen Benediktinerabtei Ettal. Mächtig thront die Kirche beinahe wie ein barockes Schloss in der alpenländischen Landschaft zwischen Garmisch-Partenkirchen und Oberammergau. Nachdem die ursprüngliche Kirche 1744 bei einem Brand zerstört worden war, wurde sie in den folgenden Jahren nach Plänen von Enrico Zuccalli im Rokoko-Stil wieder aufgebaut. Zur Ausstattung zählen unter anderem Seitenaltäre und die Kanzel von Johann Baptist Straub, die Deckenmalereien schuf Johann Jakob Zeiller. Das riesige Fresko in der großen Kuppel wirkt dabei wie ein Blick in den offenen Himmel: Eine fast unzählbare Schar von Heiligen ist hier versammelt um die Größe Gottes zu preisen. Dem, der unter der Kuppel steht, ist damit das Ziel seines Lebensweges gezeigt – die Anschauung des lebendigen Gottes. Inhalt des monumentalen Gemäldes von Martin Knoller am Hochaltar ist die Aufnahme Mariens in den Himmel. Sehenswert ist darüber hinaus das Gnadenbild der Gottesmutter Maria, das seit Jahrhunderten in Ettal verehrt wird.

Weitere Informationen: www.kloster-ettal.de

Berlin: St.-Hedwigs-Kathedrale

Die Hedwigs-Kathedrale am Bebelplatz im Zentrum von Berlin.

Die St.-Hedwigs-Kathedrale ist die Bischofskirche des Erzbistums Berlin und das bekannteste katholische Gotteshaus der Bundeshauptstadt. Die Kirche am Bebelplatz – direkt hinter der Staatsoper unter den Linden – geht auf den preußischen König Friedrich II. zurück. Als Zeichen der Toleranz im mehrheitlich protestantischen Berlin ließ er die Kirche zwischen 1747 und 1773 nach Plänen von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff für die katholische Minderheit in der Stadt errichten. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Kathedrale in der Nacht zum 2. März 1943 durch einen Luftangriff der Alliierten fast vollständig zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte zwischen 1952 bis 1963; bemerkenswert war dabei vor allem der von Hans Schwippert gestaltete Innenraum mit der breiten Bodenöffnung zur Unterkirche. Seit September 2018 ist das Gotteshaus, das seit 1927 den Titel einer Basilica minor trägt, für eine mehrjährige Sanierung geschlossen.

Weitere Informationen: www.hedwigs-kathedrale.de

Trier: Liebfrauenkirche

Dom und Liebfrauenkirche in Trier sind Teil des Weltkulturerbes in Trier.

Die Liebfrauenkirche gilt zusammen mit der Elisabethkirche in Marburg als älteste gotische Kirche in Deutschland und als bedeutendster gotischer Zentralbau der Bundesrepublik. Die Ursprünge der Kirche, die unmittelbar neben dem Trierer Dom steht, liegen im vierten Jahrhundert. Das heutige Kirchengebäude wurde unter Erzbischof Theoderich von Wied (1212-1242) von französischen Baumeistern im gotischen Stil auf den Fundamenten der Vorgängerkirche erbaut. Das genaue Datum des Baubeginns lässt sich nicht mehr ermitteln, eine später entstandene Inschrift im Inneren der Kirche lautet aber: "Der bau dieser Kirche ward angefangen im Jahr 1227 und geendigt im Jahr 1243". Über Jahrhunderte wurde die Liebfrauenkirche von den Mitgliedern des Domkapitels als Grabkirche genutzt. Im Zuge der französischen Revolution wurden die meisten Gräber zwar entfernt, eine Reihe von bedeutenden Grabdenkmälern ist jedoch bis heute in der Kirche erhalten. Die vorerst letzte umfassende Sanierung der Kirche fand von Juli 2008 und September 2011 statt. Dabei konnte unter anderem die ursprüngliche Farbfassung des Kircheninneren ermittelt werden, die in einer der Kapellen an einer Fensterachse zur Demonstration rekonstruiert wurde.

Weitere Informationen: www.liebfrauen-trier.de

Hildesheim: Basilika St. Godehard

Die Basilika St. Godehard im niedersächsischen Hildesheim.

Die am Südrand der Altstadt von Hildesheim gelegene Basilika St. Godehard wurde zwischen 1133 und 1172 als Abteikirche der gleichnamigen Benediktinerabtei errichtet. Von keinen späteren Umbauten verändert und im Zweiten Weltkrieg fast unversehrt geblieben, zählt das Gotteshaus zu den bedeutendsten Zeugnissen romanischer Baukunst in Deutschland. St. Godehard ist eine dreischiffige Basilika mit Querschiff und Chorumgang, einem großen achteckigen Vierungsturm und einem Westwerk mit zwei kleineren Türmen und Westapsis. Von den Portalen ist das nordwestliche besonders eindrucksvoll, von dessen Giebel Christus und die beiden heiligen Bischöfe Godehard (1022-1038) und Epiphanius (466-496) die Besucher begrüßen. Im Inneren der Kirche wird das flache Mittelschiffdach von sechs Pfeilern und zwölf Säulen getragen. Die hochromanischen, figuren- und ornamentreichen Kapitelle gehören zu den Meisterwerken ihrer Art. Licht fällt durch die Rundbogenfenster der Seitenschiffe, der Obergaden und des Hochchors. In der Vierung über dem Hauptaltar hängt ein Radleuchter, den Königin Marie von Hannover der Kirche 1864 stiftete. 1963 verlieh Papst Paul VI. (1963-1978) der Kirche den Titel einer Basilica minor.

Weitere Informationen: www.st-godehard-hildesheim.de

Uhldingen-Mühlhofen: Wallfahrtskirche Birnau

Die Wallfahrtskirche Birnau trohnt über Weinbergen.

Die Wahllfahrtskirche Birnau gilt als das "Barockjuwel am Bodensee". Das Gotteshaus, das 1971 zur Basilica minor erhoben wurde, ist ein vielbesuchter Wallfahrtsort und eines der beliebtesten Touristenziele in Süddeutschland. Die Birnau wird von Zisterziensern betreut, die in dem rechts und links vom Kirchturm befindlichen Klostertrakt wohnen. Die Kirche wurde am 21. September 1750 geweiht. Ihr Inneres ist eine Symphonie von marmorisiertem Stuck, farbigen Fresken und Statuen. Immer wieder ist Maria zu sehen, der die Kirche geweiht ist. Künstlerischer Hauptanziehungspunkt ist der Honigschlecker von Josef Anton Feuchtmayer. Die Putte steht am Seitenaltar des großen Ordensheiligen der Zisterzienser, Bernhard von Clairvaux, der wegen seiner Beredsamkeit den Beinamen "doctor mellifluus" (der honigfließende Lehrer) erhielt. Den Bienenkorb mit empört ausschwärmenden Bienen im rechten Arm, hat der verschmitzt guckende Junge den Zeigefinger der linken Hand zum Mund geführt und schleckt am Honig. Auch auf dem Altarbild ist die Szene verewigt.

Weitere Infomationen: www.birnau.de

Düsseldorf: Basilika St. Margareta

Die Basilika St. Margareta in Düsseldorf.

Abseits des Zentrums von Düsseldorf steht inmitten des östlichen Stadtteils Gerresheim einer der bedeutendsten Kirchenbauten des Rheinlands aus der Übergangszeit von der Romanik zur Gotik: die staufische Pfeilerbasilika St. Margareta. Das Gotteshaus wurde zwischen 1220 und 1230 als Stiftskirche des Gerresheimer Frauenstifts errichtet und vermutlich 1236 geweiht. Die Kirche war wie das Stift dem Heiligen Hippolyt geweiht und trug den Namen Monasterium Santi Hippolyti. Die Außenansicht der Kirche ist geprägt durch die Einheitlichkeit ihrer Architektur und die gleichmäßige Formgebung. Im Inneren ist vor allem die aus der Zeit der Erbauung stammende Ausmalung der Apsis von kunsthistorischer Bedeutung. Im Gewölbezentrum ist die Dreifaltigkeit Gottes in Form des Gnadenstuhls zu sehen: Der thronende Gottvater hält vor sich den gekreuzigten Christus, zwischen beiden die Taube als Symbol des Heiligen Geistes, gerahmt von den vier Evangelisten. Noch aus dem Vorgängerbau stammt das überlebensgroße Kruzifix über dem Altar. Das über zwei Meter hohe ottonische Bildwerk aus Eichenholz dürfte nach neuesten Erkenntnissen um 960 gefertigt worden sein; der Korpus zeigt noch heute Reste der ursprünglichen Bemalung.

Weitere Informationen: www.st-margareta.de

Neuss: Quirinus-Münster

Das Quirinus-Münster in Neuss.

Das Quirinius-Münster ist das imposante Wahrzeichen von Neuss ist eine der bedeutendsten spätromanischen Kirchen am Niederrhein. Die Kirche wurde zwischen 1209 und 1230 im Rheinischen Übergangsstil – einem Baustil am Übergang der Romanik zur Gotik – errichtet. Der Bau orientierte sich unter anderem an der Kölner Kirche St. Maria im Kapitol, erkennbar vor allem an den drei Konchen im Chorraum. Auch die Außenansicht des Chorraums macht den Einfluss der romanischen Kirchen Kölns deutlich. Wahrzeichen der Kirche war bis in das 18. Jahrhundert der fast 100 Meter hohe Westturm. 1741 wurde die Kirche jedoch durch einen Brand schwer beschädigt. Die gotischen Spitzhelme des West- und Ostturms sowie einige Zwerggalerien wurden nicht wieder aufgebaut. Stattdessen erhielt der Bau die barocke Kuppel mit dem Standbild des Quirinus sowie ein flaches Pyramidendach auf dem Hauptturm. Verheerend waren für das Gotteshaus die Folgen der Französischen Revolution. Wertvolle Ausstattungsgegenstände waren vor der Besetzung in Sicherheit gebracht worden und kehrten nicht wieder zurück oder wurden zerstört; die Kirche selbst diente als Lagerraum. Auch in den folgenden Jahrhunderten wurde das Münster beschädigt – so 1914 bei einem Brand im Turm und 1944 bei einem Bombenangriff. Dank aufwendiger Restaurierungen bis in die jüngste Zeit befindet sich das Münster, das 2009 von Papst Benedikt XVI. zur Basilica minor erhoben wurde, jedoch in einem guten Zustand.

Weitere Informationen: www.st-quirinus-neuss.de

Von Steffen Zimmermann