Zollitsch in Nahaufnahme.
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Zollitsch zieht Bilanz seiner Zeit als Bischofskonferenz-Vorsitzender

Dialogprozess, Limburg, Franziskus

Sechs Jahre lang war der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Seine Amtszeit endet auf der diesjährigen Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe im März in Münster. Zollitsch blickt im Interview zurück - und sagt, was er seinem Nachfolger wünscht.

Bonn - 26.02.2014

Frage: Herr Erzbischof, der Zeitpunkt, an dem Sie das Amt des Vorsitzenden der Bischofskonferenz in jüngere Hände übergeben werden, steht in Kürze bevor. Sie sind dann nicht mehr das Gesicht und die Stimme der katholischen Kirche in Deutschland und nicht mehr der viel gefragte Moderator unter ihren bischöflichen Mitbrüdern. Fällt Ihnen der Abschied von diesen Aufgaben schwer?

Zollitsch: Ich bin dankbar, nun schon über zehn Jahre Erzbischof von Freiburg sein zu dürfen. Davon habe ich sechs Jahre zugleich als Vorsitzender Verantwortung für die Deutsche Bischofskonferenz getragen. Es war eine gute, eine fordernde und auch anstrengende Zeit . Es war vor allem eine Zeit, in der ich viel Vertrauen und Fürsprache von meinen bischöflichen Mitbrüdern wie auch von sehr vielen Gläubigen erfahren habe. Ein wenig gibt es beim Abschied das weinende Auge, weil ich in den Jahren spüren durfte: Ja, du kannst in der Kirche etwas bewegen. Ganz so nah bin ich künftig nicht mehr dabei. Und dann ist da auch das lachende Auge, weil ich bald mehr Zeit für mich haben werde, Zeit zum Lesen und Wandern. Darauf freue ich mich.

Erzbischof Robert Zollitsch sucht Akten in seiner Tasche. Hinter ihm ist das Logo der Deutschen Bischofskonferenz, deren Vorsitzender er seit 2008 ist.

Frage: Wenn Sie zurückblicken auf die sechs Jahre seit Ihrer Wahl in Würzburg im Februar 2008, was waren die Höhepunkte?

Zollitsch: Da ist einmal der Besuch von Papst Benedikt im Jahr 2011 in Deutschland und bei uns in Freiburg. Da ist der Katholikentag in Mannheim , der sehr tief in unser Erzbistum wie auch in unser ganzes Land hinein ausgestrahlt und gewirkt hat. Und dann ist da der Dialogprozess , bei dem ich nach drei Jahren spüre: Ja, es ist eine neue Gesprächskultur entstanden und es bewegt sich etwas bei uns in der Kirche. Ich erinnere mich auch gerne an verschiedene Reisen, bei denen ich Katholiken in Afrika, Lateinamerika, Korea und im Heiligen Land kennenlernen durfte. Wo ich Weltkirche hautnah erfahren konnte und oft eine ansteckende Freude am Glauben spürte. Diese Reisen waren für mich immer auch Ausdruck der Solidarität von uns Katholiken hier in Deutschland mit den Katholiken anderer Länder, mit bedrängten und verfolgten Christen.

Frage: Es gab aber auch manche Krisen und Tiefpunkte. Welche Ereignisse, vielleicht auch eigene Fehler, schmerzen Sie im Rückblick am meisten?

Zollitsch: Ohne Frage war die Aufdeckung von Fällen sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen die größte Krise, weil wir uns so etwas in unseren Reihen nicht haben vorstellen können. Viele öffentliche Debatten drehten sich um den Holocaustleugner Bischof Williamson . Auch die Situation in Limburg schmerzt mich sehr. Durch die Kollateraldebatte um Kirchenfinanzen hat sich die Krise verschärft. Wieder und wieder müssen wir um ein neues Vertrauen und neue Glaubwürdigkeit werben.

Frage: Sie haben innerhalb der Konferenz, aber auch in der Kirche insgesamt, immer wieder für eine neue Dialogkultur geworben. Was haben Sie damit erreicht?

Zollitsch: Alois Glück hat einmal gesagt, dass durch den von mir angestoßenen Dialogprozess eine Gesprächskultur in der Kirche entstanden sei, die es so vor zehn Jahren nicht gegeben habe. Das spüre ich auch in unserer Bischofskonferenz. Dialogkultur heißt ja nicht Anpassung an den Zeitgeist, sondern sie meint, hören auf den Anruf Gottes, was er uns in dieser Zeit der Kirche sagen und mit auf den Weg geben will. Und es heißt zugleich verstärkt aufeinander zu hören, versuchen, die Meinung des Anderen zu verstehen. Mir ist es in den vergangenen Jahren darum gegangen - und das wünsche ich auch meinem Nachfolger -, dass wir als pilgernde, dienende und hörende Kirche wahrgenommen werden, um so die Botschaft des Evangeliums zu den Menschen zu bringen. Das ist unser Auftrag, das ist unser Weg!

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Anlässlich seines 75. Geburtstages blickte Erzbischof Zollitsch auf sein Leben zurück.

Frage: Seit Franziskus Papst ist, gibt es viel frischen Wind in der Kirche - aber auch neue, offenere Debatten. Wird es künftig schwieriger werden, in der Deutschen Bischofskonferenz das Amt des Vorsitzenden auszufüllen?

Zollitsch: Nein, ganz im Gegenteil. Papst Franziskus motiviert ja zum Dialog. Oft genug benutzt er in seinen Ansprachen ganz bewusst diesen Begriff. Deshalb sind die Worte und Taten des Heiligen Vaters Motivation und Ermutigung für den Vorsitzenden der Bischofskonferenz. So habe ich mich immer verstanden und so erlebe ich den Heiligen Vater.

Frage: Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger?

Zollitsch: Den Mut, klar in der Öffentlichkeit zu kirchlichen Themen Position zu beziehen. Die Ausdauer, den eingeschlagenen Weg des Dialogs fortzusetzen. Die innere Flamme, den Glauben und das Evangelium ungekürzt und mit Begeisterung zu verkünden und zu vermitteln.

Das Interview führte Ludwig Ring-Eifel (KNA)